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Politik

Bundesverfassungs­gericht verhandelt über Zugang zum Medizinstudium

Montag, 2. Oktober 2017

/dpa

Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am Mittwoch über die Frage, ob die geltenden Regeln für die Vergabe von Studienplätzen im Fach Medizin mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Die bundesweit zentrale Verteilung der Studienplätze nach dem Numerus clausus (NC) der Bewerber steht seit Langem in der Kritik. Das Verwal­tungs­gericht Gelsenkirchen bezweifelt, dass die Vergabepraxis verfassungskonform ist.

Vertreter der Ärzteschaft plädierten heute für eine Abschaffung des Numerus clausus (NC) als zentrales Auswahlkriterium für die Zulassung zum Medizinstudium. Die Abiturnote dürfe nicht länger maßgeblich entscheidend dafür sein, welche Bewerber einen der knapp 11.000 begehrten und teuren Studienplätze in Deutschland erhielten, sagte Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, der Westdeut­schen Allgemeinen Zeitung.

NC sagt nichts über Qualität des Arztes

„Der Numerus clausus ist verfehlt, weil eine 1,0 im Abitur nichts über die Qualität eines künftigen Arztes aussagt“, sagte Windhorst. Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, ergänzte: „Das Auswahlverfahren muss so reformiert werden, dass Motiva­tion, berufliche Erfahrung, persönliche Eignung und soziales Engagement berück­sichtigt werden.“

Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) dringt auf neue Zulassungs­regeln für Medizinstudenten. „Wir haben uns mit den Bundesländern darauf verstän­digt, dass Hochschulen bei der Bewerberauswahl künftig nicht nur auf gute Noten, sondern auch auf die sozialen Fähigkeiten der Studierenden achten sollen“, sagte der CDU-Politiker.

Gröhe erwartet zudem von den Ländern, dass sie weitere Reformvorhaben aus dem gemeinsamen „Masterplan Medizinstudium 2020“ umsetzen. So soll bei der Studien­platzvergabe stärker berücksichtigt werden, wenn ein Bewerber etwa im Rettungs­dienst tätig ist, sich sozial oder in der Alten- und Krankenpflege einsetzt. Die Gesellschaft des längeren Lebens brauche gut ausgebildete junge Ärzte mit Teamgeist, Begeisterung für den Beruf und der Fähigkeit, mit Patienten auf Augenhöhe zu sprechen, so Gröhe.

Auf einen Studienplätze gibt es derzeit im Schnitt fünf Bewerber. Medizin gehört zu den wenigen Fächern, bei denen die Studienplätze zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden. Das bisherige Vergabeverfahren sieht vor, dass zunächst ein Kontingent von zwölf Prozent der Studienplätze etwa für ausländische Studierende, Studierende ohne Abitur oder Sanitätsoffiziere der Bundeswehr freigehalten wird.

Von den übrigen Plätzen werden 20 Prozent mit „Abitur­besten“ besetzt. Weitere 20 Prozent werden Bewerbern mit der längsten Wartezeit zugespro­chen. Bei den übrigen 60 Prozent der Bewerber entscheiden die Hochschulen nach individuellen Kriterien, wie beispielsweise dem Ergebnis eines Test oder eines Auswahlgespräches. Die Abiturnote muss aber auch in dieser Quote das maßgebliche Kriterium sein. © kna/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Mittwoch, 4. Oktober 2017, 23:44

Nachtrag

In einem Punkt muss ich meinen vorherigen Beitrag partiell revidieren, nämlich bei der Aussage, dass der NC bei Verwendung des Notendurchschnitts eine zufällige Auswahl unter den verbleibenden Bewerbern trifft.

Nach meiner persönlichen Erfahrung gibt es nur eine teilweise Korrelation zwischen höherem IQ und besseren Noten. Allein mit einem hohen IQ hat man gute Noten, aber keinen Durchschnitt von 1,0. Für einen Notendurchschnitt von 1,0 braucht es zusätzlich eine gute Portion an Anpassungsfähigkeit, Selbstverleugnung und Opportunismus. Ob diese Eigenschaften zum Berufsbild eines guten Arztes gehören, diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Ein Notendurchschnitt von 1,0 bedeutet, dass nicht nur die Dummen auf der Strecke bleiben, sondern auch die Unangepaßten, die Querdenker und Freigeister, das was übrig bleibt ist gehobener Durchschnitt, aber nicht das Ausnahmetalent. Nach meiner Erfahrung haben gerade Ausnahmetalente oft einen schwierigen Charakter.

Dies spricht nicht unbedingt gegen den Numerus Clausus, solange alternative Pfade zum Medizinstudium zur Verfügung stehen.
doc.nemo
am Mittwoch, 4. Oktober 2017, 08:15

Zugang zum Medizinstudium

Die einfachste und gerechteste Lösung wäre die Zulassung streng nach Wartezeit: jeder neue Abiturjahrgang muss sich ganz hinten anstellen, wobei die Reihenfolge innerhalb eines Jahrgangs ausgelost wird. Die Einserabiturienten aus Bremen würden sich dann neben den Dreierabiturienten aus Bayern wiederfinden. Das würde eine Wartezeit für alle bedeuten und die Zahl der Bewerber, die nur wegen ihres Einsers Medizin studieren wollen, vermutlich deutlich senken.
Staphylococcus rex
am Dienstag, 3. Oktober 2017, 23:52

Das große Missverständnis beim NC

ist die Vorstellung, man könnte damit die besten Bewerber herausfinden. Der NC hat genau drei Effekte: Er kann die schlechtesten 20% aussieben, er kann unter den verbleibenden 80% eine zufällige Auswahl treffen und er kann die Illusion vermitteln, eine objektive Auswahl getroffen zu haben.

Wenn man diese Unzulänglichkeiten des NC akzeptiert, dann stellt sich die Frage, ob es bessere Verfahren gibt. Wartezeiten und Quoten für Quereinsteiger sind ein passabler Surrogatmarker für die Motivation der Bewerber und erlauben weiteren potentiell geeigneten Bewerbern den Zugang zum Medizinstudium.

Bei der ganzen Diskussion um Auswahlverfahren sollte man bedenken: fachliche Mindestanforderungen sind zwingend notwendig, sind aber nicht geeignet, das Missverhältnis zwischen Bewerbern und freien Studienplätzen zu lösen. Die charakterliche Eignung läßt sich in einem kurzen Auswahlgespräch nicht hinreichend sicher überprüfen. Und was die Talente eines Bewerbers betrifft, der Arztberuf ist sehr vielfältig, es gibt nicht den "idealen Bewerber". Ich traue mir nach einem Gespräch evtl. eine vage Aussage zu, ob jemand für das Labor geeignet ist, ich kann aber keine Aussage dazu treffen ob der Bewerber vielleicht ein begnadeter Chirurg ist. Die Vertreter anderer Fachrichtungen werden das gleiche Problem haben. Also haben auch Auswahlgespräche einen extrem zufälligen Charakter. Und vor Allem, wer soll diese Gespräche durchführen? Soll der gesamte akademische Mittelbau für Juli und August eine Urlaubssperre bekommen? Wenn ich mir die Situation in den Unikliniken ansehe, dann sehe ich keine Mittel dafür, externe Gutachter zu verpflichten und die eigenen Mitarbeiter werden es nicht schaffen, allen Bewerbern eine objektive Prüfung zu ermöglichen.

Mein Vorschlag dazu wäre, man beläßt prinzipiell alles beim Alten, immatrikuliert 150% der Studenten in das erste Semester und reduziert im ersten Jahr durch strenge Prüfungen die Zahl der Studenten auf die 100%, die dann durch das restliche Studium geschleust werden.
Practicus
am Dienstag, 3. Oktober 2017, 21:14

Es gibt bis heute

keine zuverlässige Methode, die Eignung von Kandidat_innen für den Arztberuf zu ermitteln. Was sich Gröhe und die "Papierärzte" der Kammern unter sozialen Fähigkeiten vorstellen, ist ziemlich klar: Menschen, die lieber sich zu Tode schuften als ihre Patienten zu vernachlässigen, die man am Nasenring des Ethos durch die Manege zerren kann... mit Burn-out als Berufskrankheit und zufrieden damit, sich für andere aufopfern zu dürfen wie einst die Schwestern der Diakonie
Erst im ärztlichen Alltag lässt sich entscheiden, ob jemand ein guter Arzt oder bloß ein guter Ärztefunktionär wird...
Es gibt nur eine "gerechte" Studienplatzvergabe: Ein Losverfahren, aber am besten nur unter den Abiturienten, die einen LK in Physik, Chemie, Biologie oder Mathematik absolviert haben
Qualifikationen im Dummschwätzen, für die eine "Einskommanull" im Abi steht, sind für ein Medizinstudium so nutzlos wie für den Arztberuf!
Dann erledigt sich auch das Problem mt der Feminisierung von Psychlogie und Medizin, wo über 70% der Studienanfänger weiblich sind!
jpink
am Dienstag, 3. Oktober 2017, 06:50

Definiere "soziale Fähigkeiten"

Welche sozialen Fähigkeiten lassen sich denn einem klassischen Karriereschwein zuschreiben ("Operation Karriere")? Die Motivation zur "Selbstverwirklichung" ist kaum mit dem Arztdasein vereinbar. Es sollte um die Gesundheit der Menschen gehen, die am besten nie zum Patienten werden. Im Zuge der angelsächsischen Geschäftswerdung der Welt mit ihren allerlei Kriegen und Ausbeutungsmodellen, ist das natürlich so einfach wieder nicht.

Die Gabe, in jedem System zu funktionieren, vor jeder ideologischen Kulisse zu glänzen, zeichnet übrigens auch nicht den romantauglichen Idealarzt aus.

Gerade letzteres, also den ideologisch funktionierenden Medizinfacharbeiter, dürfte Herrn Gröhe von der sogenannten und in immer weiteren Kreisen umstrittenen und allemal berüchtigten Institution "Bundesregierung" wohl meinen, von der ich nie wirklich begriffen habe, was die eigentlich wirklich ist oder sein soll oder will. Wenn ich nur an die groteske Szene denke, als Personal Gröhe es wagte, in Deutschland einen Weimarer Reichsfarben-Wimpel auf der Wahlpartybühne zu schwenken, die ihm sogleich von seiner Mutti weggenommen wurde. Sollte sich jeder ansehen, ist wie so vieles zur Natur der BRD im Netz gut einsehbar, es ist dokumentiert. Wir wußten es alle! Für den Fall, daß sie nachher wieder kommen "wir wußten doch von nichts".

Und was ist dieses sogenannte "Verfassungsgericht" eigentlich? Welche Verfassung meinen die? Ich bin auf der Suche nach jemandem bei den sogenannten Behörden und behaupteten staatlichen Organen noch auf niemanden getroffen, der mir das in immer weiteren Kreisen umstrittene und allemal berüchtigte Bonner Militärgrundgesetz ("GG") als völkerrechtliche Verfassung per voller Unterschrift zur Haftbarmachung bestätigen wollte.

Ich denke, dieser grob satirische Einwand zu diesem diffusen Ärzteblatt-Artikel ist am Tag der Offenen Moscheen im vereinigten Wirtschaftsstandort gut platziert. War eigentlich sonst noch was am 3. Oktober? Nö, ne?

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