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Ärzteschaft

Siegener Vorstoß zur Medizinerausbildung in der Kritik

Dienstag, 13. März 2018

Düsseldorf/Siegen/Neukirchen-Vluyn – Deutliche Kritik an einer Initiative der Uni­versität Siegen namens „Medizin neu denken“ hat die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein geübt. Auf ihrem Treffen am vergangenen Samstag lehnte sie die Pläne der Universität für einen Bachelor- und Masterabschluss in der Human­medizin sowie das Vorhaben ab, in einer Fakultät „Lebenswissenschaften“ ein gemein­sames, dreijähriges Bachelorstudium von angehenden Ärzten und Ingenieuren einzuführen.

Ein Absolvent eines dreijährigen Bachelorstudiums findet im medizinischen Bereich kein Berufsbild, heißt es zur Begründung. Außerdem würden die knappen Studien­plätze möglicherweise von Studierenden belegt, die gar nicht vorhätten, den Arztberuf zu ergreifen. Das könne bei dem sich abzeichnenden Ärztemangel sowohl im haus­ärztlichen wie im fachärztlichen Bereich nicht gewünscht sein.

Auch der Argumentation der Universität Siegen, angehende Ärzte und Ingenieure sollten ein gemeinsames Studium mit medizinischen und technischen Inhalten absolvieren, damit Ärzte Ingenieure verstehen, die ihnen die notwendige technische Unterstützung bereitstellen, folgte die Kammerversammlung nicht. Medizinische Inhalte des Studiums dürften nicht durch technische ersetzt werden, so die Kammerdelegierten.

„Interessante Ansätze“ sieht immerhin die Landesgruppe Nordrhein des NAV-Virchow-Bundes bei dem geplanten neuen Studienangeboten für Ärzte und Ingenieure an der Universität Siegen. „Ingenieurs-Ärzte wie in Siegen sind eine neue Berufsgruppe für eigenständige Aufgaben, sollten aber nicht in der Patientenversorgung landen“, sagte der NAV-Landeschef André Bergmann.

Der Landesverband plädiert für eine klare Trennung zwischen technisierter Forschung und sprechender Medizin. Eine moderne Medizinerausbildung im Rahmen des Master­plans Medizinstudium 2020 müsse vermehrt auf kommunikative und soziale Kompe­tenzen bei angehenden Ärzten abzielen, so der NAV.

An dem Projekt „Medizin neu denken“ der Universität Siegen beteiligen sich mehrere Partner. Dazu zählen die vier Siegener Kliniken – St.-Marien-Krankenhaus, DRK-Kinderklinik, Diakonie-Klinikum Jung-Stilling und Kreisklinikum –, die Stadt Siegen und der Kreis Siegen-Wittgenstein sowie auf universitärer Seite das Erasmus Medical Center (EMC) Rotterdam und die Universität Bonn.

„Wir möchten basierend auf dem Masterplan 2020 eine neue Generation medizinischer Fachkräfte ausbilden“, erläuterte der Dekan der neuen Siegener lebenswissen­schaftlichen Fakultät, Jaap Verweij. Gemeint sind damit nicht nur Ärzte, sondern auch Fachkräfte in medizinverwandten Bereichen. © hil/aerzteblatt.de

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