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Medizin

US-Studie: Hausärzte in eigener Praxis erleiden seltener Burnout

Mittwoch, 11. Juli 2018

/Syda Productions, stockadobecom

New York – Niedergelassene Ärzte, die eine eigene Praxis betreiben oder mit weniger als 5 Kollegen zusammenarbeiten, klagten in einer Studie im Journal of the American Board of Family Medicine (2018; 31: 529–536) relativ selten über einen Burnout. Der Grund könnte eine hohe „adaptive Reserve“ sein.

Die meisten Ärzte arbeiten heute in einem komplexen Arbeitsumfeld, in dem sie ständig wechselnden Anforderungen ausgesetzt sind. Die Folge kann eine emotionale Erschöpfung sein, die gepaart mit dem Gefühl von Überforderung sowie reduzierter Leistungszufriedenheit zu einem Burnout führen kann. In den USA geben mittlerweile 54 % aller Ärzte an, dass sie gelegentlich unter einem Burnout leiden.

Die Umfragen wurden allerdings in Kliniken und größeren Ärztehäusern durchgeführt. Sie sind deshalb nicht repräsentativ für die primärärztliche Versorgung, die zu fast 70 % in kleineren Praxen mit maximal 5 Ärzten erfolgt. Und von diesen SIP („small independent primary care practices“) werden zwei Drittel von einzelnen Ärzten betrieben.

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Ein Team um Donna Shelley vom Langone Medical Center der New York University hat 235 Ärzte und Nurse Practitioner der US-Großstadt nach ihrer beruflichen Zufrie­denheit befragt. Nur 29 (13,5 %) gaben an, unter einem Burnout zu leiden.

Die hohe Zufriedenheit war in einer Bivariat-Analyse weder mit der Zahl der Ärzte in der Praxis, noch mit der Zahl der zu versorgenden Patienten assoziiert. Auch die Arbeitszeiten und die Art der Praxis scheinen keinen Einfluss zu haben. Ärzte in einer unterversorgten Region litten sogar tendenziell seltener unter einem Burnout.

Den wichtigsten Einfluss hatte die „adaptive Reserve“. Sie beschreibt eine Arbeitskultur, in der die Ärzte das Gefühl haben, aus Fehlern zu lernen, sich in ihrem Beruf weiterzuentwickeln und mit allen Beteiligten offen anstehende Probleme reden zu können. Zur „adaptiven Reserve“ gehören außerdem offene Kommunikationspraktiken, Vertrauen und Teamwork, kollektive Effizienz und Lernkultur. Ärzte, die für sich diese Möglichkeiten sahen, klagten zu 88 Prozent seltener über einen Burnout (Odds Ratio 0,12; 95-%-Konfidenzintervall 0,02–0,85).

Dies ist laut Shelley ein beachtliches Ergebnis, da in den USA in den letzten Jahren nicht wenige SIP in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind, die Ärzte oft keine geordneten Arbeitszeiten haben und vielfach als einziger Mediziner am Ort ständig erreichbar sein müssen. © rme/aerzteblatt.de

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normalerdoktor
am Donnerstag, 12. Juli 2018, 20:25

Geld ist eben nicht alles

Ich lese die Ergebnisse einer solchen Untersuchung als klare Absage an die auch bei uns immer weiter vorangetriebene, und wohlgemerkt in der Nuller-Jahren maßgeblich von Rot-Grün (!) eingestielte, Kommerzialisierung der Medizin. Privatisierung und die damit zwangsläufig einhergehende Profit-Orientierung sowie die Schaffung immer größerer Einheiten („Skalierung“) schaden den Patienten und den im Gesundheitswesen Beschäftigten.
Wann endlich wird Gesundheit von der Politik endlich wieder als gesellschaftliche Daseinsfürsorge betrachtet, die ganz bewusst nicht den Gesetzen des Marktes ausgesetzt sein soll?
Ich fürchte allerdings, man muss pessimistisch sein wo doch den derzeitigen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter und gelernten Bankkaufmann an der „Gesundheitswirtschaft“ vor allen Dingen die Wirtschaft und weniger die Gesundheit zu interessieren scheint.

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