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Medizin

Statine könnten Alveolarproteinose abschwächen

Donnerstag, 9. August 2018

Mikrofoto einer Alveolarproteinose /Nephron, Wikimedia

Cincinnati – Für die Alveolarproteinose, die durch eine Störung des Surfactant-Mechanismus zu Ablagerungen von Phospholipiden in den Alveolen führt, könnte es eine einfache Lösung geben. US-Forscher berichten in Nature Communications (2018; 9: 3127), dass sich die Erkrankung bei 2 Patienten unter einer Statintherapie dramatisch besserte, was durch tierexperimentelle Studien bestätigt werden konnte.

Das Surfactant (für „surface active agent“) verhindert, dass die Alveolen in den Lungen kollabieren. Ein Mangel führt bei Frühgeborenen zum Atemnotsyndrom und bei Traumapatienten zur Schocklunge. In seltenen Fällen kann es jedoch auch zu einer Überproduktion des Surfactants kommen. Die Ursache ist häufig eine Abbaustörung in den alveolaren Makrophagen. Das Surfactant akkumuliert dann in den Alveolen, was zu einer schweren Störung der Atemfunktion führen kann.

Die einzige Behandlung besteht derzeit in einer regelmäßigen bronchoalveolären Lavage, die die Patienten stark belastet und nicht immer in der Lage ist, die Abla­gerungen in den Lungen zu beseitigen. Die Alveolarproteinose, auch pulmonal-alveoläre Proteinose (PAP) genannt, kann angeboren sein oder im Verlauf des Lebens erworben werden, beispielsweise im Rahmen einer Autoimmunerkrankung.

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Die Krankengeschichte einer 58-jährigen Patientin brachte das Team um Bruce Trapnell vom Cincinnati Children's Hospital Medical Center jetzt auf eine neue Therapieidee. Die Frau, die an einer autoimmunen PAP litt, hatte auf mehrere bronchoalveoläre Lavagen nicht angesprochen, sodass die Ärzte nicht mehr wussten, wie sie der Patientin helfen sollten.

Bei einer der Untersuchungen war eine Hypercholesterinämie festgestellt worden. Die Ärzte verordneten deshalb ein Statin. Der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitor, der ein Schlüsselenzym der Cholesterinsynthese hemmt, senkte nicht nur die Cholesterin­werte. Es kam überraschenderweise auch zu einer deutlichen Linderung der  Alveolarproteinose.

Nach wenigen Wochen konnte die Patientin auf eine Sauerstofftherapie verzichten. Nach zweieinhalb Jahren Statin hatte sich die PAP komplett zurückgebildet. Die Statinbehandlung einer 66 Jahre alten Frau mit autoimmuner PAP führte ebenfalls zur Ausheilung.

Die Forscher haben daraufhin die Pathogenese an Mäusen näher untersucht. Sie fanden heraus, dass die Erkrankung durch Antikörper gegen den Wachstumsfaktor GM-CSF („granulocyte-macrophage colony–stimulating factor“) ausgelöst wird. Dies führt zu einer Störung im Stoffwechsel der Makrophagen, in denen sich Cholesterin ablagert. Die Makrophagen sind dann nicht mehr in der Lage, Surfactant abzubauen, das sich in den Alveolen ablagert.

Statine fördern den Abbau von Cholesterin in den Makrophagen, die dann wieder in der Lage sind, Surfactant abzubauen. Dadurch kommt es langsam zu einer Verminderung der Ablagerungen in den Alveolen. Die PAP bildet sich zurück und die Patienten bekommen wieder besser Luft.

Eine klinische Studie soll jetzt zeigen, ob die Therapie bei einer größeren Patienten­gruppe anschlägt oder ob es sich bei den Therapieerfolgen nur um Einzelfälle handelt. © rme/aerzteblatt.de

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JohnR
am Donnerstag, 9. August 2018, 19:03

Bei der neuen Studie bitte auch die Wirkung der Statine auf das Herz prüfen

Statine erzeugen Herzinsuffizienz, weil sie das körpereigene Coenzym Q10 verbrauchen, so dass es für die
Ernährung der Herzmuskeln nicht mehr zur Verfügung steht. Eine Nahrungsergänzung mit Q10 ist daher
zwingend für Patienten, die Statine erhalten.

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