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VARIA: Geschichte der Medizin

Prof. Dr. med. Erich Benjamin: Schicksal eines jüdischen Arztes

Dtsch Arztebl 1998; 95(50): A-3228 / B-2728 / C-2536

Grassl, Erich

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LNSLNS Vor 60 Jahren wurde allen jüdischen Ärztinnen und Ärzten die Approbation entzogen. An ein Einzelschicksal erinnert der folgende Beitrag.
Am 23. März 1880 in Berlin geboren, Teilnehmer des Ersten Weltkrieges als Bataillonsarzt, Assistent an der Universitäts-Kinderklinik in München, später Inhaber des Lehrstuhls für Heilpädagogik, verlor Prof. Dr. med. Erich Benjamin schon 1937 als Jude seinen Lehrstuhl und sein Kinderheim. Sein großer Besitz ging für rund 20 000 Reichsmark an den Bund Deutscher Mädchen (BDM) über.
Er wanderte in die USA aus und entging so jenem grausamen Schicksal, das seinem Sohn im KZ Auschwitz widerfuhr. Mit viel Zähigkeit und Fleiß bekam er in den USA Anstellung in einigen Kliniken (Johns Hopkins Hospital in Baltimore, State Training School in Warwick), entfaltete eine reiche Vortragstätigkeit, wurde dann aber schwer krank und arbeitslos. Benjamin starb am 22. April 1943 in Baltimore im Alter von 63 Jahren.
Prof. Erich Benjamin gehörte zu den europäischen Kapazitäten auf dem Gebiet der Heilpädagogik. Als größere Monographie erschien im Jahr 1930 "Grundlagen und Entwicklungsgeschichte der kindlichen Neurose", 1938 in Zürich das "Handbuch der Psychopathologie des Kindesalters", in dem er den Abschnitt über Psychopathie und Neurose schrieb. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde seine Schrift "The Period of Resistance" ("Die Trotzperiode") besonders beachtet. 1934 erschien im Verlag Müller und Steinicke, München, seine kulturgeschichtlich hochinteressante Abhandlung "Die Krankheit der Zivilisation", die der Verlag mit einem "In memoriam" 1988 wieder auflegte. Das Buch zieht Vergleiche aus Werken griechischer und römischer Autoren über den Verfall der antiken Kultur mit der damaligen Zeit (1934).
Vor einigen Jahren hat die Gemeinde Hohenschäftlarn im Isartal an dem ehemaligen Kinderheim von Prof. Benjamin eine Gedenktafel enthüllt zum Andenken an einen wahren Arzt, voll Güte, Heiterkeit und erzieherischem Charisma, einen großen Gelehrten und einen beliebten Mitbürger.
Dipl.-Psychologe
Dr. med. et phil. Erich Grassl

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