SucheTrefferlisteHirnfunktionsausfall: Einige Punkte sind kritisch
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Die von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) überarbeitete Richtlinie zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG, 4. Fortschreibung, begrüßen wir prinzipiell, da jede Initiative zur Qualitätssicherung in diesem sensiblen Umfeld zu begrüßen ist.

Allerdings sehen wir einige Punkte der Neuauflage kritisch: Wir glauben, dass die Richtlinie über das Ziel hinausschießt, wenn gefordert wird, dass mindestens einer der den irreversiblen Hirnfunktionsausfall feststellenden Ärzte Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie sein muss. Wie in der Richtlinie bereits festgestellt, fordern sowohl die Weiter­bildungs­ordnungen Neurologie und Neurochirurgie als auch diejenigen zur Zusatzweiterbildung Intensivmedizin (in den Fächern Anästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin, Neurologie, Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie und Neurochirurgie) wortgleich den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in der HTD. Wenn nun die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls ausschließlich Neurochirurgen und Neurologen übertragen wird, verzichtet man unnötigerweise auf die Kompetenz der bisher Beteiligten. Die Voraussetzung, Facharzt in einem der genannten Fächer zu sein, bedingt unseres Erachtens nicht automatisch, über die erforderlichen Qualitäten zu verfügen, denn viele Kollegen sind während ihrer Facharztausbildung nur sehr entfernt mit dieser Fragestellung befasst oder haben sich im Anschluss daran nicht mehr damit beschäftigt. Die BÄK nennt auch keine Daten, aus denen sich ablesen lassen würde, dass die zwingende Beteiligung der geforderten Fachärzte eine Verbesserung und höhere diagnostische Genauigkeit erbringen würde. Hingegen sollten die Kollegen, die jahrelange Erfahrung in dieser Diagnostik haben, dies auch weiterhin durchführen können.

Pikanterweise führt die neue Regelung auch dazu, dass einige der Kollegen, auf deren Publikationen die Neuaufnahme der CT-Angiographie als apparatives Verfahren zurückgeht, aber weder Neurochirurgen noch Neurologen sind, nun diese Diagnostik nicht mehr durchführen können . . . Auch die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft hat bereits darauf hingewiesen, dass in der konkreten Umsetzung der Anforderungen der Richtlinie Hindernisse zu erwarten sind. Die Richtlinie führt zum Verzicht auf die bisher in den Häusern erworbene Expertise . . .

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Dr. med. Christian Beyer, Dr. med. Thomas Kerz,
Klinik für Neurochirurgie,
Dr. med. Julia Weinmann-Menke,
I. Medizinische Klinik und Poliklinik,
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 55131 Mainz

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