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Medizin

Höheres Herzinfarktrisiko an Heiligabend

Freitag, 21. Dezember 2018

/dpa

Lund – Ältere und kranke Menschen haben an Heiligabend ein erhöhtes Herzinfarkt­risiko. Das berichten Wissenschaftler aus Lund, Schweden, in der Weihnachtsausgabe des British Medical Jounal (2018; doi: 10.1136/bmj.k4811).

Den Wissenschaftlern um David Erlinge ging es nicht nur um Weihnachten: Sie wollten wissen, ob Zeitfaktoren wie Feiertage, große Sportereignisse, Tages- oder Wochentags­stunden einen Herzinfarkt triggern können. Sie analysierten dafür den genauen Zeitpunkt von 283.014 Herzinfarkten, die dem schwedischen Koronarstationsregister über einen Zeitraum von 16 Jahren zwischen 1998 und 2013 gemeldet wurden.

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Der Tag mit dem bei Weitem höchsten Risiko war Heiligabend, mit einem um 37 % erhöhten Risiko eines Herzinfarkts, das gegen 22 Uhr seinen Höhepunkt erreichte. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass die Weihnachts- und Mittsommerferien mit einem höheren Risiko für Herzinfarkte (15 % beziehungsweise 12 %) im Vergleich zur Kontrollperiode verbunden waren.

Der Silvesterabend, der üblicherweise als Haupttag der Silvesterfeierlichkeiten gilt, war jedoch ohne Risiko. Die Autoren fanden heraus, dass das höhere Risiko stattdessen am Neujahrstag lag. Im Gegensatz zu früheren Studien fanden sie kein erhöhtes Risiko bei Sportveranstaltungen oder während der Osterzeit.

Bei der Diskussion der Ergebnisse merken die Forscher an, dass besondere Erfahrungen wie Wut, Angst, Traurigkeit, Trauer und Stress das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen könnten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen diese erhöhten Emotionen während der Feiertage erleben, sei höher als an normalen Tagen. Ältere Menschen und Menschen mit einer Vorgeschichte von Diabetes und koronarer Herzkrankheit seien besonders anfällig für diese kurzfristigen Auslöser, so die Forscher. 

Sie weisen aber darauf hin, dass es sich bei ihrer Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt, sodass keine eindeutigen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung möglich seien. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 25. Dezember 2018, 07:18

Gesegnete Weihnachten - Guten Rutsch!

Die sehr lesenswerte Studie zum Generalthema: "Christmas 2018: Heart Of The Matter" mit dem Titel:
"Christmas, national holidays, sport events, and time factors as triggers of acute myocardial infarction: SWEDEHEART observational study 1998-2013"
BMJ 2018; 363 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.k4811 (Published 12 December 2018) Cite this as: BMJ 2018;363:k481
von Moman A Mohammad et al. (auch das Deutsche Ärzteblatt sollte, wie allgemein üblich, den Erstautor nennen, nicht den Korrespondenz-Autor) belegt eine ärztlich bekannte Erfahrung: Dass in der Weihnachtswoche, zum Jahreswechsel, an Geburts- und Ehrentagen oder Jubiläen die Gefahr für einen Infarkt, einen Schlaganfall oder ein akutes Koronarsyndrom (ACS) deutlich erhöht sein können, kennen biografisch, psychiatrisch und bio-psycho-sozial erfahrene Haus- und FamilienärztInnen nur allzu gut.

Die Infarktrate war nach der oben beschriebenen schwedischen Studie signifikant in der 51.-52. Kalenderwoche (KW) erhöht, an Heiligabend gegen 22 Uhr sgar um plus 37 Prozent!

Die Ess- und Trinkgewohnheiten (Alkoholkonsum) gepaart mit Bewegungsmangel führen nicht nur bei Älteren mit bekannten KHK-Hochrisiko bereits über das Advents- bzw. Geburtstags-Kaffeekränzchen mit üppiger Sahnetorte, Christstollen oder Dominosteinen als Cholesterinbomben, viel zu langem Sitzen, mangelhaftem Bewegungsausgleich und ungewohntem nachmittäglichen Alkoholgenuss zum "Dominoeffekt" eines akuten Koronarsyndoms (ACS).

Wenn sich abends die Familie dann im „trauten Kreis“ zum hyperkalorischen Festessen mit noch längerem Sitzen und weiteren „geistigen“ Getränken trifft, werden oft mit vom Alkohol enthemmten Verstande und lockerer Zunge alte (Ab-)Rechnungen präsentiert, negative Familienschicksale aktualisiert, über Verluste, Trennungen, Tod, Sünden und Vergebung, Freude und Trauer diskutiert und alte Familienstreitigkeiten aufgewärmt.

Dann ist auch das Syndrom des „gebrochenen Herzens“ ("broken-heart-syndrome") von der allgemeinen bio-psycho-sozialen Genese her epidemiologisch möglich [„Takotsubo syndrome (TTS) is typically provoked by negative stressors such as grief, anger, or fear leading to the popular term ‚broken heart syndrome‘“]: European Heart Journal 2016, online 2. März
http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/early/2016/02/19/eurheartj.ehv757

Mit dem Titel „Happy heart syndrome: role of positive emotional stress in takotsubo syndrome“ von J.R. Ghadri et al. wird das Ganze auch noch zum „Happy-Heart-Syndrome“ umfunktioniert:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26935270

Fest- und Ehrentage bedeuten für die Betroffenen nicht nur „Happy Hour", sondern können auch ein „Heavy Aua“ mit sich bringen. Zumal zwischen „happy“ und „broken“ nach Studienerkenntnissen gar kein signifikanter Unterschied bestehen soll [„There was no statistical significance for the respective complications between the two groups of ‚happy hearts‘ and ‚broken hearts‘. One-year survival was comparable between ‚happy hearts‘ and ‚broken hearts‘ (100% vs. 97.6 ± 0.9%, P = 0.52)“], so die Studienergebnisse.

In diesem Sinne: Gesegnetes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr 2019!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS