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Gesundheit von Medizinstudierenden: Freiwilliger Selbstschutz

Drexler, Hans

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Medizinstudierende sind einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt und bezüglich des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz anderen Beschäftigten an einer Klinik gleichgestellt.

Studierende der Medizin sind während ihres Studiums vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt (Selbstgefährdung) und können darüber hinaus Dritte gefährden (Fremdgefährdung). Für die Verantwortlichen an den medizinischen Fachbereichen der Universitäten, der Lehrkrankenhäuser, der Lehrpraxen und aller Kliniken, die Praktikanten und Famulanten aufnehmen, gilt: Studierende der Medizin sind bezüglich des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz Beschäftigten gleichzustellen. Die Universitäten müssen zudem gewährleisten, dass immatrikulierte Studierende, unabhängig von gesundheitlichen Einschränkungen, die Möglichkeit haben, ihren Studienabschluss zu erlangen.

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Bei den ärztlichen Untersuchungen und Beratungen sind aus arbeitsmedizinischer Sicht Einstellungsuntersuchungen, arbeitsmedizinische Vorsorge und Eignungsuntersuchungen zu unterscheiden. Weil bei Studierenden keine Einstellung erfolgen soll, sind Einstellungsuntersuchungen nicht begründbar. Dagegen ist die arbeitsmedizinische Vorsorge gemäß ArbMedVV anzuwenden. Sie dient dem Selbstschutz der Studierenden. Entsprechende Untersuchungen (beispielsweise Immunitätsnachweis) sind freiwillig; dem „Arbeitgeber“ dürfen die individuellen Ergebnisse nicht mitgeteilt werden. Gesetzlich vorgegebene Eignungsuntersuchungen existieren für Medizinstudierende nicht, sodass letztendlich ein Abwägungsprozess zwischen dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung und einer möglichen Fremdgefährdung bleibt.

Der § 23 a des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) könnte eine Lösung für Infektionskrankheiten darstellen. Dies betrifft jedoch nur impfpräventable nosokomiale Infektionen. Bezüglich der betriebsärztlichen Betreuung von Studierenden der Human- und Zahnmedizin ist Folgendes zusammenfassend festzustellen:

 Studierende sind bezüglich des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz Beschäftigten gleichgestellt,

 entsprechende Vorgaben des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz (ArbSchG, ArbMedVV) gelten auch für Studierende,

 „Arbeitgeberfunktion“ gemäß ArbSchG für Studierende hat die Universitätsleitung, diese kann die entsprechenden Pflichten an die Fachbereiche delegieren.

 Für Einstellungsuntersuchungen von Studierenden fehlt die Rechtsgrundlage,

 Arbeitsmedizinische Vorsorge ist für Studierende nach erfolgter Gefährdungsbeurteilung auf der Grundlage der ArbMedVV durchzuführen (Selbstschutz). Hierbei ist zwischen Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge zu differenzieren.

 Zur Verhinderung von Infektionskrankheiten (Drittschutz) gilt das IfSG für Medizinstudierende. Eine besondere Bedeutung kommt dabei impfpräventablen Erkrankungen (wie Hepatitis B) zu. Das IfSG regelt bei Hepatitis B allerdings nur die Feststellung eines Impfschutzes, nicht die Feststellung einer Infektiosität.

 Weitere Eignungsuntersuchungen für nicht impfpräventable Erkrankungen (wie Hepatitis C oder gegebenenfalls auch HIV) zum Drittschutz für Patienten sind rechtlich nicht vorgegeben. Zum Schutz der Patienten können jedoch rechtlich nicht begründete Eignungsuntersuchungen gegebenenfalls im Einzelfall verhältnismäßig sein.

Näheres im open access unter: http://d.aerzteblatt.de/PV61.

Prof. Dr. med. Hans Drexler, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der FAU Erlangen-Nürnberg

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