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Ausland

Nigeria reicht neue Klage gegen Pharmariesen Pfizer ein

Freitag, 20. Juli 2007

dpa

Abuja - Nigeria hat am Freitag eine neue Klage gegen den US-Pharmariesen Pfizer wegen illegaler Arzneimitteltests an Kindern eingereicht. Ein zuvor angestrengtes Verfahren mit einer Schadenersatzforderung von umgerechnet rund 5,2 Milliarden Euro zog der Anwalt des Staates dagegen zurück. Die neue Klage verlangt, dass der weltgrößte Pharmakonzern ausdrücklich wegen „ungesetzlichen und verwerflichen Verhaltens“ verurteilt wird. Die Schadenersatzforderung ist auf rund 4,7 Milliarden Euro reduziert. 

Nigeria wirft dem Konzern vor, er habe bei Tests des Antibiotikums Trovan Floxacin 1996 rund 200 Kinder schwer geschädigt oder getötet. Pfizer bestreitet die Vorwürfe. Mit der neuen Klage sollten neue Fakten über die Vorgänge im nördlichen Bundesstaat Kano im Jahr 1996 vorgelegt werden, sagte der Anwalt des Staates, Babatunde Irukera, der Nachrichtenagentur AFP. Gefordert wird neben der moralischen Verurteilung auch eine klare Stellungnahme des Gerichts. Pfizers Vorgehen in Nigeria sei „weder humanitär noch menschenfreundlich, sondern ausschließlich kommerziell“ gewesen.

Nigeria wirft Pfizer vor, für eine Testreihe in Kano nicht die erforderliche Genehmigung gehabt zu haben. Unter dem Deckmantel einer humanitären Hilfsaktion hätten die Kinder das Antibiotikum Trovan Floxacin gegen Meningitis und Masern bekommen. Die Kinder seien wie „Versuchskaninchen“ behandelt worden. Der Bundesstaat Kano verklagte Pfizer bereits Mitte Mai auf knapp zwei Milliarden Euro. Dieser Prozess wurde auf den 3. Oktober vertagt.

Einer der Pfizer-Anwälte in Abuja sagte am Freitag, der Rückzug der ersten Klage zeige, dass sie auf schwachen Beinen gestanden habe. „Sie hatten einen ganz aussichtslosen Fall, deswegen haben sie ihn zurückgezogen“, sagte Afe Babalolo. „Es ist bedauerlich, dass die Prozessordnung den Rückzug der Klage ermöglicht, ohne dass der Fall zu den Akten gelegt wird.“

Trovan ist seit Februar 1998 auf dem Weltmarkt. Durch die missbräuchliche Einnahme des Mittels starben auch in den USA mehrere Menschen oder erlitten schwere Leberschäden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA beschränkte daraufhin die Verwendung des Mittels. In Nigeria starben den Behörden zufolge elf von 200 behandelten Kindern, viele weitere seien dauerhaft geschädigt worden. Pfizer bestritt die Anschuldigungen und erklärte, es habe sich ethisch verhalten. Die Eltern der Kinder seien informiert worden und hätten der Verabreichung des Medikaments in einem Vertrag zustimmen müssen. © afp/aerzteblatt.de

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