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Medizin

Anti-Aging: Kein Nutzen von Dehydroepiandrosteron im Alter

Donnerstag, 19. Oktober 2006

Rochester - Dehydroepiandrosteron (DHEA), einer der Hoffnungsträger der Anti-Aging-Medizin, hat sich erneut in einer wissenschaftlichen Untersuchung als unwirksam erwiesen. In einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine NEJM 2006; 355: 1647-1659) führte DHEA oder eine niedrig dosierte Testosteron-Behandlung weder zu einer besseren Verteilung von Fett und Muskelgewebe (body composition) oder einer gesteigerten Fitness. Auch die Lebensqualität besserte sich nicht im Vergleich zur Placebo-Gruppe, wo die Probanden ebenfalls glaubten, das verheißungsvolle Verjüngungsmittel zu erhalten.

Die Anti-Aging-Medizin oder zumindest der Bereich, der auf den Einsatz von Hormonen schwört, gründet sich auf eine banale Beobachtung. Im Alter nimmt die Bildung von Sexualhormonen ab, bei den Frauen abrupt nach der Menopause, bei den Männern eher kontinuierlich. Gleichzeitig kommt es zu den typischen Erscheinungen des Alters wie eine Zunahme des Fettgewebes, der viszeralen Adipositas, dem Rückgang der Knochenmasse und auch einem steigenden kardiovaskulären Risiko. Alle diese Veränderungen mögen bei Personen mit niedrigen Hormonspiegeln häufiger sein. Doch eine Assoziation bedeutet keine Kausalität und so darf nicht unbedingt erwartet werden, dass die „Substitution“ der Hormone das Altern aufhalten kann.

Zu den Mitteln, denen die Anti-Aging-Medizin eine besonders gute Wirkung zuschreibt, gehört DHEA. Der Grund dürfte ganz darin liegen, dass dieses Hormon seit 1994 in den USA nicht mehr als Arzneimittel gilt, sondern als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden kann. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, es in klinischen Studien zu prüfen. Die Hersteller dürfen nicht mit gesundheitlichen Vorteilen von DHEA werben. Diese Aufgabe übernehmen aber gerne jene zahllosen Anhänger der Anti-Aging-Medizin, darunter auch zahlreiche Ärzte, die von den Vorteilen von DHEA überzeugt sind.

In der Studie wurden 87 ältere Männer mit niedrigen DHEA- und Testosteronwerten und 57 ältere Frauen mit niedrigen DHEA-Werten über 2 Jahre behandelt. Die Männer nahmen DHEA (75 mg/die) ein oder applizierten ein Testosteronpflaster (5 mg/die). In einer dritten Gruppe wurde mit Placebo behandelt. Die Frauen wurden auf DHEA (50 mg/die) oder Placebo randomisiert.

Die Therapie steigerte zwar die Hormonspiegel. So stiegen die DHEA-Spiegel bei Männern um 3,4 µg/ml und bei Frauen um 3,8 µg/ml. Und die Konzentration des bioverfügbaren Testosterons wurde bei den Männern, die die Pflaster benutzten, um 30,4 ng/dl gesteigert. Die vitalisierende Wirkung blieb indes aus, wie die Ergebnisse von K. Sreekumaran Nair von der Mayo Clinic in Rochester und Mitarbeitern belegen.

Nach Einschätzung von Paul Stewart von der Universität von Birmingham/England, wird dies nicht viel an der Popularität von DHEA ändern. Eine Google-Suche “DHEA” generiert innerhalb von 0,11 Sekunden 4,42 Millionen Treffer. Dem stehen bisher drei wissenschaftliche Negativstudien gegenüber. Neben der jetzigen Studie hatte auch die DHEAge-Studie (Arch Intern Med. 2003; 163: 720-727) und eine noch unpublizierte Studie (Muller M et al. Im Druck im J Clin Endocrinol Metab) keine Vorteile ergeben. Der Einsatz von DHEA sollte deshalb unterbleiben, fordert Stewart. © rme/aerzteblatt.de

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