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Medizin

Studie: Weizenallergie mögliche Ursache des Typ-I-Diabetes

Freitag, 21. August 2009

Ottawa – Die Autoimmunreaktion, die zum Untergang der Beta-Zellen und zum Typ-I-Diabetes mellitus führt, könnte ihren Ausgangspunkt im Darm haben. Einer Studie in Diabetes (2009, doi: 10.2337/db08-1579) zufolge reagiert das Immunsystem bei der Hälfte der Typ-I-Diabetiker auf ein im Weizen enthaltenes Polypeptid.

Alle Autoimmunerkrankungen beruhen auf einem Missverständnis. Die Abwehrzellen greifen Antigene des eigenen Körpers an, die sie für gefährliche fremde Angreifer halten, seien es Viren, Bakterien oder sonstige Erreger oder aber „giftige“ Proteine von Nahrungsmitteln, die dem Körper über den Darm zugeführt werden.

Dort wacht das Darm-assoziierte Immunsystem über die flächenmäßig größte Verbindung des Körpers zur Außenwelt, die Dünndarmschleimhaut. Diabetologen vermuten seit einiger Zeit, dass Fehlreaktionen des Immunsystems an dieser Stelle ein Auslöser des Typ-I-Diabetes mellitus sein können, vielleicht in Verbindung mit einer genetischen Disposition.

Vor einigen Jahren hatte Fraser Scott vom Ottawa Hospital Research Institute herausgefunden, dass Antikörper von diabetischen Mäusen auf ein bestimmtes Eiweiß in Weizenmehl reagieren. Jetzt kann er zeigen, dass dieses Weizenpolypeptid (WP) – es ist übrigens nicht identisch mit Gluten, dem Auslöser der Zöliakie – auch bei menschlichen Diabetikern das Immunsystem aktiviert. 

In den Experimenten wurde WP mit den CD3-T-Zellen von 42 Typ-I-Diabetikern zusammengebracht. Bei 20 Patienten löste dies eine Immunreaktion aus, wie sie im Körper auch bei Autoimmunerkrankungen auftritt. Die Patienten mit der „Weizenallergie“ waren häufig Träger einer bestimmten genetischen Konstellation (HLA-DR4), die möglicherweise die Autoimmunreaktion durch eine Störung der Immuntoleranz oder der Barrierefunktion im Darm begünstigen könnte.

Die Laborexperimente sind sicherlich kein ausreichender Beweis dafür. Dass WP ein „Trigger“ für die Zerstörung der Beta-Zellen ist, in denen das lebenswichtige Hormon Insulin produziert wird, dessen Fehlen die Ursache des Typ-I-Diabetes mellitus ist. Es ist aber auch für den Editorialisten Mikael Knip von der Universität Helsinki ein weiteres Zeichen dafür, dass entzündliche Veränderungen im Darm eine Rolle in der Pathogenese spielen könnten.

Noch steht die Hypothese auf schwachen Säulen. Im nächsten Schritt könnte untersucht werden, ob es epidemiologische Hinweise dafür gibt, dass beispielsweise Kinder in Familien, in denen  – etwa wegen einer Zöliakie – auf Weizenprodukte verzichtet wird, seltener an einem Typ-I-Diabetes mellitus erkranken. Für Patienten, die bereits an einem Typ-I-Diabetes mellitus erkrankt sind, käme eine weizenfreie Diät zu spät, da die Immunzellen die Beta-Zellen bereits zerstört haben, wenn der Diabetes manifest wird. © rme/aerzteblatt.de

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