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Medizin

Cannabis-Antagonist als erfolgreicher Appetitzügler

Mittwoch, 15. Februar 2006

New York - Unter der Therapie mit dem Cannabinoid-Rezeptorantagonisten Rimonabant verloren die Patienten in einer randomisierten kontrollierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 761-775) deutlich mehr Gewicht als mit einer alleinigen Diät. Auch die metabolischen Risikofaktoren verbesserten sich, solange die Patienten das Medikament einnahmen. Die Autoren sind dennoch nicht restlos überzeugt.

Seit der Entdeckung des Cannabis-Rezeptors CB1 im Jahr 1990 und der Einsicht, dass die illegale Droge im Körper einen natürlichen Verwandten hat, ist das Interesse an Medikamenten gestiegen, die in den Endocannaboid-Stoffwechsel eingreifen. Zu den bekanntesten Produkten gehört Rimonabant, das die Wirkung von Endocannaboiden am Rezeptor hemmt. Das Mittel wird zur Behandlung des Übergewichts und in der Raucherentwöhnung getestet. Die Ergebnisse der „RIO-North America-Studie“ zur Adipositastherapie sind bereits auf Kongressen vorgestellt worden. Jetzt sind sie im amerikanischen Ärzteblatt publiziert.

An der Studie unter der Leitung von Xavier Pi-Sunyer vom New York Obesity Research Center nahmen 3.045 übergewichtige Nordamerikaner teil. Einschlusskriterium war ein BMI von 30 oder höher beziehungsweise 27 oder höher, wenn eine Hypertonie oder eine Dyslipoproteinämie vorlag. Die randomisierte kontrollierte Studie hatte drei Arme: Placebo, 5 mg und 20 mg Rimonabant. Alle Teilnehmer wurden angewiesen, eine um 600 Kilokalorien reduzierte Diät einzuhalten. Nach einem Jahr wurden die Teilnehmer der Rimonabant-Arme erneut auf Placebo oder Rimonabant randomisiert. Damit sollte untersucht werden, ob eine die erreichte Reduktion des Körpergewichts auch ohne Medikament gehalten werden kann.

Auffallend ist eine hohe Rate an Therapieabbrechern (rund 50 Prozent) im ersten Studienjahr. Man darf vermuten, dass bei diesen Patienten die Behandlung nicht gegriffen hat. Bei den adhärenten Patienten erzielte Rimonabant jedoch durchaus eine Wirkung, auch wenn die wenigsten Normalgewicht erreicht haben dürften. Unter der 20mg-Tagesdosis nahmen die Teilnehmer 6,3 Kilo ab gegenüber 1,6 Kilo im Placebo-Arm. Der Hüftumfang ging um 6,1 cm zurück (gegenüber 2,5 cm im Placebo-Arm). 

Auch die metabolischen Risikofaktoren besserten sich: Die Triglyzeridkonzentration sank unter der 20mg-Tagesdosis Rimonabant um 5,3 Prozent, während sie unter Placebo um 7,9 Prozent anstieg. Auch die Konzentration des günstigen HDL-Cholesterins stieg unter der 20mg-Tagesdosis Rimonabant um 12,6 Prozent, gegenüber einem Anstieg um 5,4 Prozent unter Placebo. Auch die 5mg-Tagesdosis von Rimonabant war erfolgreicher als eine alleinige Diät. Die Unterschiede zum Placeboarm waren aber nicht so deutlich.

Positiv ist, dass – im Unterschied zu vielen anderen Diät-Studien – die Erfolge von Rimonabant langfristig Bestand hatten, allerdings nur solange die Medikamente eingenommen wurden. Die Teilnehmer, die nach einem Jahr auf Placebo wechselten, näherten sich im zweiten Jahr langsam den Werten der Patienten, welche die ganze Zeit über ein Placebo erhalten hatten. Die Verträglichkeit von Rimonabant wird als gut beschrieben. Die häufigste Nebenwirkung war eine Nausea (11,2 Prozent in der 20 mg-Dosierung versus 5,8 Prozent unter Placebo).

Für Pi-Sunyer sprechen die Ergebnisse klar für Rimonabant, das er als innovativen Ansatz in der Adipositas-Therapie einstuft. Die Editorialistin Denise Simons-Morton vom National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda/Maryland hebt dagegen die Schwächen der Studie hervor. Diese bestehen vor allem in der hohen Abbruchrate (die aber für Diätstudien nicht ungewöhnlich ist) sowie in den fehlenden Langzeiterfahrungen. Es bleibt abzuwarten, ob die klinische Entwicklung von Rimonabant bis zu einer Zulassung weiter vorangetrieben wird. /rme

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