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Medizin

Lange Arbeitszeiten erhöhen Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko

Donnerstag, 20. August 2015

dpa

London – Menschen, die 55 Stunden oder länger in der Woche arbeiten, erkranken einer Meta-Analyse im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)60295-1) zufolge zu 33 Prozent häufiger an einem Schlaganfall. Das Risiko auf eine koronare Herzkrankheit war um 13 Prozent erhöht.

Lange Arbeitszeiten sind in der heutigen Arbeitswelt mit einem Bewegungsmangel verbunden, der ebenso wie Stress am Arbeitsplatz ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Wer nach langen Arbeitszeiten zu Alkohol und Zigaretten greift, kann das Risiko weiter steigern. Es gibt deshalb durchaus plausible Argumente für die Annahme, dass lange Arbeitszeiten der Gesundheit schaden.

Der Epidemiologe Mika Kivimäki vom University College London hat hierzu zwei Meta-Analysen durchgeführt. Die Analyse zur koronaren Herzkrankheit stützt sich auf 25 Studien mit 603.838 Männern aus Europa, den USA und Australien, die über einen Zeitraum von 8,5 Jahren beobachtet wurden. Männer mit Wochenarbeitszeiten von 55 Stunden oder länger erkrankten zu 13 Prozent häufiger an einer koronaren Herz­krankheit, definiert als Neuerkrankung, Hospitalisierung oder Tod. Das relative Risiko von 1,13 war dank der großen Datenmenge mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,26 signifikant. 

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Die Analyse zum Schlaganfall basiert auf 17 Studien mit 528.908 Männern und Frauen, die über durchschnittlich 7,2 Jahre beobachtet wurden. Kivimäki ermittelt hier ein relatives Risiko von 1,33 (1,11-1,61). Es bedeutet, dass eine Arbeitszeit von 55 Wochenstunden das Schlaganfallrisiko um ein Drittel erhöht. Kivimäki konnte bei der Berechnung gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität ebenso ausschließen wie Bluthochdruck oder hohe Cholesterinwerte. Die Ursache für die Assoziation ist deshalb unklar. 

Für eine kausale Beziehung spricht, dass die Assoziation dosis-abhängig war: Eine Arbeitszeit von 41 bis 48 Stunden erhöhte das Schlaganfall-Risiko gegenüber der 40-Stunden-Woche um 10 Prozent (relatives Risiko 1,10; 0,94-1,28), bei 49 bis 54 Stunden stieg es dagegen um 27 Prozent (relatives Risiko 1,27; 1,03-1,56).

Der Risikofaktor Arbeitszeit ist in Europa weit verbreitet. Am häufigsten sind lange Arbeitszeiten – nein, nicht in Deutschland – in der Türkei, wo laut Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 43 Prozent der Bevölkerung mehr als 50 Stunden pro Woche arbeitet. Am geringsten ist der Anteil in den Niederlanden mit weniger als 1 Prozent. Der Mittelwert für alle OECD-Länder beträgt laut OECD 12 Prozent für erwerbstätige Männer und 5 Prozent für erwerbstätige Frauen. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG), die die Obergrenze für die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden begrenzt, wurde bisher nicht in allen Ländern umgesetzt.

© rme/aerzteblatt.de

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