SucheTrefferlisteLängere Antibiotika­therapie könnte kardiale Risiken erhöhen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Längere Antibiotika­therapie könnte kardiale Risiken erhöhen

Freitag, 26. April 2019

/Kzenon, stockadobecom

New Orleans – Frauen, die über einen längeren Zeitraum Antibiotika einnehmen, erkranken später häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einem Herzinfarkt. Dies kam in einer prospektiven Beobachtungsstudie heraus, die jetzt im European Heart Journal (2019; 4: eaaw1977) veröffentlicht wurde.

Da Antibiotika in der Regel nur über einen kürzeren Zeitraum eingesetzt werden, schenkte man den möglichen langfristigen Risiken lange Zeit wenig Beachtung. Viele Menschen nehmen jedoch (oft wegen banaler Erkrankungen) häufiger Antibiotika ein, sodass die Einnahmezeiten kumulieren. Hinzu kommt, dass die Antibiotika die Darmflora schädigen, die sich oft nur langsam erholt, sodass die Auswirkungen der Antibiotika auf den Körper die Einnahmedauer überschreiten können. Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass einige Antibiotika Makrophagen aktivieren, was in den Gefäßwänden die Atherosklerose beschleunigen könnte. Einige Antibiotika verlängern zudem die QT-Zeit im EKG, was – allerdings akut – zu tödlichen Herzrhythmusstörungen („Torsade de points“) führen kann.

Anzeige

Ein Team um Lu Qi von der Tulane University in New Orleans hat deshalb die Daten der Nurses' Health Study ausgewertet, die seit 1976 eine Kohorte von amerikanischen Krankenschwestern begleitet, die alle 2 Jahre Fragebögen zu ihren Lebensgewohnheiten und Erkrankungen ausfüllen.

Im Jahr 2004 wurden die über 60 Jahre alten Krankenschwestern nach Antibiotika­behandlungen im jungen Alter (20-39 Jahre), im mittleren Alter (40-59 Jahre oder) oder im höheren Alter (ab 60 Jahre) befragt. Von den 36.429 Frauen, die den Fragebogen beantworteten (und einige andere Einschlusskriterien erfüllten), erlitten während einer Nachbeobachtungszeit von 7,6 Jahren 1.056 einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Qi fand heraus, dass Frauen, die im höheren Alter 2 Monate oder länger Antibiotika eingenommen hatten, zu 32 % häufiger eine Herz-Kreislauf-Erkrankung erlitten. Die Hazard Ratio von 1,32 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,03 bis 1,70 signifikant. Bei der Berechnung konnte Qi zahlreiche Begleitfaktoren wie Alter, Ethnie, Ernährung und Lebensstil, Gründe für die Verwendung von Antibiotika, Übergewicht oder Fettleibigkeit als Ursache für ein erhöhtes Risiko ausschließen.

Der Risikoanstieg bedeutet, dass von 1.000 Frauen, die im späten Erwachsenenalter 2 Monate oder länger Antibiotika einnehmen, 6 eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekommen gegenüber 3 von 1.000 Frauen, die keine Antibiotika einnehmen.

Für Frauen, die im mittleren Lebensalter 2 Monate oder länger mit Antibiotika behandelt wurden, betrug die Hazard Ratio 1,28, verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,95 bis 1,70 allerdings das Signifikanzniveau. Die Einnahme von Antibiotika im jungen Lebensalter hatte keine Auswirkungen auf das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach dem 60. Lebensjahr.

Das Risiko war in erster Linie auf die koronare Herzkrankheit beschränkt, die eindeutig die Folge einer Atherosklerose ist. Eine Einahme von Antibiotika über mehr als 2 Monate nach dem 40. Lebensjahr verdoppelte das Risiko auf einen Herzinfarkt (Hazard Ratio 2,00; 1,05-3,79). Für Schlaganfälle, die häufig durch Embolien bei Vorhofflimmern ausgelöst werden, war kein erhöhtes Risiko erkennbar.

Eine Schwäche der Studie ist, dass sich die Forscher im Fragebogen auf die Erinnerung an Antibiotikabehandlungen verlassen mussten, die teilweise viele Jahre zurücklagen. Da sie vom Fach sind, seien die Angaben der Krankenschwestern jedoch verlässlich, meint Qi. Die Stärken der Studie liegen in der langen Beobachtungszeit und darin, dass aufgrund der Befragungen viele Begleitfaktoren wie Lebensstil, Ernährung, Alter, andere Krankheiten und die Medikamenteneinnahme berücksichtigt wurden, die das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenfalls beeinflussen. An der Studie nahmen zwar nur Frauen teil. Es erscheint jedoch wahrscheinlich, dass die Ergebnisse auch auf Männer übertragen werden können. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS