SucheTrefferlisteIntervallfasten senkt in zwei Studien Körpergewicht und Stoffwechselrisiken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Intervallfasten senkt in zwei Studien Körpergewicht und Stoffwechselrisiken

Mittwoch, 28. August 2019

Intervallfasten/Stockfotos-MG, stock.adobe.com

Graz – Eine anspruchsvolle Form des Intervallfastens hat in einer Beobachtungsstudie über 6 Monate keine Gesundheitsrisiken erkennen lassen. Der Stoffwechsel entwickelte sich auch in einer randomisierten Studie günstig. Die in Cell Metabolism (2019; doi: 10.1016/j.cmet.2019.07.016) vorgestellten Ergebnisse überzeugen jedoch nicht alle Experten.

Das Intervallfasten ist eine derzeit in der Bevölkerung beliebte Diät. Der regelmäßige Verzicht auf Nahrung wird durch die Erlaubnis versüßt, in der Zwischenzeit nach Belieben schlemmen zu dürfen. Das Intervallfasten kommt ohne komplexe Ernährungspläne und ohne eine Bilanzierung der Kalorienzufuhr aus.

Anzeige

Viele Ernährungsmediziner sind jedoch skeptisch, dass die Diät auf Dauer eingehalten werden kann und warnen vor potenziellen Gefahren. Befürchtet wird vor allem ein Abbau von Knochensubstanz und eine Schwächung der Immunabwehr. Frühere Studien hatten eine längere nächtliche Nahrungskarenz auch mit einem erhöhten Risiko auf Gallensteine in Verbindung gebracht.

Eine Minimalvariante des Intervallfastens, die sich auf den Verzicht des Frühstücks be­schränkt, war in mehreren Studien mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko assoziiert. Die meisten Internisten raten deshalb zu der klassischen Reduktionsdiät, bei der die Ka­lo­rienzufuhr über den ganzen Tag um 30 % reduziert wird, bis das gewünschte Gewicht erreicht ist. Danach soll eine isokalorische Ernährung eine erneute Gewichts­zunahme vermeiden.

Studien treten Bedenken entgegen

Ein Team um Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Univer­si­tät Graz tritt den Bedenken jetzt mit den Ergebnissen aus 2 Studien entgegen. In der ersten Studie wurden 60 gesunde nichtadipöse Erwachsene (BMI 22 bis 30) für 4 Wochen auf ein Intervallfasten oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert, deren Teilnehmer sich weiter wie gewohnt ernähren sollten.

Das Intervallfasten bestand aus dem völligen Nahrungsverzicht über 36 Stunden (1 Tag und 2 Nächte), das sich mit einer zwölfstündigen Phase abwechselte, in denen die Pro­ban­den ohne Einschränkungen Nahrung zu sich nehmen durften. Obwohl den Teilneh­mern in den Diätpausen keine Restriktionen auferlegt wurden, nahmen sie insgesamt 37,4 % weniger Kalorien zu sich, was nach 4 Wochen eine Gewichtsreduktion im Durch­schnitt von 3,5 kg zur Folge hatte, was in etwa einem Punkt auf der BMI-Skala entsprach.

Das Intervallfasten hatte nach den ausführlichen Laboruntersuchungen keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Im Gegenteil: Die Gewichtsreduktion wurde laut Ma­deo bevorzugt durch eine Reduktion des „toxischen“ viszeralen Fettgewebes erzielt. Der Blut­druck ging zurück und am Ende des 4-wöchigen Intervallfastens hatte sich sogar der Framingham-Score zum 10-Jahresrisiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gebessert.

Ein Anstieg der Ketonkörper, der auch über die Essphasen hinweg nachweisbar war, und eine Reduktion des Triiodthyronin (T3) sind für Madeo ein Hinweis, dass das Intervall­fas­ten sich günstig auf Alterungsvorgänge im Körper auswirken könnte.

Die Ergebnisse der zweiten Studie bestätigen den günstigen Eindruck. Dort wurden die Laborwerte von 30 Personen, die das Intervallfasten seit einem halben Jahr betrieben, mit einer Kontrollgruppe ohne Diät verglichen. Neben den bereits nach 4 Wochen beob­achteten günstigen Wirkungen auf Körpergewicht, Fettgewebe, Ketonkörper und T3 war auch der sICAM-1-Spiegel vermindert. Es handelt sich um einen Entzündungsmarker, der mit einer beschleunigten Alterung in Verbindung gebracht wird.

Auch die Cholesterinwerte waren günstiger als in der Vergleichsgruppe. Negative Auswir­kungen auf den Knochenstoffwechsel und das Immunsystem waren nach einem halben Jahr nicht erkennbar. Für Madeo ist das Intervallfasten deshalb eine sichere Diät, die überdies die Aussicht auf eine Verlangsamung von Alterungsvorgängen im Körper ver­spricht.

Eine Reihe von Ernährungsexperten, die das Science Media Center in Köln befragte, teilen diese Einschätzung nicht. Tilman Kühn vom Deutschen Krebsforschungszentrum be­dauert, dass die Studie das Intervallfasten nicht mit der konventionellen Reduktionsdiät verglichen hat.

Es könne deshalb aus den Ergebnissen nicht geschlossen werden, dass das Intervallfasten besser sei als herkömmliche Methoden der Kalorienreduktion. Kühn bezweifelt zudem, dass das Intervallfasten für die meisten Übergewichtigen durchzuhalten sei. Bei einem Abbruch drohe eine erneute Gewichtszunahme und ein Jojo-Effekt.

Jürgen König, den Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universi­tät Wien, überraschen die Ergebnisse der Studie nicht. Sie sind seiner Ansicht nach bei jeder Diät, die die Kalorienzufuhr deutlich einschränkt, zu erwarten. Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke ist ebenfalls nicht überzeugt. Die Studienergebnisse seien kein Grund, um das Intervall­fasten der normalen kontinuierlichen Kalorienreduktion vorzuziehen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #722455
´hajodba@gmx.de
am Freitag, 30. August 2019, 18:20

"Als "über 70-jähriger Typ-2-Diabetiker, der kein Insulin spritzt", bin ich skeptisch"

Zugegeben, ich bin "kein Ernährungs-Experte", jedoch ein aufmerk-samer Leser das DÄB" und habe daher in den vergangenen Jahren recht viel über "Diäten" gelesen, die oft nur sehr "kurze Halbwertzeit" besaßen.
Deshalb verstehe ich den aktuellen "Hype um das Intervallfasten" in
keine Weise. Da ich "meinen Typ-2-Diabetes" u.a. mit der "Ernährung"
zu bekämpfen versuche und bemüht bin, eine "Glucose-Homöostase"
einhalten zu können, sehr sich beim "Intervallfasten" ganz erhebliche
Risiken., deren "Folgen" für mich nicht absehbar sind.

Zum "Selbstmanagement meines Diabetes Typ 2" gehört auch, dass ich
"16 Stunden aktiv" und "8 Stunden passiv" bin. Daraus ergibt sich, dass
ich von "20 Uhr bis 8.00 Uhr" nicht essen. Am Morgen nehme ich dann
"Nüchternmessungen miens Blutzuckerspiegels" vor, Also nachdem ich
"12 Stunden nichts gegessen" habe. Meine "Werte "liegen in der Regel zwischen"140 - 150 mg/dl". Nach dem Frühstück und der "Tabletten-einnahm"e" bin ich den Vormittag über mit "intensivem Schreiben am
PC" beschäftigt und trinke ca. "10 Tassen Kaffee". Um die Mittagszeit
ergeben dann meine "Blutzuckermessungen"konstant "Werte zwischen
90 -.100 mg/del". Wenn dieses "Programm nicht absolvierte" habe ich
schon "Werte von über 200 mg/dl" gemessen.

Natürlich kann ich dies "nicht verallgemeinern", jedoch sehe ich bei
dem "Ablauf des Intervallfastens" insbesondere für "ältere Diabetiker
Typ 2, die kein Insulin spritzen" erhebliche Imponderabilien und nur
"wenig Nutzwert"- Erst recht nicht, wenn man dieser "neuen Diät" das
seit Jahren bewährte

"Ernährungskonzept LOGI-Methode"

gegenüberstellt, mit sogar "schwere Fällte on Diabetes" erfolgreich
behandelt wurden.

H. Jürgen Barth, Rodalben
Avatar #651376
susanne.strauss
am Mittwoch, 28. August 2019, 16:52

Fasten, Gesundheit und Jugendliche

Das Intervallfasten kann in einer anderen Form m.E. sehr gut langfristig durchgeführt werden. Dazu wird regelmäßig 16 Stunden gefastet, und in den verbleibenden 8 Stunden können 2-3 Mahlzeiten gegessen werden. Wobei diese Kost eine gesunde Mischkost sein sollte. Dies ist nach meiner Erfahrung bisher die beste Methode zur effektiven Gewichtsreduktion bei älteren Jugendlichen. Meine Patienten hatten z.T. schon frustrane Diäten oder sogar Kuren hinter sich gebracht.
Die Zeiten der Nahrungsaufnahme können die Jugendlichen selbst festlegen. So gibt es Menschen, die nicht unbedingt frühstücken möchten, dafür dann aber am Abend mit der Familie zusammen das Essen genießen wollen.
Anmerkung:
Im Winter und Frühjahr haben die Jugendlichen oft Appetit auf fettige Speisen. Ein Hinweis auf Vitamin-D-bedarf?
LNS

Zum Artikel

Fachgebiet

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...