SucheTrefferlisteGuter Vorsatz fürs Neue Jahr: Öfter weniger essen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Guter Vorsatz fürs Neue Jahr: Öfter weniger essen

Montag, 30. Dezember 2019

/spyrakot, stockadobecom

Baltimore - Wer sich zu Weihnachten bereits ein Fahrrad hat schenken lassen, um in Zukunft gesünder zur Arbeit zu pendeln und das Auto für die Wocheneinkäufe stehen zu lassen, kann zu Neujahr den nächsten Schritt zu einem gesünderen Leben unternehmen. Der regelmäßige Verzicht auf das Abendessen oder Fastenperioden am Wochenende beugt nicht nur Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Intermittierendes Fasten bessert laut einer Übersicht im New England Journal of Medicine (2019; 381: 2541-51) auch die kognitiven Fähigkeiten und die körperliche Fitness.

Die mit der Nahrung aufgenommenen Zucker und Fette liefern nur für wenige Stunden ausreichend Energie für die Zellen. Schon bald muss der Körper auf Reserven zurückgreifen. Aus den Fettzellen werden freie Fettsäuren abgerufen, die Leber beginnt nach dem Erschöpfen der Glykogen-Vorräte (die bei adipösen Menschen infolge der Fettleber begrenzt sind) mit der Produktion von Ketonkörpern, deren Konzentration im Blut nach etwa acht bis zwölf Stunden ansteigt.

Dieser Wechsel auf einen ketogenen Stoffwechsel bewahrt den Menschen nicht nur vor einem schnellen Hungertod. Er hat unsere Vorfahren auch bei der Suche nach Nahrungsmitteln unterstützt, die nicht in Supermarktregalen bereit standen oder in Fastfood-Ständen zum sofortigen Verzehr angeboten wurden. Ketonkörper sind laut dem Neurowissenschaftler und Altersforscher Mark Mattson von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore nicht nur ein Energieträger. Sie stoßen als Signalstoffe auch eine Reihe von Veränderungen an, die Gesundheit und Alterungsprozesse im Körper günstig beeinflussen.

Zu den Signalstoffen gehört der Wachstumsfaktor BDNF („Brain-derived neurotrophic factor“), der im Gehirn die Bildung neuer Synapsen fördert. Fasten macht demnach klug. Es fördert die Kreativität, Phantasie und Spracheigenschaften, die früher für die Jagd nach Nahrungsmitteln benötigt wurden. Die Überversorgung mit Kalorien macht nach Ansicht von Mattson nicht nur den Körper, sondern auch den Geist träge.

In den Zellen fördern wiederholte Fastenperioden Anpassungsvorgänge, die vor den Folgen eines Energiemangels schützen. Dazu gehören laut Mattson eine Stärkung der antioxidativen Abwehr, die DNA-Reparatur, die Qualitätskontrolle von Proteinen, die Neubildung von Mitochondrien und die Blockade von Entzündungsreaktionen.

Die konkreten Auswirkungen auf den Organismus werden seit fast einem Jahrhundert untersucht. Tierexperimente haben gezeigt, dass eine Kalorienrestriktion die Lebensphase von Ratten um 14 bis 45 Prozent und von Mäusen um 4 bis 27 Prozent verlängert. Die Ergebnisse an Rhesusaffen waren dagegen widersprüchlich. In einer Versuchsserie der Universität von Wisconsin verlängerte die Kalorienrestriktion die Lebensphase der Tiere, eine Studie des US-National Institute of Health konnte dagegen keinen Effekt erkennen.

Beim Menschen hat intermittierendes Fasten in Studien eine Adipositas abgeschwächt, die Insulinempfindlichkeit verbessert, die Blutfette und den Blutdruck gesenkt und Entzündungsvorgänge im Körper abgeschwächt. Ob sich dies am Ende auf die Lebenserwartung auswirkt, ist nicht bekannt. Angesichts der mit Adipositas und metabolischem Syndrom verbundenen Morbidität und Mortalität ist dies jedoch zu erwarten.

Die unmittelbaren Vorteile des intermittierenden Fastens bestehen bei übergewichtigen und fettleibigen Menschen in einer Gewichtsabnahme, die vor allem durch eine Reduktion des Fettgewebes bei Erhalt der Muskelmasse erzielt wird. Auch günstige Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten wurden beim Menschen nachgewiesen. Mattson zitiert unter anderem eine Studie, die Neurologen der Universität Münster vor zehn Jahren publiziert hatten (PNAS 2009; doi: 10.1073/pnas.0808587106). Eine Kalorienrestriktion um 30 Prozent hatte dort die Ergebnisse in Tests zum verbalen Gedächtnis verbessert (allerdings ohne nachweisbarem Anstieg des BDNF). In neueren Studien wurden auch andere kognitive Leistungen durch ein Intervallfasten verbessert.

Klinische Studien zeigen, dass ein Intervallfasten vor einem Typ 2-Diabetes schützen (und bei Diabetikern die Insulinresistenz vermindern) kann. In der CALERIE-Studie verbesserte eine 12-prozentige Kalorienrestriktion über zwei Jahre bei schlanken Menschen mehrere kardiometabolische Risikofaktoren.

Derzeit wird in mehreren klinischen Studien untersucht, ob eine Kalorienrestriktion den Verlauf von Krebserkrankungen günstig beeinflussen kann. Sichere Hinweise dafür gibt es laut der Übersicht von Mattson derzeit nicht. Auch die Auswirkungen auf neurodegenerative Erkrankungen sind nicht ausreichend untersucht. Die Stärkung der Mitochondrien könnte hier den weiteren Untergang von Hirnzellen verhindern, hofft der Neurowissenschaftler. Bei Autoimmunerkrankungen könnte sich die Hemmung von Entzündungsreaktionen im Körper günstig auswirken. Aber auch hierzu gibt es bisher keine überzeugenden Belege.

Auch chirurgische Patienten könnten vom intermittierenden Fasten profitieren. Die Auswirkungen einer 14-tägigen präoperativen Kalorienrestriktion auf die Komplikationsrate bei bariatrischen Operationen waren in einer randomisierten Studie jedoch gering.

Trotz der Vorteile dürfte die Aussicht auf den regelmäßigen Verzicht auf Abendessen und Snacks vor dem Fernseher oder das Fasten am Wochenende die meisten Menschen vor einem intermittierenden Fasten zurückschrecken lassen. Die Hungergefühle und die Gereiztheit, die eine Kalorienrestriktion auslöst, schwächen sich mit der Zeit jedoch ab, meint Mattson, der seit vielen Jahren intermittierend fastet. In der Regel dauere es zwei Wochen bis einen Monat, bis sich Körper und Gehirn an die neue Situation gewöhnt hätten.

Wer sich für das tägliche Fasten entscheidet, sollte laut Mattson die Nahrungszufuhr in den ersten vier Wochen auf zehn Stunden an fünf Tagen in der Woche beschränken. In den nächsten vier Monaten könnte die Dosis langsam auf ein Ziel von sechs Stunden Nahrungsaufnahme an sieben Tagen in der Woche gesteigert werden.

Das „5 zu 2“-Fasten beginne man am besten mit der Einschränkung auf 1.000 Kalorien an einem Tag in der Woche. Das Ziel sind hier 500 Kalorien an zwei Tagen in der Woche.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Zum Artikel

Fachgebiet

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...