Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Allopurinol lindert stabile Angina

Dienstag, 8. Juni 2010

Dundee – Das Gichtmittel Allopurinol, das seit vier Jahrzehnten zur Behandlung der Hyperurikämie eingesetzt wird, wirkt auch bei der stabilen Angina pectoris. In einer randomisierten Studie im Lancet (2010: doi: 10.1016/S0140-6736(10)60391-1) verlängerte er die Zeit bis zum Auftreten von Ischämiezeichen und Brustschmerzen.

Allopurinol hemmt das Enzyms Xanthinoxidase und unterbindet dadurch den Abbau von Purin zu Harnsäure, deren Ablagerung in den Gelenken den Gichtschmerz auslöst. Der Anginaschmerz ist dagegen die Folge eines relativen Sauerstoffmangels in den Herzmuskelzellen.

Beides hat auf den ersten und auch auf den zweiten Blick nichts gemeinsam. Dennoch war in tierexperimentellen Studien aufgefallen, dass Allopurinol die Sauerstoffverwertung in den Herzmuskelzellen verbessert. Ob dies an dem Verbrauch von Sauerstoff durch die Oxidase liegt, wie Allan Struthers von der Universität Dundee vermutet, oder ob es ein noch nicht bekannter Wirkmechanismus ist, bleibt dahingestellt.

Die kleine Studie an 65 Patienten mit einer angiographisch dokumentierten koronaren Herzkrankheit zeigt, dass das Gichtmittel auch bei der stabilen Angina wirkt. Allopurinol erhöhte die Zeit bis zum Auftreten einer ST-Streckensenkung im Belastungs-EKG von 232 auf 298 Sekunden.

Das waren 43 Sekunden mehr als im Placebo-Arm (das Scheinmedikament zeigte wie so oft auch eine gewisse Wirkung). Die Zeit bis zur Erschöpfung oder bis zur stabilen Angina wurden ebenfalls signifikant gesteigert.

Es besteht gewiss kein Mangel an Wirkstoffen, die Menschen mit stabiler Angina pectoris Linderung verschaffen – von der Möglichkeit einer mechanischen Erweiterung der Koronarie einmal abgesehen, die aber bei stabiler Angina wegen der guten Prognose nicht unbedingt indiziert ist.

Doch die niedrigen Tagestherapiekosten machen Allopurinol zu einer extrem kostengünstigen Alternative von hoher Sicherheit, argumentieren die schottischen Mediziner. Allopurinol sei besser verträglich als Nitrate und Betablocker, welche die Patienten häufig durch Kopfschmerzen quälen.

Und infolge der langjährigen Erfahrungen mit dem Medikament seien keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten. Streng genommen muss dies für die neue Zielgruppe erst noch in größeren Studien belegt werden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Zum Artikel

Fachgebiet

Fachgebiet

Weitere...

Anzeige