Medizin

Feinstaub aus Holzöfen erhöht Herzinfarktrisiko für ältere Menschen

Mittwoch, 1. März 2017

Montreal – Der von Holzöfen oder anderen Verfeuerungen von Biomasse freigesetzte Feinstaub erhöht bei älteren Menschen die Anfälligkeit auf einen Herzinfarkt. Der Einfluss war in einer Untersuchung aus Kanada in Epidemiology (2017; doi: 10.1097/EDE.0000000000000636) sogar stärker als bei anderen Feinstaubquellen.

Ein sommerliches Lagerfeuer oder der Winterabend vor dem Kamin oder Holzofen mag sich positiv auf das Gemüt auswirken. Die dabei freigesetzten Feinstäube sind jedoch gesundheitsschädlich, selbst wenn der Ruß durch einen ordentlich gewarteten Schorn­stein ins Freie gelangt. Dort tragen Holzöfen und Kamine zunehmend zur Feinstaub-Belastung bei.

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Ein Team um Scott Weichenthal von der McGill Universität in Montreal hat hierzu die Daten aus drei Kleinstädten in Kanada (Prince George, Kamloops und Courtenay/Comox mit 50. bis 85.000 Einwohnern) analysiert. In den Wintermonaten – und in Prince George infolge von Buschbränden auch im Sommer – kommt es zu einem Anstieg von Levoglucosan in der Umgebungsluft. Levoglucosan entsteht beim Verbrennen von Stärke und Zellulose. Es weist auf die Verbrennung von Holz hin und Weichenthal benutzte den Marker, um die Feinstaub-Belastung durch Verbrennung von Holz von anderen Quellen wie dem Autoverkehr zu trennen. 

In allen Städten kam es in Phasen einer erhöhten Feinstaub-Belastung zu einem Anstieg der Hospitalisierungen wegen Herzinfarkten. Dieser Anstieg war weitgehend auf die über 65-Jährigen begrenzt. Der durch das Verbrennen von Holz oder anderen Biomassen entstehende Feinstaub erhöhte nach einer Berechnung von Weichenthal kurzfristig die Herzinfarktrate der Senioren um 19 Prozent (Odds Ratio 1,19; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,04 bis 1,36). 

Die Emissionen aus Holzöfen könnten sogar gefährlicher sein als andere Feinstaub­quellen. Die Assoziation zwischen der Feinstaub-Belastung und dem Herzinfarktrisiko war laut Weichenthal stärker, wenn mehr Feinstaub von Holzöfen freigesetzt wurde, also etwa während der Heizperiode. Die Gründe sind nicht bekannt. Die Beobachtung deckt sich aber mit Laboruntersuchungen, die ein erhöhtes oxidatives Potenzial von Feinstaub aus der Verbrennung von Biomasse gezeigt haben.

Auch in Deutschland ist in den letzten Jahren die Belastung durch Feinstaub aus Kohleöfen gestiegen. Nach Informationen des Bundesumweltamtes werden jährlich um die 400.000 häusliche Einzelfeuerstellen (Herde, Kamin-, Dauerbrand- und Pelletöfen) verkauft. © rme/aerzteblatt.de

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