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Medizin

Lithium: Risiko von Herzfehlern steigt dosisabhängig

Freitag, 9. Juni 2017

Boston –  Die Einnahme von Lithium in der Frühschwangerschaft kann kardiale Fehlbildungen beim Embryo verursachen. Das Risiko war in einer retrospektiven Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 2245-2254) geringer als bisher angenommenen, stieg aber mit der Dosis an. 

Die Fachinformationen von Lithium-Präparaten weisen seit längerem auf das Risiko von kardialen Fehlbildungen hin. Bei Patientinnen im gebärfähigen Alter muss vor Behandlungsbeginn eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Während der Behandlung ist eine sichere Empfängnisverhütung zu gewährleisten. Die Vorsichts­maßnahmen beruhen auf den Ergebnissen des „International Register of Lithium Babies“, das in den 1970er Jahren ein fünffach erhöhtes Risiko auf Herzfehler gefunden hatte. Das Risiko auf die seltene Ebstein-Anomalie war sogar um den Faktor 400 erhöht, wobei die Berechnungen allerdings nur auf zwei Fällen beruhten. 

Trotz dieser Warnungen wird Lithium weiterhin bei Patientinnen im gebärfähigen Alter eingesetzt. Die Indikation ist in der Regel eine bipolare Störung, bei der Lithium noch immer Mittel der Wahl ist. Von 1.325.563 Schwangeren aus der US-amerikanischen MAX-Datenbank (Medicaid Analytic eXtract) wurden 663 mit Lithium behandelt. Insgesamt 16 Kinder wurden mit einer Herzfehlbildung geboren.

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Dies ergibt eine Prävalenz von 2,41 pro 100 Geburten. Sie war in etwa doppelt so hoch wie in der Gruppe der nicht mit Lithium behandelten Schwangeren. Dort wurden 1,15 von 100 Kindern mit einem Herzfehler geboren. Die Berücksichtigung von Patienten­eigenschaften vermindert das Risiko ein wenig. Elisabetta Patorno vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter errechnen ein relatives Risiko von 1,65, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02 bis 2,68 signifikant war.

Das Risiko war dosisabhängig. Es war bei einer Tagesdosis von 600 mg oder weniger mit einem relativen Risiko von 1,11 (0,46-2,64) nur leicht erhöht. Bei einer Dosis von 601 bis 900 mg stieg das relative Risiko auf 1,60 (0,67-3,80) und bei einer Tagesdosis von mehr als 900 mg betrug es 3,22 (1,47-7,02). Die weiten Konfidenzintervalle deuten an, dass die Zahlen nur eine ungefähre Abschätzung ermöglichen. Das Risiko scheint jedoch deutlich niedriger zu sein, als in den früheren Untersuchungen angenommen wurde. 

Dies trifft auch auf Geburten mit Obstruktionen im rechtsventrikulären Ausflusstrakt zu, zu denen auch die Ebstein-Anomalie gehört. Die Prävalenz lag bei Lithium-expo­nierten Embryonen bei 0,60 Prozent gegenüber 0,18 Prozent bei nicht-exponierten Embryonen. Patorno ermittele ein relatives Risiko von 2,66, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,00 bis 7,06 weit unter dem 400-fachen Anstieg in der früheren Untersuchung liegt. © rme/aerzteblatt.de

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