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Medizin

NSAID verbessern Prognose nach Darmkrebsbehandlung bei KRAS-Wildtyp

Sonntag, 18. Juni 2017

Sebastian Wolf - stock.adobe.com
Seattle – Patienten, die nach der Diagnose einer Darmkrebserkrankung eine Behand­lung mit einem nicht-steroidalen Antirheumatikum begannen, hatten in einer Kohortenstudie signifikant bessere Überlebenschancen. Die Vorteile waren laut der Publikation im Journal of Clinical Oncology (2017; doi: 10.1200/JCO.2017.72.3569) auf Patienten beschränkt, deren Tumor den Wildtyp des Onkogens KRAS exprimierte.

Acetylsalicylsäure (ASS) und andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID) sind in der Vergangenheit nicht nur mit einem verminderten Erkrankungsrisiko am Darmkrebs in Verbindung gebracht worden. Es gibt auch Hinweise, dass die Inhibitoren der Cyclooxygenase auch nach einer Darmkrebserkrankung die Prognose der Patienten verbessern können. 

Ein Team um Polly Newcomb von Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle hat hierzu jetzt die Daten des Colon Cancer Family Registry ausgewertet, das die Behandlungsergebnisse von Darmkrebspatienten aus den USA, Kanada und Australien sammelt. Von 2.419 Patienten sind während einer Nachbeobachtungszeit von 10,8 Jahren 381 Patienten gestorben, davon 100 am Darmkrebs. 

Newcomb ermittelt für Patienten, die ASS oder andere NSAID einnahmen ein um 25 Prozent vermindertes Gesamtsterberisiko (Hazard Ratio 0,75; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,59 bis 0,95). Das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, war sogar um 56 Prozent vermindert (Hazard Ratio 0,44; 0,25 bis 0,71). Den größten Nutzen hatten Patienten, die erst nach der Darmkrebsdiagnose mit der Einnahme von ASS begonnen hatten. Das Gesamtsterberisiko sank um 36 Prozent (Hazard Ratio 0,64; 0,47-0,86), die darmkrebsspezifische Sterblichkeit war um 60 Prozent niedriger (Hazard Ratio 0,40; 0,20-0,80).

Eine weitere Analyse ergab, dass die protektive Wirkung auf Patienten beschränkt war, deren Tumor den Wildtyp (nicht mutierte Variante) des Onkogens KRAS exprimiert hatten. Newcomb ermittelte für diese Gruppe eine Hazard Ratio von 0,60 (0,46-0,80). Bei Patienten mit KRAS-Mutanten im Tumorgewebe war keine Schutzwirkung erkennbar (Hazard Ratio 1,24; 0,78-1,96).

Dass nur Darmkrebs-Patienten mit dem KRAS-Wildtyp von einer Sekundärprävention profitieren, ist eine neue Erkenntnis, die sicherlich noch in weiteren Studien untersucht werden muss, zumal ein plausibler Wirkungsmechanismus nicht erkennbar ist.

Die meisten Fachgesellschaften lehnen derzeit den Einsatz von ASS oder anderen NSAID zur Darmkrebsprävention ab, da sie das Blutungsrisiko höher einstufen als den Nutzen. Die Negativempfehlung betrifft die Primärprävention von gesunden Menschen. Zur Sekundärprävention nach der Darmkrebsdiagnose liegen noch keine Ein­schätzungen der Fachgesellschaften vor. © rme/aerzteblatt.de

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