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Medizin

Klimawandel: Hitzewellen bedrohen Gesundheit

Dienstag, 20. Juni 2017

stock.adobe.com
Hawaii – Mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung lebt zur Zeit an Orten, in denen Temperatur und Luftfeuchtigkeit an mindestens 20 Tagen im Jahr die Wärmeregulation des menschlichen Körpers überfordern. Der Anteil wird nach Schätzungen in Nature Climate Change (2017; doi: 10.1038/nclimate3322) bis 2100 auf 48 bis 74 Prozent ansteigen. Tödliche Hitzewellen wie in Chicago 1995, Paris 2003 oder Moskau 2010 würden häufiger.

Im Juli 1995 starben in Chicago 740 Menschen, nachdem die Temperatur an fünf Tagen auf über 40 Grad Celsius angestiegen waren. Die Hitzewelle von 2003 forderte allein Paris 4.870 Todesopfer, europaweit könnten es bis zu 70.000 Menschen gewesen sein. Im Sommer 2010 starben nach offiziellen Statistiken in Moskau 10.860 Menschen an Überhitzung. Weitere Hitzewellen gab es in den letzen Jahren in New York, Washington, Los Angeles, Chicago, Toronto, London, Peking, Tokio, Sydney und Sao Paulo.

Der Geograph Camilo Mora von der Universität Hawaii hat in der Literatur Studien über insgesamt 783 letale Hitzeperioden gefunden, die allerdings nur die Spitze eines Eisbergs (unpassende Metapher) waren. Die Berichte stammten vor allem aus Großstädten in Ländern mittlerer Breite, wo Hitzewellen ungewöhnliche singuläre Ereignisse sind. In vielen tropischen und subtropischen Regionen sind sie dagegen die Regel, ohne dass dies die Aufmerksamkeit der Wissenschaft erregt. 

Mora kommt aufgrund der Analyse von Klimadaten zu dem Ergebnis, dass es im Jahr 2000 auf 13,2 Prozent der Erdoberfläche an 20 Tagen zu heiß für eine ungeschützte menschliche Existenz war. Dort lebten damals 30,6 Prozent der Weltbevölkerung. Die Zahl wird in den nächsten Jahren ansteigen. Wie stark, hängt vom Ausmaß der Erderwärmung ab. Hier gibt es verschiedene sogenannten RCP-Szenarien (Represen­tative Concentration Pathways).

Selbst eine relativ milde Erwärmung um 1 Grad Celsius (RCP 2,6) würde nach den Berechnungen von Mora auf 26,9 Prozent der Erdoberfläche für Hitzewellen sorgen. Betroffen wären 47,6 Prozent der Weltbevölkerung. Unter der ungünstigeren Annahme von RCP 4,5 (Erderwärmung um 1,8 Grad bis 2100) oder RCP 8,5 (Erderwärmung um 3,7 Grad bis 2100) wären 53,7 Prozent beziehungsweise 73,9 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Laut der von Mora im Netz veröffentlichten Weltkarte würde die Zahl der Hitzetage vor allem in der Amazonas-Region, in Westafrika und in Indien ansteigen, aber auch der gesamte Südosten der USA wäre betroffen bis hinauf nach New York, wo im Jahre 2100 an durchschnittlich 50 Tagen im Jahr die Kombination aus Luftfeuchtigkeit und Temperatur eine Wärmeabgabe des menschlichen Körpers verhindern würde. In Sydney gäbe es 20 in Los Angeles 30 Hitzetage. In Orlando/Florida und Houston/Texas wäre es den ganzen Sommer über zu heiß. Europa wäre den Projektionen des Geographen zufolge weniger stark betroffen.

Der menschliche Körper kann in Trockenheit durch Schwitzen auch bei Temperaturen über 37 Grad Celsius noch Wärme abgeben. Bei hoher Luftfeuchtigkeit sind jedoch bereits Temperaturen um die 30 Grad Celsius unerträglich. © rme/aerzteblatt.de

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brunnenau
am Dienstag, 20. Juni 2017, 21:20

Milchmädchenrechnung

Eine wunderschöne Arbeit mit einem Outcome in Zehntel Prozent. Ich frage mich nur, ob Afrika, Indien, Indonesien und Mittelamerika rein rechnerisch menschenleer sind, da es doch diesen Gegenden ständig, Ja fast ununterbrochen “ Tropentage“ hat.