Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Körperliche Bewegung im Alltag senkt Sterberisiko

Freitag, 22. September 2017

Schon das treppensteigen hilft, sein Bewegungpensum zu erhöhen/dpa

Vancouver – Wer sich regelmäßig bewegt, lebt länger. Körperlich aktive Menschen hatten in einer internationalen Beobachtungsstudie im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31634-3) ein deutlich vermindertes Sterberisiko. Dabei war es nicht notwendig, sich durch Jogging oder im Fitness-Studio abzuarbeiten. Hausarbeit und häufige Fußwege erzielten die gleiche Wirkung.

Nicht nur in reicheren Ländern bewegen sich die Menschen zu wenig. Körperliche Inaktivität ist in den letzten Jahrzehnten zu einem globalen Problem geworden, das vor allem die städtische Bevölkerung betrifft.

Forscher des Population Health Research Institute an der McMaster University in Hamilton hatten im Rahmen des PURE-Projekts („Prospective Urban Rural Epidemiology“) zwischen 2003 und 2010 in 17 Ländern fast 170.000 Menschen nach ihrer körperlichen Aktivität im Alltag befragt. Sie kamen aus reicheren Ländern wie Kanada, Schweden oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, sogenannten Schwellenländern wie Brasilien, Polen oder der Türkei, aber auch aus ärmeren Ländern wie Bangladesch, Pakistan oder Simbabwe. Innerhalb jedes Landes wurden Menschen in städtischen und ländlichen Gebieten befragt, um die geographische Vielfalt der Bevölkerung abzubilden.

Zum Einsatz kam der „International Physical Activity Questionnaire“, der sich nicht nur nach sportlichen Aktivitäten erkundigt. Ebenso wichtig waren Aktivitäten im Rahmen des Alltags, etwa im Bereich Haushalt und Familie, die Wege zur Arbeit oder auch die körperliche Beanspruchung am Arbeitsplatz.

Scott Lear von der Simon Fraser University in Vancouver hat jetzt die Daten von 130.843 Teilnehmern ausgewertet, die bei der Befragung frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel 6,9 Jahre.

Die Analyse ergab, dass Personen mit moderater körperlicher Aktivität ein um 20 Prozent vermindertes Sterberisiko hatten (Hazard Ratio 0,80; 0,74-0,87) gegenüber Menschen, die sich weniger bewegten. Als moderate körperliche Aktivität wurden 150 bis 750 Minuten Bewegung gewertet, bei der durchschnittlich vier Metabolische Äquivalenten (MET) verbraucht wurden. Dies entspricht der Anstrengung bei leichter Hausarbeit oder beim langsamen Treppensteigen.

Personen, die 750 Minuten pro Woche oder länger mit vier MET aktiv waren, hatten ein um 35 Prozent vermindertes Sterberisiko (Hazard Ratio 0,65; 0,60-0,71). Das Risiko auf ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis war bei den körperlich aktiven Menschen um 14 Prozent niedriger (Hazard Ratio 0,86; 0,78-0,93).

Die meisten Teilnehmer erreichten ihr Bewegungssoll laut Lear nicht durch Freizeitaktivitäten wie den Besuch eines Fitness-Studios, sondern beim Pendeln zum Arbeitsplatz, während der beruflichen Tätigkeit sowie mit Tätigkeiten im Haushalt.

Lear hat dann noch das attributable Risiko für die Bevölkerung (population attributable risk, PAR) berechnet. Es beschreibt jenen Anteil der Endpunkte (hier Sterblichkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen), die auf den vermeidbaren Risikofaktor (hier Bewegungs­mangel) entfallen. Die PAR für die moderate körperliche Aktivität betrug 8,0 Prozent der vorzeitigen Todesfälle und 4,6 Prozent der ernsthaften Herz-Kreislauf-Ereignisse. Wenn alle Menschen sich 750 Minuten pro Woche oder mehr bewegen würden, könnten sogar 13,0 Prozent der vorzeitigen Todesfälle und 9,5 Prozent der ernsthaften Herz-Kreislauf-Ereignisse vermieden werden – sofern die Berechnungen von Lear die Wirklichkeit richtig widerspiegeln.

Daran sind, wie immer bei Beobachtungsstudien, Zweifel erlaubt. Ein wichtiger Einwand wäre, dass schwere Krankheiten, die in absehbarer Zeit zum Tode führen, die körperliche Mobilität des Patienten einschränken, was gerade bei einer kürzeren Nachbeobachtungszeit schnell zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen kann. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Zum Artikel

Fachgebiet

Fachgebiet

Weitere...

Anzeige