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Ausland

Ärzte in den USA stellen sich gegen Opioidmix in der Todesspritze

Dienstag, 16. Januar 2018

/dpa

Washington – US-Staaten, in denen es die Todesstrafe gibt wie Nevada und Nebraska, wollen künftig einen Opioidmix für die Todesspritze nutzen. Hintergrund ist, dass die Pharmaindustrie sich weigert, Stoffe für die tödliche Injektion zu liefern. Kritiker und Ärzte stellen sich gegen die Vorhaben der Bundesstaaten.

Der Rechtsprofessor Austin Sarat vom Amherst College nannte es in einem Bericht der Washington Post eine „grausame Ironie, dass die Regierungen dieser Bundesstaaten zur selben Zeit verhindern wollen, dass dermaßen viele Menschen durch Opioide sterben, und nun zu ihnen greifen, um andere umzubringen“. Derzeit grassiert in den USA eine verheerende Opioidepidemie, die jährlich Zehntausende Menschen das Leben kostet.

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1.290 Menschen durch Giftspritzen getötet

In den 31 US-Bundesstaaten mit Todesstrafe ist die Todesspritze seit Jahrzehnten die Exekutionsmethode der Wahl. Ebenso bei Todesurteilen, die im Namen der US-Regie­rung vollstreckt werden. Bei den 1.465 Hinrichtungen seit 1976, die das Informations­zentrum zur Todesstrafe US-weit auflistet, starben 1.290 Menschen durch Giftspritzen. Lange Zeit wurden dabei jedem Todeskandidaten drei Medikamente injiziert: Ein Narkosemittel, ein muskellähmendes Präparat und eines, das zum Herzstillstand führt.

Doch die Todesstrafe ist in den USA zunehmend umstritten. 19 US-Staaten haben sie komplett abgeschafft, andere setzen sie seit Jahren aus. Und seit 2010 verschärft sich die Diskussion durch die zunehmende Medikamentenknappheit. Denn die Suche nach Alternativen, eine davon ist das Betäubungsmittel Midazolam, endete nicht selten in grausamen, langen Todeskämpfen. Und selbst die Midazolambestände gehen nun zur Neige. In Nebraska und Nevada will man deshalb künftig auf Fentanyl setzen.

Fentanyl vorhanden

Das als starkes Schmerz- und Narkosemittel verbreitete synthetische Opioid wirkt 120-mal so stark wie Morphium – und ist in großen Mengen tödlich. Fentanyl ist im Übermaß vorhanden. „Wir haben es einfach über unseren Pharmagroßhandel bestellt, wie jedes andere Medikament, das wir brauchen, und es wurde geliefert“, schrieb eine Sprecherin der Justizvollzugsbehörde Nevadas der Washington Post in einer E-Mail.

Doch Kritiker werfen ein, dass auch eine solche Hinrichtung mit Qualen verbunden sein könnte. Der 47-jährige Scott Dozier, der schon im November als erster mit dieser Methode hingerichtet werden sollte, sollte zunächst Valium, dann Fentanyl und schließlich ein muskellähmendes Medikament erhalten. Doch ein Gericht stoppte seine Hinrichtung.

„Wenn die ersten beiden Mittel nicht wirken wie geplant oder wenn sie falsch gespritzt werden, was schon in so vielen Fällen passiert ist, dann ist man wach und bei Bewusst­sein, versucht verzweifelt zu atmen, ist aber vollkommen unfähig, sich zu bewegen“, sagte Mark Heath, Anästhesist der Columbia University. Beobachter würden von diesem Todeskampf noch nicht einmal etwas mitbekommen.

Ähnliche Befürchtungen gibt es für die geplante und ebenfalls verschobene Hinrich­tung von Jose Sandoval in Nebraska. Ihm soll als zusätzliches viertes Präparat ein Mittel zum Herzstillstand verabreicht werden (Kaliumchlorid), das auch zu inneren Verbrennungen führt. „Es gibt hier keinerlei medizinische oder wissenschaftliche Basis. Es ist nur eine Serie von Versuchen: Besorg Medikamente, teste sie an Gefangenen und schau, ob und wie sie sterben“, kritisiert der Anästhesist Joel Zivot (Emory University).

Wegen derartiger Komplikationen schaffen einige US-Bundesstaaten bereits wieder rechtliche Grundlagen für andere Methoden der Hinrichtung, etwa den Einsatz von Stickstoff als tödlichem Gas. Oder Erschießungen.

Auch die Juristin Deborah Denno (Fordham University), die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Todesstrafe befasst, hält das Erschießen letztlich für die Methode, bei der es die wenigsten grausamen Zwischenfälle gibt. Der Grund, warum dennoch nach chemischen Alternativen Ausschau gehalten werde, sei, dass es nicht wirklich um den Gefangenen gehe, sagt Denno. „Es geht ihnen um die Leute, die dabei zuschauen. Wir wollen nicht, dass Exekutionen aussehen wie das, was sie tatsächlich sind: Jemand anderen zu töten.“ © dpa/aerzteblatt.de

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