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Ärzteschaft

Chirurgen für Zentrenbildung zur Behandlung von Tumoren und Fehlbildungen bei Kindern

Donnerstag, 19. April 2018

/xixinxing, stock.adobe.com

Berlin – Die Behandlung von Tumoren bei Kindern sollte an Spezialkliniken konzentriert werden, ebenso die Versorgung von Fehlbildungen bei Neugeborenen wie Gallengangs-Verschlüsse oder angeborene Zwerchfellhernien. Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Laut der Fachgesellschaft überleben 80 Prozent der kleinen Patienten mit einer Krebserkrankung fünf Jahre und länger, viele erreichten das Erwachsenenalter. „Die Gründe für den Erfolg liegen in der Zusammenarbeit spezialisierter Zentren, die alle Behandlungen protokollieren und daraus optimale Behandlungsstrategien entwickelt haben“, erklärte der DGCH-Präsident Jörg Fuchs auf dem 135. Kongresses der Fachgesellschaft in Berlin.

Viele der zunächst erfolgreich behandelten Kinder entwickelten aber im Laufe der Zeit Metastasen, erlebten einen Rückfall oder erlitten eine zweite Krebserkrankung, zum Beispiel in Form einer Leukämie. In diesen Fällen seien die Behandlungserfolge mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von unter 40 Prozent deutlich schlechter.

„Um die Behandlungsergebnisse auch bei fortgeschrittenen Tumoren und Zweitkrebserkrankungen zu verbessern, benötigen wir eine Zentralisierung der Kinderkrebsbehandlungen in wenigen Spezialeinrichtungen“, sagte Fuchs. Dort würden internationale Behandlungsprotokolle erstellt, verglichen und Therapiestrategien erneut optimiert.

Fuchs lobte in diesem Zusammenhang die Zertifizierung von kindlichen Zentren zur Krebsbehandlung durch die Deutsche Krebsgesellschaft. Erforderlich für eine Zertifizierung sind unter anderem Behandlungszahlen von mindestens 30 Neuerkrankungen pro Jahr. „Dieser Weg, die Expertise auf wenige Zentren zu konzentrieren, ist richtig, um die Ergebnisse weiter zu verbessern“, sagte der DGCH-Präsident.

Eine solche Konzentration fordert die Fachgesellschaft auch für die Behandlung von angeborenen Fehlbildungen, die in Deutschland höchstens 200 bis 250 Mal pro Jahr auftreten. „Realität ist, dass viele kleine kinderchirurgische Einheiten diese komplizierten Korrektureingriffe durchführen, häufig seltener als einmal jährlich“, erläuterte Lucas Wessel, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH).

Die Folgen der begrenzten Operationserfahrung seien für Betroffene „oftmals sehr unbefriedigend“ und würden seit Jahrzehnten von Selbsthilfeorganisationen beklagt, sagte der Direktor der kinderchirurgischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim. Eine weitgehende Zentralisierung der Behandlung seltener Fehlbildungen in Deutschland würde zu einer Verbesserung der Operationsergebnisse, zu einer Abnahme schwerwiegender Komplikationen und Folgeerkrankungen samt Folgeoperationen führen und damit die Teilhabe der Betroffenen gewährleisten, betonte er. © hil/aerzteblatt.de

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