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Migration: Vom Geflüchteten zum Arzt – ein Leben zwischen den Kulturen

Dtsch Arztebl 2017; 114(48): A-2294 / B-1920 / C-1874

Ludwig, Michaela

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Vom tamilischen Jungen, der ohne seine Eltern nach Hamburg geflüchtet ist, zum Herzchirurgen: Der Lebensweg von Umeswaran Arunagirinathan klingt wie das Märchen einer gelungenen Integration. Die monatelange Fluchtodyssee beschrieb er in seinem ersten Buch „Allein auf der Flucht“ aus dem Jahr 2006. Nun hat er mit „Der fremde Deutsche – Leben zwischen den Kulturen“ eine Fortsetzung geschrieben – über sein Leben in Deutschland. Der ehemals unbegleitete Flüchtling ist mittlerweile deutscher Staatsbürger und steht, von seinen Patienten kurz Dr. Umes genannt, vor dem Abschluss seiner Facharztausbildung am Rhön-Klinikum in Bad Neustadt/Unterfranken.

Doch Arunagirinathan hat auch Ablehnung und Diskriminierung erlebt und berichtet darüber – ohne anzuklagen, ohne zu verallgemeinern. In Diskotheken wird ihm der Einlass verwehrt, Patienten lehnen es ab, von dem dunkelhäutigen Arzt behandelt zu werden. Besonders absurd, denn besonders Krankenhäuser im ländlichen Raum sind auf Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland dringend angewiesen.

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Sehr aktuell ist, wenn Arunagirinathan anhand seiner eigenen Lebensgeschichte die Möglichkeiten, Erwartungen und Probleme der Integration auslotet. Als er einen jungen Flüchtling bei sich aufnimmt, beginnt eine intensive Auseinandersetzung über das Frauenbild in Deutschland, übertriebene Erwartungshaltungen und Eigenverantwortung. Selbst ein ehemaliger Flüchtling, möchte Arunagirinathan Mut machen: Geflüchteten zeigen, dass sie ihre Chancen nutzen sollen, und den vielen Ehrenamtlichen, dass sich ihr Engagement auszahlen wird. Gleichzeitig wirbt er um Verständnis für Flüchtlinge und ihre Lebenslage. So erzählt er bunt und eindrucksvoll von seiner Familie und den tamilischen Wurzeln. Er beschreibt die Erwartungen der Eltern, die auf ihm lasteten, und setzt sich kritisch auseinander mit Lebensformen und Bräuchen. Das Buch beginnt mit einem Familientreffen bei der Schwester in London und endet mit dem Tod des geliebten Vaters – ohne dass er ihn über seine Homosexualität aufklären konnte. Um ihn zu beerdigen, kehrt Arunagirinathan nach 17 Jahren in seine Heimat zurück.

„Der fremde Deutsche“ ist ein flammendes Plädoyer für eine offene, tolerante und kosmopolitische Gesellschaft, in der jeder einzelne in seiner ganzen Persönlichkeit und Haltung zählt, unabhängig von Herkunft, Religion und sexueller Orientierung. Michaela Ludwig

Umeswaran Arunagirinathan: Der fremde Deutsche – Leben zwischen den Kulturen. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2017; 144 Seiten, broschiert, 12,50 Euro

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