SucheTrefferlisteStatine: Ausrutscher an Würstchenbude
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Mit Statinen wird keine Krankheit, allenfalls ein Risikofaktor behandelt. Jeder 2. US-Bürger im Alter ab 65 Jahren nimmt regelmäßig Statine ein, das sind über 12 Millionen US-Amerikaner. Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit müsste nach dieser Vorstellung in den USA deutlich niedriger sein als im Rest der Welt. Dies trifft aber definitiv nicht zu. Die US-Ärzte verordnen viel mehr Statine und die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist noch höher als in Deutschland.

Zu hohes LDL-Cholesterin ist bestenfalls ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Sterblichkeit unter vielen. Tabakkonsum, Bewegungsmangel, Adipositas sind weitere Risikofaktoren.

Vermehrte Statin-Verordnungen zu propagieren ist nur dumm. Die Berufung auf US-Ärzte, die Statinen vertrauen, überzeugt nicht, denn die vertrauen auch Donald Trump.

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Ein Herstellervertreter sagte mir einmal, dass die Statine nur verordnet werden dürfen, wenn drei Monate cholesterinarme Kost keinen Erfolg brächten. … Wer ohne vorherige Ernährungsberatung und drei Monate cholesterinarme Kost Statine verordnet, hat ein Haftungsproblem.

In einer Suchtklinik, überwiegend Alkoholpatienten, war bei Aufnahme das LDL fast immer erhöht, Ich habe als Leitender Arzt der Einfachheit halber cholesterinarme Kost für (fast) alle als Standard gesetzt. Cholesterinarme Kost als Standard bei gelegentlichen „Ausrutschern“ an der Würstchenbude war bei fast allen erfolgreich, nur zwei von über 400 behielten hohe LDL-Werte und bei diesen beiden sprach die Familienanamnese für eine erbliche Cholesterinstoffwechselstörung. Nur diesen beiden habe ich Statine angeboten. … Die absolute Risiko-Reduktion durch Statin-Verordnung liegt noch unterhalb der Größenordnung beim Roulettespiel. Wenn ich mein ganzes Vermögen auf eine einzige Zahl setze, habe ich größere Gewinnchancen, als wenn ich versuche, meinen Herz-Kreislauf-Tod damit zu verhindern, dass ich als Rentner Statine einnehme. Mein „Einsatz“ wäre die Rhabdomyolyse.

… Wenn ich täglich „nur“ 28 g Vollkornprodukte zu mir nehme, dann habe ich mein relatives Risiko um 9 % gesenkt, bin damit völlig ohne Rhabdomyolyserisiko schon fast halb so weit wie mit Statinen. Der Renner wäre allerdings Fisch, insbesondere Seefisch. Die Deutschen essen noch nicht einmal ein Drittel der Fischmenge, die die Japaner essen, und haben mehr als dreimal so viele Herz-Kreislauf-Tote, Fischverzehr nach japanischem Standard bedeutet eine absolute Risiko-Reduktion von 90 auf unter 30 pro 100 000/Jahr.

Dr. med. Ralf Cüppers, 24943 Flensburg

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