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Die Erstellung der PRISCUS-Liste basierte auf internationalen Vorbildern ähnlicher Listen, die durch ausgewählte Experten aus dem deutschsprachigen Raum geprüft und ergänzt wurden. Für den Bereich der Schmerztherapie bedarf die Liste Korrekturen, von denen wir eine Auswahl präsentieren:

  • Die Assoziation von Pethidin mit einem erhöhten Frakturrisiko muss wohl auf einem Missverständnis einer epidemiologischen Studie aus Dänemark beruhen (1). Tatsächlich beschreiben die Autoren ein erhöhtes Frakturrisiko unter Einnahme von Codein, Fentanyl, Morphin, Methadon, Oxycodon und Tramadol, während dieser Effekt für Buprenorphin, Pethidin und die Kombination von ASS mit Codein nicht nachgewiesen wurde.
  • In der Schmerztherapie werden auch Antikonvulsiva und Antidepressiva in niedriger Dosis auf der Basis zahlreicher klinischer Studien eingesetzt. Dieser Indikationsbereich wurde bei der Darstellung nicht berücksichtigt.
  • Die Assoziation von Etoricoxib mit einem erhöhten Risiko einer Herzinsuffizienz bezieht sich auf eine post-hoc-Analyse der MEDAL-Studie (2). In dieser Analyse weisen die Autoren im Vergleich zu Diclofenac ein erhöhtes Risiko bei betagten Patienten jedoch nur dann nach, wenn eine hohe Dosierung von 90 mg/d verordnet wird. Dieser Zusammenhang ist für die übliche Dosierung von 60 mg/d nicht nachgewiesen. Vielmehr beurteilen Fosbøl et al. das Risiko von Diclofenac und Coxiben gleich (3).

Aus schmerztherapeutischer Sicht bestehen deshalb gravierende Bedenken gegen die undifferenzierte Übernahme der Empfehlungen aus der PRISCUS-Liste. Wir empfehlen, die Liste nur mit dem Hinweis zu verwenden, dass die darin angegeben Empfehlungen nicht für Patienten mit einer Indikation zur Behandlung von Schmerzen gelten.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0900a

Dr. med. Markus Gehling
Mönchebergstraße 41–43

34125 Kassel
E-Mail: gehling@klinikum-kassel.de

Interessenkonflikt

Der Autor gibt Verbindungen zu MSD, mundipharma, sanofi aventis und Metronic GmbH an.

1.
Vestergaard P, Rejnmark L, Mosekilde L: Fracture risk associated with the use of morphine and opiates. J Int Med 2006; 260: 76–87. MEDLINE
2.
Krum H, Curtis SP, Kaur A, et al.: Baseline factors associated with congestive heart failure in patients receiving etoricoxib or diclofenac. Eur J Heart Failure 2009; 11: 542–50. MEDLINE
3.
Fosbøl EL, Folke F, Jacobsen S, et al.: Cause-specific cardiovascular risk associated with nonsteroidal antiinflammatory drugs among healthy individuals. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2010; 3: 395–405. MEDLINE
4.
Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA: Potentially inappropriate medications in the elderly: The PRISCUS List. Dtsch Arztebl Int 2010; 107 (31–32): 543–51.
VOLLTEXT
1. Vestergaard P, Rejnmark L, Mosekilde L: Fracture risk associated with the use of morphine and opiates. J Int Med 2006; 260: 76–87. MEDLINE
2. Krum H, Curtis SP, Kaur A, et al.: Baseline factors associated with congestive heart failure in patients receiving etoricoxib or diclofenac. Eur J Heart Failure 2009; 11: 542–50. MEDLINE
3. Fosbøl EL, Folke F, Jacobsen S, et al.: Cause-specific cardiovascular risk associated with nonsteroidal antiinflammatory drugs among healthy individuals. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2010; 3: 395–405. MEDLINE
4.Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA: Potentially inappropriate medications in the elderly: The PRISCUS List. Dtsch Arztebl Int 2010; 107 (31–32): 543–51.
VOLLTEXT

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