SucheTrefferliste„Versteinerte Herzen“ für extreme Freizeitsportler bisher kein Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

„Versteinerte Herzen“ für extreme Freizeitsportler bisher kein Risiko

Freitag, 1. Februar 2019

/dpa

Dallas – Ist zu viel Sport gefährlich? Extreme Freizeitsportler wiesen in einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Cardiology (2019; doi: 10.1001/jamacardio.2018.4628) häufig vermehrte Kalkablagerungen in den Koronararterien auf, was jedoch nicht mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden war.

Die Zahl der gesunden jungen Menschen, die Extremsportarten wie Marathon oder Triathlon betreiben, hat in den letzten Jahren zugenommen. Viele gehen dabei an ihre körperlichen Grenzen, was nicht alle Kardiologen für gesund halten. Es gibt Berichte über einen Anstieg des Troponin, der einen Untergang von Herzmuskelzellen anzeigt, und des BNP („Brain natriuretic Peptide“), einem Marker für eine Volumenbelastung des Herzmuskels.

Anzeige

Besonders ominös ist ein Anstieg von Kalkablagerungen in den Koronargefäßen, die mittels einer Computertomografie gemessen werden können. Ein vermehrter Koronar­kalk gilt als Hinweis auf eine Koronarsklerose und ein Agatstonscore von mehr als 100 Einheiten (AU) wird zunehmend als Risikofaktor für einen späteren Herzinfarkt betrachtet.

Unter den 21.758 Männern im Alter über 40 Jahre, die im Zeitraum von 15 Jahren von der Cooper Clinic, einem privaten Institut zur Gesundheitsvorsorge in Dallas, betreut wurden, hatten die sportlichsten zu 11 % häufiger eine Koronarverkalkung von mehr als 100 AU als die weniger sportlichen (relatives Risiko 1,11; 95-%-Konfidenzintervall 1,03-1,20).

Diese Gruppe der sportlichsten Männer erreichten beim Joggen eine Leistung von 3.000 MET-Minuten pro Woche. Ein MET (Metabolische Einheit) entspricht dem Grundumsatz (10 Minuten Laufen mit 10 km/h entsprechen etwa 10 MET). 3.000 MET-Minuten pro Woche bedeuten also etwa 300 Minuten Joggen in der Woche oder etwa sechseinhalb Kilometer am Tag.

Warum es bei diesen Männern zu einer vermehrten Ablagerung von Koronarkalk kommt, ist unklar. Die Assoziation ist jedoch bereits in früheren Untersuchungen aufgefallen, weshalb den Extremsportlern bereits ein versteinertes Herz („heart of stone“) bescheinigt wurde. Ob die Blutpumpe dadurch allerdings schneller „bricht“, ist unklar. Ein Team um Benjamin Levine vom UT Southwestern Medical Center in Dallas, das die Daten der 21.758 männlichen Kunden der Cooper Clinic ausgewertet hat, fand keine Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit.

Nach einer mittleren Nachuntersuchungszeit von 10,4 Jahren sind in der Gesamtgruppe 759 Todesfälle aufgetreten, darunter waren 180 Herz-Kreislauf-Todesfälle. Auf die Teilnehmer mit mehr als 3.000 MET-Minuten pro Woche entfielen 40 Todesfälle (und zehn Herz-Kreislauf-Todesfälle).

In der Gruppe mit einer geringen Koronarverkalkung (weniger als 100 AU) war die Sterblichkeit der sportlichsten Männer (mehr als 3.000 MET-Minuten pro Woche) nur halb so hoch wie bei den weniger sportlichen Männern (weniger als 1.500 MET-Minuten pro Woche). Levine ermittelte eine Hazard Ratio von 0,52, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,29 bis 0,91 signifikant war.

In der Gruppe mit einer erhöhten Koronarverkalkung (100 AU oder mehr) war die Sterblichkeit der sportlichsten Männer um 23 Prozent niedriger. Die Hazard Ratio von 0,77 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,52 bis 1,15 jedoch nicht signifikant: Ihre Sterblichkeit könnte also um 48 % niedriger oder aber um 15 % erhöht sein. Wegen der geringen Fallzahl ist noch keine abschließende Bewertung möglich. Es ist auch vorstellbar, dass sich die negativen Auswirkungen der erhöhten Koronar­verkalkung erst nach einer längeren Nachbeobachtungszeit zeigen werden.

Interessanterweise war eine Koronarverkalkung von 100 AU in der Gruppe der am wenigsten sportlich aktiven Männer mit einer doppelt so hohen Sterblichkeit assoziiert (Hazard Ratio 1,93; 1,34-2,78). Dies führt zu der Vermutung, dass die Koronar­verkal­kung bei Sportlern eine andere Qualität haben könnte als bei Nichtsportlern. Sollte Sport zu einer stabileren Atherosklerose führen mit einer geringen Neigung zu endothelialen Läsionen? Klar ist, dass die Menschen nicht an dem Kalk in den Gefäßwänden und an der Verengung des Gefäßdurchmessers sterben. Der Auslöser für den Herzinfarkt ist in der Regel ein instabiler Plaque, der nach einer Ulzeration der Oberfläche eine arterielle Thrombose auslöst.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS