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Ärzteschaft

Patienten mit Herzunterstützungs­systemen rücken auf Warteliste nach hinten

Mittwoch, 27. März 2019

/dpa

Berlin – 700 schwer herzinsuffiziente Patienten warten in Deutschland derzeit auf ein Spenderherz. Viele überbrücken die Zeit mit einem Herzunterstützungssystem. Das bringt aber auch Probleme mit sich, wie die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie jetzt betonte. Die Herztransplantation bleibt aus ihrer Sicht weiterhin der Goldstandard in der Therapie.

Bei einer Herzinsuffizienz ist die Pumpfunktion des Herzens vermindert. Der Herzmuskel ist nicht mehr in der Lage, das Blut durch den Körper zu pumpen und die Organe mit genügend Sauer- und Nährstoffen zu versorgen. Steht ein passendes Spenderorgan nicht rechtzeitig zur Verfügung, kommen für ausge­wählte Patienten mit schwerster Herzinsuffi­zienz mechanische Herzunterstützungs­sys­teme zum Einsatz. Sie sollen entweder die Wartezeit bis zum geeigneten Spenderorgan überbrücken oder als Langzeittherapie die­nen, wenn eine Transplantation, zum Beispiel aufgrund einer Tumorerkrankung, nicht mehr als Therapieoption infrage kommt.

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„Diese Herzunterstützungssysteme sind bei akut oder chronisch herzinsuffizienten Patien­ten die einzige Möglichkeit, das Überleben kurz-, mittel- und vor allem auch längerfristig zu ermöglichen“, erläuterte Jan Gummert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

Insbesondere linksventrikuläre Unterstützungssysteme (LVAD), die die Pumpfunktion der linken Herzkammer unterstützen, haben in den zurückliegenden Jahren an Bedeutung gewonnen. 2018 wurden nach der DGTHG-Leistungsstatistik in Deutschland 903 LVAD implantiert. Mit diesem System leben nach zwei Jahren, je nach Risikoprofil und Alter, noch rund 60 bis 80 Prozent der Patienten.

Zwar hat sich die Lebensqualität der Patienten durch die relativ kleinen, nahezu geräuschlosen und leichten Medizingeräte seit 2004 laut Fachgesellschaft deutlich verbessert, dennoch sei weiterhin ein Stromkabel notwendig, das durch die Bauchdecke geleitet werde und das LVAD mit Strom versorge. Beim Einsatz der Systeme könne es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, etwa durch Infektionen oder Schlaganfälle.

„Weitere Verbesserungen der Pumpen sind dringend notwendig, um die Komplikations­raten zu senken und die Lebensqualität zu verbessern“, fordert der Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum.

Hinzu kommt: Patienten, die mit einer mechanischen Herzunterstützung oder einem Kunstherz versorgt sind, werden nicht mehr als „hochdringlich“ („high urgent“) auf der Patientenliste für eine Herztransplantation geführt, sondern mit dem Status „transplan­tierbar“. „Dies führt zu einer Chance, ein geeignetes Spenderherz transplantiert zu bekommen, von nur einem Prozent per annum“, berichtet der Herzchirurg.

De facto handele es sich in Deutschland für die meisten Patienten mit LVAD also um eine Dauertherapie. Erst wenn lebensbedrohliche Komplikationen aufträten, erhielten diese Patienten den Status „hochdringlich“ und warteten im Mittel vier Monate auf ein Spen­derorgan. Die DGTHG spricht sich daher wie auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie für die Widerspruchslösung bei der Organspende aus. Ziel ist, die Zahl der Spenderorgane deutlich zu erhöhen. © hil/aerzteblatt.de

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