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Ärzteschaft

Möglichkeiten zur Forschung mit anonymisierten Daten weiterhin zu begrenzt

Freitag, 25. September 2020

/adiruch na chiangmai, stockadobecom

Berlin – Schnittstellenprobleme und unterschiedliche Datenformate verhindern weiter­hin, dass Wissenschaftler die in verschiedenen Gesellschaftsbereichen erhobenen anony­misierten Daten miteinander verknüpfen können. Das bemängelt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Zwar würden in Deutschland umfangreiche Daten hoher Qualität routinemäßig gesamm­elt, so das Zi. Allerdings könnten diese überwiegend nicht zusammengeführt werden, um zum Beispiel den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Krankheiten und bestimm­ter Lebensumstände zu erkennen oder um Behandlungsverläufe für Patienten nachzuvoll­zie­h­en, die Leistungen in mehreren Einrichtungen erhalten haben.

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Daher seien die Daten für Forschungszwecke – und damit zur Optimierung der medizini­schen Versorgung – nur bedingt geeignet und eingeschränkt verfügbar.

Mit dem 2019 in Kraft getretenen Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und der daraus fol­genden Neufassung der Datentransparenzverordnung sollen die Routinedaten der gesetz­lichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) künftig für Forschungszwecke besser nutzbar gemacht werden.

„Dieser erste Schritt ist zwar wichtig, aber er greift deutlich zu kurz, da sich die Datennut­zung ausschließlich auf die GKV beschränkt. Was wir brauchen, ist ein größerer Datenum­fang und eine Zusammenführung unterschiedlicher Datengrundlagen, um fundierter for­schen zu können“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.

Für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sei es zum Beispiel von Bedeu­tung, die Effekte von Arzneimittelinnovationen und gesetzlichen Interventionen auf den Versorgungsalltag und das Versorgungsergebnis bewerten zu können.

Laut einer Studie, die der Gesundheitsökonom Reinhard Busse im Auftrag des Zi durchge­führt hat, ist die Situation an anderen Ländern für die Forschung deutlich günstiger, zum Beispiel in England, Australien, USA und Südkorea. Hier sei es zum Beispiel möglich, Ge­sundheitsdaten mit Regionaldaten personenbezogen zu verknüpfen.

„Der Blick auf andere Länder zeigt deutlich, was uns in Deutschland noch fehlt: Wir brau­chen eine datenschutzkonforme Erweiterung des Datentransparenzpools im Sinne eines verknüpfbaren Datenbestandes von Daten aller Sozialversicherungsträger, klinischer Da­ten, Registern oder elektronischen Patientenakten“, sagte von Stillfried. © hil/aerzteblatt.de

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penangexpag
am Sonntag, 27. September 2020, 13:57

Peinlich

Bereits in 80er Jahren war abzusehen, welche rasante Zunahme der Möglichkeiten der Datenerfassung in der Medizin sich abzeichnete. Zwar waren die Rechnerkonfigurationen noch sehr weit von den heutigen Möglichkeiten entfernt, aber die grundsätzlichen Methoden der Programmentwicklung waren bekannt.Es hätte keines sonderlichen Scharfsinns bedurft um zu erkenne, daß - jedenfalls im Bereich der medizinischen Daten - eine generalisierte Datenstruktur erforderlich sein würde. Dann hatte man jahrzehntelang Zeit, dies zu organisieren. An Hinweisen aus den Kreisen medizinisch-technischer Fachleute hat es nicht gefehlt. Die Industrie hat aus Konkurrenzdenken geblockt. Die Wissenschaft war sich nicht einig - und die Politik, die es hätte einfordern können,hat nichts begriffen.
Vermutlich gibt es kaum ein peinlicheres Versagen im"Innovationsstandort Deutschland" als dieses.
LNS

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