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Politik

Tonsillek­to­mien: Leitlinien nicht beachtet, Rückgang der Fallzahlen

Dienstag, 29. Dezember 2020

/picture alliance, Zoonar, Robert Kneschke

Berlin – Bei etwa der Hälfte der AOK-Versicherten, denen in den Jahren 2012 bis 2018 die Gaumenman­deln wegen einer „chronischen Tonsillitis“ operativ entfernt worden waren, ließ sich keine adäquate ambulante Vorbehandlung mit Antibiotika nachweisen.

Das hat eine jetzt veröffentlichte Auswertung der anonymisierten Daten von knapp 110.000 Tonsillek­to­mien ergeben, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mit Daten aus der ambulanten ärztli­chen Versorgung und mit Arzneiverordnungsdaten der betreffenden Patienten verknüpft hat. Die Ergeb­nisse der Auswertung sind in der Fachzeitschrift HNO (DOI: 10.1007/s00106-020-00944-8) veröffentlicht worden.

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Die Auswertung zeige, dass die konservative Therapie mit Antibiotika bei vielen Patienten nach wie vor nicht ausgeschöpft werde, obwohl die 2015 veröffentlichte Leitlinie zur Behandlung der Tonsillitis dies ausdrücklich vorsehe, sagte Christian Günster, Leiter des Bereichs Qualitäts- und Versorgungsforschung im WIdO.

So habe sich der Anteil der Patienten, die im Vorfeld der Operation gar nicht oder nur in einem Quartal mit Antibiotika behandelt worden seien, im Beobachtungszeitraum nur leicht von 50,4 Prozent im Jahr 2012 auf 44,9 Prozent im Jahr 2018 reduziert.

Ein hoher Anteil der Betroffenen sei zudem vor der OP gar nicht oder nur in einem Quartal wegen Hals­schmerzen ambulant behandelt worden. Dies betraf laut WIdO im Jahr 2012 etwa ein Viertel (26,6 Pro­zent) und 2018 immerhin noch ein Fünftel (21,0 Prozent) der Patienten.

Insgesamt deutlicher Fallzahlrückgang

Insgesamt ist den Daten zufolge im Beobachtungszeitraum von 2012 bis 2018 ein deutlicher Fallzahl­rückgang bei den Mandelentfernungen um 50,3 Prozent festzustellen. Nach der Veröffentlichung der Tonsillitisleitlinie im August 2015 habe sich diese Entwicklung weiter verstärkt. Junge Patienten unter zehn Jahren waren demnach am stärksten vom Rückgang der Fallzahlen betroffen.

„Das deutet darauf hin, dass die Leitlinie unter quantitativen Aspekten einen bereits vorbestehenden Trend etwas beschleunigt hat. Allerdings ließ sich in unserer Auswertung kein relevanter Einfluss der Leitlinie auf die ärztlichen Behandlungsmuster nachweisen“, sagte Jochen Windfuhr, Studienautor und Chefarzt der HNO-Klinik Mönchengladbach.

So habe eine Auswertung zum zeitlichen Abstand zwischen der Antibiotikatherapie wegen Halsschmer­zen und dem Operationstermin ergeben, dass sich die Versorgung zwischen 2014 und 2018 kaum ver­ändert habe. „Die Daten der ambulanten Vorbehandlung der Tonsillektomierten standen häufig im Wi­derspruch zu der Diagnose einer ‚chronischen‘ Mandelentzündung“, so Windfuhr. Laut Leitlinienempfeh­lung spielt der Eingriff als Therapieoption erst eine Rolle, wenn sich mindestens drei antibiotikumpflich­tige Mandelentzündungen in zwölf Monaten ereignet hatten.

Basis der Datenauswertung waren 115.839 Krankenhausfälle von AOK-Versicherten, bei denen von 2012 bis 2018 eine Mandelentfernung wegen chronischer Tonsillitis (ICD-10 J35.0) durchgeführt wurde. Davon konnten 109.895 Fälle über den Zeitraum vom Quartal, in dem die OP stattfand, bis zum vierten Quartal vor der Operation ausgewertet werden. Diese fünf Quartale wurden im Hinblick auf die Behandlung we­gen Halsschmerzen beziehungsweise mit Antibiotika therapierten Halsschmerzen betrachtet. © may/EB/aerzteblatt.de

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