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Medizin

Depressionen: Sildenafil lindert Nebenwirkungen von SSRI-Antidepressiva bei Frauen

Mittwoch, 23. Juli 2008

Albuquerque – Zu den Nebenwirkungen von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) gehören Libidostörungen der Frau, die sich unter einer Behandlung mit dem Phosphodiesterase-Inhibitor Sildenafil bessern könnten, wie eine randomisierte Studie im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2008; 300: 395-404) zeigt.

Störungen im Sexualleben zählen nicht unbedingt zu den Nebenwirkungen, die man von Medikamenten wie Fluoxetin erwartet, das in den USA (als Prozac®) teilweise im Ruf steht, ein „chemischer Glücksbringer” zu sein. Oder sollte ein erfülltes Sexualleben nicht zum Gücklichsein erforderlich sein? Die Fachinformationen weisen jedenfalls auf einige Störungen der Sexualfunktion unter der Einnahme von Fluoxetin (oder anderen SSRI) hin. Nach Angaben von George Nurnberg von der Universität von New Mexico in Albuquerque sollen sie bei 30 bis 70 Prozent der Männer und Frauen auftreten, die SSRI einnehmen, und der wesentliche Grund für die gerade zu Beginn der Therapie hohe Rate von Therapieabbrüchen sein. Wegen seines komplett anderen Wirkungsmechanismus dürfte Sildenafil diese Nebenwirkungen nicht verhindern können. Es könnte den betroffenen Männern und Frauen jedoch zu einem zufriedenstellenden Sexualkontakt verhelfen. Bei Männern darf Sildenafil zur Behandlung der erektilen Dysfunktion verordnet werden. Bei Frauen besteht dagegen keine Zulassung.

An der vom Hersteller Pfizer gesponserten Studien nahmen an sieben Zentren 98 sexuell aktive Frauen im Alter von durchschnittlich 37 Jahren teil, bei denen es unter der Einnahme von SSRI zu einer Remission der Major-Depression gekommen war, aber eben auch zu Störungen von Libido, Erregbarkeit und/oder der Orgasmusfähigkeit. Sie nahmen deshalb über einen Zeitraum von acht Wochen ungefähr ein bis zwei Stunden vor dem antizipierten Sexualkontakt eine „blaue” Tablette ein, die entweder das bekannte „Potenzmittel” oder ein Placebo enthielt.

Später füllten sie mehrere Fragebögen aus, in denen sie detailliert Auskunft über sexuelle Begierde, Erregung, Lubrikation, Orgasmus, sexuelles Vergnügen oder eventuelle Störungen gaben. Auch die Bewertung des Partners floss in die Scores ein, welche die sexuelle Befriedigung in nummerischen Werten beurteilen. In einer sieben Punkte umfassenden „Clinical Global Impression”-Skala zur Sexualfunktion kam es nach Einnahme von Sildenafil zu einer Verbesserung um 2,8 Punkte. Mit einer Verbesserung um 1,1 Punkte erzielte indes auch Placebo eine gewisse Effektivität.

Das Medikament wirkte allerdings nicht immer. 28 Prozent der Frauen verspürten keine Verbesserung. Placebo blieb bei 73 Prozent der Teilnehmerinnen ohne Wirkung. Insgesamt sind die Ergebnisse viel versprechend, findet Nurnberg, der in der Verordnung von Sildenafil ein Mittel sieht, die Therapieadhärenz zu SSRI bei jüngeren Frauen zu steigern. Ob dieser Endpunkt verbessert werden kann, müsste genau genommen erst noch in einer Studie gezeigt werden. Eine Erstattung von den Krankenkassen dürfte schwer zu erreichen sein, solange keine erweiterte Zulassung vorliegt. Für diese dürften, sofern der Hersteller eine Ausweitung der Indikation überhaupt anstrebt, weitere Studien erforderlich sein. Gegenstand wäre dann auch die Sicherheit des Medikaments.

Hinsichtlich der Verträglichkeit ist die Milderung der sexuellen Dysfunktion nicht zum „Nulltarif” zu haben. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen (43 Prozent vs. 24 Prozent im Placebo-Arm), aber auch Hitzewallungen (24 vs. 0 Prozent), Dyspepsie (12 vs. 0 Prozent) und vorübergehende Sehstörungen (14 Prozent vs. 2 Prozent) könnten die Freude am Sex stören, auch wenn in der Studie keine Frau wegen Nebenwirkungen das Medikament absetzte. © rme/aerzteblatt.de

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