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Medizin

Gendefekt in Homöobox erklärt Klumpfuß

Freitag, 24. Oktober 2008

St. Louis – Mutationen in einem Gen, das bei Wirbeltieren die Entwicklung der hinteren Extremität steuert, sind eine mögliche Ursache des Pes equinovarus, einer der häufigsten Fehlbildungen des menschlichen Skelettsystems. Dies zeigt eine genomweite Assoziationsstudie im American Journal of Human Genetics (2008; doi:10.1016/j.ajhg.2008.10.004).

Etwa eines von tausend Kindern kommt mit einer Einwärtsverdrehung (Supination) des Fußes zur Welt. Die Ursache ist unbekannt. Da nur in etwa jedem vierten Fall eine familiäre Häufung besteht, kommen neben genetischen auch andere Ursachen, etwa eine intrauterine Schädigung, infrage. Der jetzt gefundene Gendefekt schließt dies nicht aus (solange die Prävalenz der Genstörung nicht bekannt ist).

Gefunden wurde sie in einer Familie mit 13 betroffen  Mitgliedern. Bei einigen lagen noch weitere Störungen der unteren Extremität vor wie eine Hypoplasie der Patella (Unterentwicklung der Kniescheibe), Talus obliquus (Plattfuß), tibiale Hemimelie (Fehlen des Schienbeins auf einer Seite), Hüftdysplasien oder eine präaxiale Polydaktylie (sechste Zehe).

Der Pes equinovarus war bei diesen Patienten Teil eines Syndroms, was eine genetischen Schädigung nahelegt, weshalb Christina Gurnett von der Washington University School of Medicine in St. Louis die Familie auch für eine Studie auswählte, in der systematisch nach Gendefekten gefahndet wurde. Die Suche war erfolgreich, denn der gefunden Defekt auf dem Chromosom 5q31 befindet sich auf einem bekannten Gen, die Störung plausibel erklärt. 

PITX1 gehört zu den so genannten Homöobox-Genen. Das sind Transkriptionsfaktoren, die als übergeordnete Gene die Aktivität einer Vielzahl anderer Gene steuern. Homöobox-Gene gibt sich schon bei der Taufliege, wo Mutationen zur Bildung zusätzlicher Beine führen. PITX1 steuert bei Wirbeltieren die Entwicklung der hinteren Extremität. Ein Defekt führt bei Mäusen beispielsweise zu einer Verkürzung der Femurlänge oder zur Bildung von weniger Zehen an der rechten Pfote. Das passt gut zum Klumpfuß, der, ohne dass man dafür bisher eine Erklärung hatte, häufiger rechts als links auftritt.

Bis zum Verständnis der genauen Pathogenese des Pes equinovarus dürfte es zwar noch ein längerer Weg sein. Immerhin wissen die Forscher jetzt, dass die Störung (jedenfalls in einem Teil der Fälle) vom Knochen ausgeht und nicht, wie ebenfalls vermutet wird, die Folge einer Verkürzung von Muskeln oder Sehnen oder einer Nervenschädigung ist. © rme/aerzteblatt.de

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