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Medizin

Eculizumab für atypisches HUS zugelassen

Montag, 26. September 2011

Washington/London – Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat den Antikörper Eculizumab zur Behandlung des atypischen hämolytisch-urämischen Syndroms (aHUS) zugelassen. Bei der europäischen Arzneimittelagentur ist eine Vorentscheidung gefallen.

Bis zu diesem Sommer war Eculizumab nur in Expertenkreisen bekannt. Der monoklonale Antikörper ist als Soliris seit 2007 in den USA und Europa zur Behandlung der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH) zugelassen. Die PNH ist ausgesprochen selten. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf 2 bis 19 pro Millionen Einwohner geschätzt.

Ursache der PNH ist ein Gendefekt. Dadurch fehlt auf der Membran von Blutzellen ein Protein, das normalerweise den Angriff des Complement-Systems verhindert. Bei PNS zerstört das Complement-Systems regelmäßig die Erythrozyten. Eculizumab verhindert dies, indem es ein Complementprotein (C5) bindet und hemmt.

In diesem Sommer wurde Eculizumab dann auch als Therapieversuch bei Patienten eingesetzt, die nach dem Verzehr von Sprossen, die mit Shiga-toxin–produzierenden Escherichia coli (EHEC) kontaminiert waren, an einem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt sind.

Auch hier kam es zum Complementangriff auf Erythrozyten. Ob Eculizumab beim EHEC-HUS oder doch eher die Plasmapherese die Prognose der Patienten beeinflusst hat, ist derzeit noch Gegenstand wissenschaftlicher Auswertungen.

Dass Eculizumab beim HUS wirksam ist, haben Studien zu einer verwandten angeborenen Erkrankung gezeigt, die wie die PNH sehr selten ist. Das atypische hämolytisch-urämische Syndrom (aHUS) ist wie die PNH Folge eines Gendefekts. Wie bei der PNH kommt es zu einer unkontrollierten Complement-Aktivierung.

Die Folge ist eine thrombotische Mikroangiopathie, eine besonders schwere Variante des HUS: Es kommt zur Bildung von Blutgerinnseln in allen Blutgefäßen mit katastrophalen Schäden in Nieren, Gehirn, Herz oder anderen lebenswichtigen Organen. Mehr als die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb eines Jahres nach der Diagnose oder entwickelt ein Nierenversagen.

Wirksamkeit und Sicherheit von Soliris beim aHUS konnten aufgrund der Seltenheit nicht in großen randomisierten Studien untersucht werden. Die Evidenz basiert auf zwei einarmigen Studien (ohne Kontrollgruppe), in denen 37 Erwachsene und Heranwachsende behandelt wurden sowie auf retrospektiven Ergebnissen an 30 weiteren Patienten.

Die Therapie mit Soliris hat jeweils zu einer deutlichen Besserung der Nierenfunktion geführt, oft mit dem Wegfall der Dialysepflicht. Der monoklonale Antikörper war häufig auch bei Patienten wirksam, die auf eine Plasmabehandlung nicht angesprochen hatten, berichtet die FDA. Auch die Thrombozyten und andere Blutparameter hätten sich erholt.

Die neue Indikation, die in den USA ausgesprochen und in Europa durch ein positives Votum des Committee for Medicinal Products for Human Use der EMA vorbereitet wurde, umfasst ausdrücklich nicht die Anwendung beim Shiga-toxin assoziierten HUS. Beim Einsatz ist zu bedenken, dass Soliris nicht ohne Risiken ist.

Die FDA gibt als häufigste Nebenwirkung einen Anstieg des Blutdrucks, Diarrhö, Kopfschmerzen, Anämie, Übelkeit, Erbrechen, obere Atemwegs- sowie Harnwegsinfektionen an. Außerdem kann es zu einer Leukopenie kommen. Soliris erhöht außerdem die Anfälligkeit des Patienten für eine Meningokokkeninfektion.

In den USA ist die Anwendung an eine Risk Evaluation and Mitigation Strategy (REMS) gebunden, die das Bewusstsein von Therapeuten und Patienten über die Behandlungsrisiken schärfen soll. Die deutsche Fachinformation fordert, dass das Medikament nur von einer medizinischen Fachkraft und unter Aufsicht eines Arztes mit Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit hämatologischen Erkrankungen verabreicht werden soll. © rme/aerzteblatt.de

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