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Medizin

Nocebo-Effekte werden unterschätzt

Dienstag, 8. Juli 2014

Essen/Marburg/Tübingen – Strategien, um den negativen Einfluss von sogenannten Nocebo-Effekten auf die Wirksamkeit von medizinischen Behandlungen zu reduzieren, haben Wissenschaftler aus Essen, Marburg und Tübingen zusammengetragen. Sie berichten darüber im Journal of the American Medical Association (doi:10.1001/jama.2014.8342).

„Nocebo-Effekte“ bezeichnen den Einfluss von negativen Überzeugungen, negativen Vorerfahrungen oder Angst bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit von medizinischen Behandlungen. Die Beschwerden, die durch Nocebo-Effekte ausgelöst werden, lassen sich laut den Autoren im Körper nachweisen. „Auch wenn der Nocebo-Effekt neurowissenschaftlich nicht so gut erforscht ist wie sein positiver Zwilling – der Placebo-Effekt – weiß man, dass Nocebo-Effekte spezifische Korrelate im zentralen Nervensystem und im peripher-physiologischen System haben“, schreiben die Autoren um Ulrike Bingel.

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Nocebo-Effekte könnten verheerende Folgen für die Verträglichkeit und Wirksamkeit von medizinischen Behandlungen haben und dazu beitragen, dass Patienten indizierte und gegebenenfalls lebensverlängernde Therapien nicht fortführen. „Die erhebliche Bedeutung von Nocebo-Effekten für das Scheitern von medizinischen Behandlungen wird im klinischen Alltag unterschätzt“, so die Autoren.

„Ein erster wichtiger Schritt wäre es, das Bewusstsein zu schaffen, welchen starken Einfluss jeder Beteiligte im Gesundheitssystem auf die Entwicklung von Nocebo-Effekten hat“, so die Wissenschaftler. Für die Vermeidung von Nocebo-Effekten im klinischen Alltag spiele eine fundierte Kommunikationskompetenz der Behandler eine entscheidende Rolle. „Die Kommunikation zwischen Behandlern und Patienten ist ein mächtiges Instrument, um die psychologischen Triebfedern von Nocebo-Effekten, nämlich Erwartung- und Lernmechanismen, positiv zu beeinflussen“, so die Forscher.

Allerdings fänden Arzt-Patientenkontakte häufig im Minutentakt statt. „Das Ungleich­gewicht aus diagnostischen Möglichkeiten und dem ärztlichen Gespräch führt zu einer Schwächung des therapeutischen Bündnisses“, kritisieren die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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