Vermischtes

Über die Hälfte der Deutschen von Gesundheits­informationen überfordert

Freitag, 13. Mai 2016

Berlin – Über die Hälfte der Deutschen hat Probleme damit, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen. Das ergab eine Studie der Universität Bielefeld, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Zehn Prozent der Deutschen haben demnach eine unzu­reichende Gesundheitskompetenz, weitere 44 Prozent eine deutlich eingeschränkte. Doris Schaeffer, eine der Autorinnen der Studie, definierte Gesundheitskompetenz dabei als „die Motivation und die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen zu suchen, richtig zu verstehen, zu beurteilen und verwenden zu können, um ein angemessenes Gesundheitsverhalten zu entwickeln, sich bei Krankheiten die nötige Unterstützung durch das Gesundheitssystem zu sichern und die dazu nötigen Entscheidungen treffen zu können“.

Menschen mit einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz hätten beispielsweise große Schwierigkeiten dabei, Information einzuschätzen, etwa unterschiedliche Behandlungsoptionen zu beurteilen, Packungsbeilagen für Arzneimittel zu verstehen und zu bewerten oder zu entscheiden, wann eine ärztliche Zweitmeinung sinnvoll ist. Aber auch die Einschätzung von Gesundheitsinformation in den Medien stelle sie vor Probleme.

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Viele chronisch Kranke haben eine niedrige Gesundheitskompetenz
„Diese Menschen werden häufiger im Krankenhaus behandelt und sie nehmen häufiger den ärztlichen Notdienst in Anspruch“, erklärte Schaeffer. Zudem hätten sie häufiger einen schlechten subjektiven Gesundheitszustand. „Die Studie offenbart zugleich große soziale Unterschiede, denn bestimmte Bevölkerungsgruppen sind besonders oft betroffen“, so Schaeffer weiter. „Das gilt für Menschen mit niedrigem Bildungsgrad, niedrigem sozialen Status, Menschen mit Migrationshintergrund und für ältere Menschen.“

Überraschend sei der hohe Anteil an chronisch Erkrankten mit niedriger Gesundheits­kompetenz, weil bislang immer unterstellt worden sei, dass Erfahrungsakkumulation, wie sie durch die Krankheitssituation automatisch gegeben ist, zu Kompetenzgewinn und Expertise führe“, heißt es in der Studie. „Stattdessen schienen Irritation, Verunsicherung und empfundene Schwierigkeiten die Folge zu sein.

„Nationaler Aktionsplan für Gesundheitskompetenz“ angekündigt
„Das ist ein besorgniserregender Befund, denn wer nicht über diese Fähigkeiten verfügt, hat es äußerst schwer, sich im komplexen deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden“, sagte Schaeffer. Sie kündigte an, gemeinsam mit dem AOK-Bundesverband und der Hertie-School of Governance in den nächsten zwei Jahren eine Strategie zur Stärkung der Gesundheitskompetenz auszuarbeiten. „Wir brauchen ein abgestimmtes Maßnahmenkonzept, eben einen Nationalen Aktionsplan, der konkrete Handlungsimpulse setzt und nicht nur das Gesundheitswesen, sondern auch den Bildungssektor und die Forschung erreicht“, sagte Schaeffer. Schirmherr ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

„Die Ergebnisse der Studie müssen alle Verantwortlichen im Gesundheitswesen aufrütteln“, meinte Gröhe. „Der schnelle Zugang zu immer mehr Informationen im Internet ist dabei Chance und Herausforderung zugleich.“ Denn im Internet ließen sich neueste wissenschaftliche Forschungsergebnisse nicht immer leicht von werblichen Angeboten und interessengeleiteten Empfehlungen unterscheiden.

„Nötig sind unabhängige, wissenschaftlich belegte und leicht verständliche Gesundheits­informationen“, forderte der Minister. „Gerade das Arzt-Patienten-Gespräch ist entschei­dend, um Patienten die Diagnose und Behandlung verständlich zu erklären. Wir brauchen jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Krankenkassen, Apotheken, Pflege-, Verbraucher- und Selbsthilfeverbänden und Behörden, um das Gesundheitswissen in ganz Deutschland zu verbessern.“ Dazu müssten alle Verantwortlichen im Gesundheitswesen an einen Tisch. Der „Nationale Aktionsplan für Gesundheitskompetenz“ sei dafür ein wichtiger Baustein. © fos/aerzteblatt.de

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