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Medizin

Myasthenia gravis: Internationale Studie bestätigt Nutzen der Thymektomie

Donnerstag, 11. August 2016

Buffalo/New York – Eine frühzeitige komplette Entfernung des Thymus hat in einer internationalen randomisierten Studie die Symptome einer Myasthenia gravis deutlich verbessert und den Medikamentenbedarf der Patienten vermindert. Eine komplette Remission ist laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2016; 375: 511-522) jedoch nicht zu erwarten. Die Studie bestätigt den Wert einer seit 80 Jahren durchgeführten, in ihrer Wirkung jedoch kontrovers beurteilten Behandlung.

Mit einer Prävalenz von 1 zu 10.000 ist die Myasthenia gravis eine gar nicht so seltene Autoimmunerkrankung. Der Verlust von verfügbaren Acetylcholin-Rezeptoren auf den motorischen Endplatten führt zu einer belastungsabhängigen Muskelschwäche, die infolge von Seh-, Sprech- und Schluckstörungen und einer tagsüber zunehmenden Schwäche und Müdigkeit die Lebensqualität einschränkt.

Die Behandlung besteht derzeit aus der Gabe von Cholinesterasehemmern, Steroiden und Immunsuppressiva. Eine weitere Option ist die Thymektomie, also die operative Entfernung der Thymusdrüse, die den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann. Der Nutzen wurden zunächst bei Patienten mit Thymomen entdeckt, die häufig eine Myasthenia gravis auslösen, die sich nach der Thymektomie bessert. Der Nutzen bei den übrigen Patienten war, obwohl die Operation auch hier seit mehr als einem halben Jahrhundert eingesetzt wird, nicht genau bekannt.

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Das US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke hat deshalb eine Studie organisiert, an der sich 67 Zentren in 18 Ländern (in Deutschland: Düsseldorf, Mainz, Regensburg, Tübingen) beteiligten. 126 Patienten erfüllten die Voraussetzungen zur Teilnahme, zu denen ein Krankheitsverlauf von weniger als fünf Jahren, ein Stadium II bis IV nach einer Klassifikation der Myasthenia Gravis Foundation of America (auf einer Skala von I bis V) sowie die Behandlung mit Glukokortikoiden (aber keinen Immunsuppressiva) gehörten.

Dies waren strenge Kriterien, die nur die wenigsten der 6.958 gescreenten Patienten erfüllten. Dies erklärt die lange Rekrutierungsphase der MGTX-Studie (Thymectomy Trial in Non-Thymomatous Myasthenia Gravis Patients Receiving Prednisone Therapy), die bereits 2006 begonnen wurde und deren Ergebnisse Gil Wolfe von der Universität in Buffalo im US-Staat new York jetzt vorstellt.

Bei der Hälfte der Patienten wurde nach Eröffnung des Brustbeins eine Thymektomie vorgenommen. Dabei wurde in einem Stück das gesamten mediastinale Gewebe entfernt in der Hoffnung, dabei bei den im Mittel 33 Jahre alten Patienten das gesamte Thymusgewebe zu erfassen. Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung im „Quantitative Myasthenia Gravis“-Score, der die klinischen Symptome auf einer Skala von 0 bis 39 Punkten bewertet, wobei eine höhere Punktzahl einen höheren Schweregrad der Erkrankung anzeigt.

Die Patienten hatten zu Beginn der Studie (und unter der Behandlung mit Prednisolon) einen Score von etwa 12 Punkten. Er fiel unter der alleinigen medikamentösen Weiterbehandlung nach drei Jahren auf 8,99 Punkte, während es nach der Operation (und der Weiterbehandlung mit Prednisolon) zu einem Abfall des Scores auf 6,15 Punkte kam, was einem Unterschied von 2,84 Punkten entspricht.

Gleichzeitig konnten die thymektomierten Patienten ihre durchschnittliche tägliche Prednisolon-Dosis auf 44 mg gegenüber 60 mg in der Vergleichsgruppe senken. Es benötigten auch weniger Patienten eine Immunsuppression mit Azathioprin (17 versus 48 Prozent) und es mussten weniger Patienten wegen einer Exazerbation der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden (9 versus 37 Prozent). 

Eine Ausheilung der Autoimmunerkrankung darf von der Operation nicht erwartet werden, doch der Anteil der Patienten, die unter der medikamentösen Weiterbe­handlung einen Status mit minimalen Krankheitszeichen erreichte, war mit 67 Prozent gegenüber 47 Prozent in der Vergleichsgruppe doch deutlich höher. Das Fazit der Autoren fällt insgesamt positiv aus, zumal die Komplikationen der Operation gering sind und den Patienten die Nebenwirkungen der Medikamente zum Teil erspart bleiben. © rme/aerzteblatt.de

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