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Medizin

Chronisch myeloische Leukämie: Früher tödlich, heute chronisch

Sonntag, 24. September 2017

Blutbild bei chronisch myeloischer Leukämie in einer späten Phase, der Blastenkrise: Unreife myeloische oder lymphatische Blutzellen teilen sich übermäßig in Blut und Knochenmark. /CDC Stacy Howard
Blutbild bei chronisch myeloischer Leukämie in einer späten Phase, der Blastenkrise: Unreife myeloische oder lymphatische Blutzellen teilen sich übermäßig in Blut und Knochenmark. /CDC Stacy Howard

Berlin – Vor dem Jahr 2001 endete die chronisch myeloische Leukämie (CML) für die Hälfte der Patienten tödlich. Heute leben mehr als 80 Prozent der Betroffenen noch zehn Jahre nach der Diagnose und länger. Ihre Lebenserwartung sei vergleichbar mit der der Allgemeinbevölkerung, sagte Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) in Berlin anlässlich des Welttags der CML.

Der medizinische Fortschritt ist vor allem den um die Jahrtausendwende neu entwickelten Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) zu verdanken. Nach präklinischen Untersuchungen wurde Imatinib als erster Hemmer der BCR-ABL-Tyrosinkinase-Aktivität ausgewählt und mit seiner Zulassung im Jahre 2001 ein Durchbruch in der Therapie der CML erzielt, erklärte der Vorstand der Deutschen CML-Allianz Andreas Hochhaus aus Jena. Zurzeit würden fünf TKI bei CML-Patienten nach Therapieziel, Resistenzspektrum und Begleiterkrankungen eingesetzt.

Chronische Myeloische Leukämie: Immunsystem hält die Remission stabil

Das Überleben des Patienten ist primäres Ziel der Therapie, aber das Erhalten einer tiefen Remission auch ohne Medikamente wird eine neue Perspektive. Prädiktiv für den Erfolg solcher Absetzstrategien könnten verschiedene Immunparameter sein. Krebsmedikamente lassen sich häufig nicht so hoch dosieren, dass sie auch die letzte Tumor- oder maligne Stammzelle eradizieren könnten. Es bedarf nach

Während bis vor wenigen Jahren die größte Sorge der Patienten noch war, ob und wie lange sie überleben, stünde heute eine andere Frage im Mittelpunkt, erklärt Peter Gomolzig, Vorsitzender der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe (DLH): „Wie werde ich das überleben?“ „Dabei rücken Nebenwirkungen, Langzeitfolgen und Lebensqualität – unter gegebenenfalls lebenslanger Medikation – in den Vor­der­grund.“ Die jährliche Mortalität beträgt etwa 1,7 Prozent.

Absetzen der Medikamente möglich

Forscher diskutieren aktuell unter anderem die Behandlungsdauer bei gutem Ansprechen, die Verbesserung der Therapietreue, die Persistenz einer minimalen Resterkrankung bei den meisten Patienten sowie den Stellenwert von Kombinations­therapien (unter anderem STIM, TWISTER, EURO-SKI). „Die EURO-SKI-Studie zeigt uns, dass ein kontrolliertes Absetzen des TKI nach mindestens drei Jahren Therapie und einem Jahr nachgewiesener tiefer molekularer Remission bei engmaschigem Monito­ring grundsätzlich möglich ist“, sagte Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO.

Werde dann im Rahmen der notwendigen engmaschigen Kontrolle innerhalb der therapiefreien Remission ein molekulares Rezidiv festgestellt, sei die erneute Gabe von TKI angezeigt. Dabei habe laut Wörmann die STIM-Studie gezeigt, dass alle Patienten mit einem molekularen Rezidiv auf die wiederholte Gabe des TKI angespro­chen hätten.

CML als Modellerkrankung in der Hämatologie und Onkologie

Die modernen Arzneimittel greifen dezidiert in die molekulargenetisch determinierten Prozesse ein, die beispielsweise den hämatologischen Neoplasien und damit auch der chronischen myeloischen Leukämie zugrunde liegen. „Dabei ist das Besondere an der CML, dass sie gewissermaßen ein Modell darstellt, anhand dessen erstmals die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf molekularer Ebene in den klinischen Alltag gezeigt und damit in die konkrete Behandlungssituation von Patienten gebracht werden konnte“, sagte Hochhaus.

Zwar lasse sich das Erfolgsmodell CML nicht ohne Weiteres auf andere Blutkrebs­erkrankungen oder solide Tumoren übertragen. Die medizinischen Erfolge im Sinne einer deutlichen Verlängerung der Lebenszeit machten aber zentrale Heraus­forderungen deutlich, berichtete Jan Geißler, Vorsitzender von Leukaemie-Online.de –LeukaNET. Eine Krebserkrankung – und damit auch die CML – bleibe ein tiefgreifender Einschnitt in die gesamte Lebenssituation und ende ohne konsequente Therapie tödlich.

Risiko der Unterschätzung steigt

Auch Gomolzig betont: Gut therapierbar bedeute nicht automatisch ungefährlich. Er beobachtet, dass das Risiko steigt, die Erkrankung zu unterschätzen. So wachse bei
einigen Patienten die Versuchung, eine Behandlung mit vermeintlich „sanfteren“, aber ungeeigneten Methoden in Erwägung zu ziehen.

Auf internationaler Ebene findet seit 2011 jährlich am 22. September der Welt-CML-Tag statt. Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, die Deutsche CML-Allianz, Leukaemie-Online.de – LeukaNET, die Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe und der „Elternverein für Kinder mit CML“ nehmen den Tag zum Anlass, den aktuellen Stand der CML-Therapie darzustellen und auf die anstehenden Herausforderungen aufmerksam zu machen. © gie/aerzteblatt.de

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