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Politik

Herz-Kreislauf-Erkran­kungen verursachen die höchsten Ausgaben

Freitag, 29. September 2017

/Kzenon, stock.adobe.com

Berlin – Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen unter den verschiedenen Krankheiten die höchsten Ausgaben. Die dadurch entstandenen Krankheitskosten lagen 2015 in Deutschland bei 46,4 Milliarden Euro. Damit entfielen rund 13,7 Prozent der gesamten Krankheitskosten in Höhe von 338,2 Milliarden Euro auf diese Krank­heitsgruppe, dicht gefolgt von psychischen Erkrankungen und Verhaltens­störungen mit 44,4 Milliarden Euro und einem Anteil von 13,1 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) bekanntgegeben.

Die dritthöchsten Kosten verursachten Krankheiten des Verdauungssystems, die mit 41,6 Milliarden Euro überwiegend von den Kosten für zahnärztliche Leistungen und Zahnersatz bestimmt wurden, die statistisch zu dieser Krankheitskategorie gezählt werden. An vierter Stelle folgten Muskel-Skelett-Erkrankungen mit einem Betrag von 34,2 Milliarden Euro. Damit war den Statistikern zufolge rund die Hälfte der Kosten auf vier Krankheitsklassen zurückzuführen.

Ausgaben von 4.140 Euro pro Kopf

Die Krankheitskosten pro Kopf der Bevölkerung lagen durchschnittlich bei 4.140 Euro. Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren bei Männern mit 600 Euro pro Kopf mit höheren Kosten verbunden als bei Frauen (540 Euro), ein umgekehrtes Bild zeigte sich bei Krankheiten der Psyche und Verhaltensstörungen.

Hier lagen die Krankheitskosten pro Kopf bei Frauen mit 670 Euro rund 1,6-mal so hoch wie bei Männern (420 Euro). Mit fortschreitendem Alter nahmen die Krankheits­kosten deutlich zu. Etwa die Hälfte entstand allein bei der Bevölkerung ab 65 Jahren. In der Altersgruppe 15 bis 29 Jahre fielen mit 1.670 Euro die geringsten Pro-Kopf-Kosten an, die höchsten entstanden bei den 85-Jährigen und Älteren mit 19.790 Euro, die damit 4,8-mal so hoch wie der Durchschnitt waren.

Die Krankheitskostenrechnung schätzt die ökonomischen Folgen von Krankheiten für die deutsche Volkswirtschaft ab. Zu den Kosten zählen die unmittelbar mit einer medizinischen Heilbehandlung, Präventions-, Rehabilitations- oder Pflegemaßnahme verbundenen Ausgaben.

Für Anja Neumann vom Lehrstuhl für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen enthält die Krankheitskostenrechnung „wichtige Infos für Entscheider im Gesundheitswesen“. Man könne sehen, „wo Bedarf besteht“ und wo man vielleicht angreifen kann, etwa indem man die Ausgaben für Forschung erhöht. Nicht sehen könne man, welche Maßnahmen welchen Effekt haben. Will man die Kosten für bestimmte medizinische Maßnahmen wie Medikamente oder Operationsverfahren zu ihrem Nutzen in Beziehung setzen, muss man auf andere Formen der Daten und Datenerhebungen zurückgreifen.

Für den GKV-Spitzenverband sind die Daten dennoch „eine wichtige Ergänzung“, wie GKV-Sprecherin Ann Marini sagte. Die Erkenntnis, Krankheiten getrennt nach Geschlech­­tern zu betrachten, stecke zum Beispiel noch in den Kinderschuhen. Dass psychische Krankheiten enorme Kosten verursachen, hätten die Kassen hingegen seit langem auf dem Schirm. Besonders wichtig ist aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes das Thema Prävention. „Da kann man gar nicht genug tun“, so Marini. Die Kassen inves­tierten mehr als gesetzlich vorgeschrieben in Programme, die den Menschen helfen, sich gesund zu ernähren, viel zu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören und zu lernen, mit Stress umzugehen. © may/dpa/aerzteblatt.de

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