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Medizin

Kratom: FDA warnt nach Todesfällen vor opioidhaltiger Pflanze

Donnerstag, 16. November 2017

Kratom-Kapseln /dpa

Silver Spring/Maryland – Mehrere Todesfälle nach dem Konsum von Kratom, einem in Südostasien verbreiteten Naturheilmittel zur Schmerzbehandlung, veranlassen die US-Arzneimittelbehörde FDA zu einer Warnung. Das Mittel, das opioidähnliche Substanzen enthalten soll, wird zunehmend an den Grenzen beschlagnahmt. Die Drogenbehörde DEA plant ein Verbot.

Der Kratombaum (Mitragyna speciosa Korth., Rubiaceae) kommt in Thailand, Malaysia, Indonesien und Papua-Neuguinea vor. Seine Blätter werden von der dortigen Bevölke­rung seit Längerem als Schmerzmittel eingesetzt. In geringen Mengen soll Kratom eine anregende Wirkung haben, in höheren Dosierungen soll es eher sedativ-anästhetische Effekte haben. In der traditionellen Medizin der Länder wird es auch als Opiumersatz eingesetzt.

Seit einigen Jahren erfreut sich das Mittel in den USA einer steigenden Beliebtheit. Es soll dort häufig von Opiatabhängigen zur Substitution eingesetzt werden. Dies ist der Drogenbehörde DEA nicht entgangen. Dort zählt man Kratom zu den „bedenklichen Substanzen“, die als Droge verboten werden sollten. Die DEA möchte die Opioide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin als „Schedule I“-Droge klassifizieren. Das ist die höchste Verbotsstufe für Drogen mit hohem Abhängigkeitspotenzial, aber ohne medizinischen Nutzen. Die DEA hat die FDA beauftragt, den möglichen Nutzen zu prüfen.

Da es keinerlei klinische Studien zum Einsatz von Kratom zu geben scheint, könnte die Prüfung der FDA negativ ausfallen. Eine Einstufung als „Schedule I“-Droge hätte allerdings zur Folge, dass das Mittel kaum noch für klinische Studien beschafft werden könnte.

Soweit ist es noch nicht gekommen. Kratom ist in den USA noch keine illegale Droge. Die FDA hat jedoch die Zollbehörden aufgefordert, Importe zu stoppen und das Mittel zu beschlagnahmen. Als Begründung werden 36 Todesfälle genannt, zu denen es nach dem Konsum von Kratom gekommen sein soll. Allerdings scheint im Einzelfall nicht ganz sicher zu sein, ob Kratom oder die Beimengung von anderen Opioiden wie Hydro­codon für die Todesfälle verantwortlich war. Die Einnahme von Kratom wird auch mit schweren Nebenwirkungen wie Krampfanfällen, Leberschäden und Entzugserschei­nungen in Verbindung gebracht.

In den USA hat sich in der American Kratom Association bereits ein Verein gebildet, der ein Verbot verhindern möchte. Die Lobbyarbeit scheint nicht vergeblich zu sein: 51 Abgeordnete des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten haben in einem Brief gegen die Pläne der DEA protestiert und ein Verbot vorerst abgewendet. An mehreren US-Universitäten soll es Forschungsprojekte zum Einsatz von Kratom als Schmerz­mittel geben.

Die FDA weist allerdings darauf hin, dass Kratom bereits in 16 Ländern, darunter Thailand und Malaysia, verboten ist. Die Behörde befürchtet, dass nach der Opioidkrise eine neue Drogenwelle auf das Land zukommt. Angesichts der Todesfälle warnt sie Drogenabhängige davor, Kratom in Eigeninitiative zur Substitutionsbehandlung einzusetzen, da es keinerlei Daten zur Effektivität gebe. © rme/aerzteblatt.de

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Practicus
am Dienstag, 21. November 2017, 21:30

Ein Verbot von Kratom

wäre ohne Zweifel kontraproduktiv! Kratom wird von Opiatabhängigen als Entzugsmittel genutzt. Gerade in den USA mit ihrem berüchtigten Gesundhetssystem bietet der Stoff Süchtigen die Möglichkeit, ohne finanziellen Ruin einen Entzug durchzuführen - ein Zweck, für den Kratom auch hierzulande oft eingesetzt wird, wenn Menschen ohne "outing" als suchtkrank "abkicken" wollen - ein Blick in die einschlägigen Foren genügt, um diesen Hauptverwendungszweck nachvollziehen zu können.