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Medizin

Orale Kontrazeptiva und Suizid

Freitag, 24. November 2017

/Sven Bhren, stock.adobe.com

Kopenhagen – Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption betreiben, haben einer bevölkerungsbasierten Studie im American Journal of Psychiatry (2017; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.17060616) zufolge ein erhöhtes Suizidrisiko. Besonders gefährdet waren jüngere Frauen in den ersten Monaten nach Beginn der Kontrazeption.

Die zur hormonellem Kontrazeption eingesetzten Östrogene und Gestagene beeinflussen das Gemüt. Vor allem den Gestagenen wird dabei eine Förderung von Depressionen nachgesagt. Im letzten Jahr hatte ein Team um Øjvind Lidegaard vom Rigshospitalet in Kopenhagen herausgefunden, dass jungen Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption durchführen, häufiger Antidepressiva verschrieben bekamen. Sie wurden auch häufiger in psychiatrischen Kliniken wegen einer Depression behandelt. Am meisten gefährdet waren jüngere Frauen, und der Einsatz von Gestagen-haltigen Kontrazeptiva scheint ein etwas höheres Risiko zu bergen. 

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Jetzt hat das Team die Untersuchung mit dem Endpunkt Suizidalität wiederholt. Die Studie umfasst beinahe eine halbe Million Däninnen im mittleren Alter von 21 Jahren, die über einen Zeitraum von 8,3 Jahren beobachtet wurden. In dieser Zeit kam es zu 6.999 Suizidversuchen und 71 vollendeten Suiziden. 

Im Vergleich zu Frauen, die im Untersuchungszeitraum niemals hormonelle Kontrazeptiva angewendet haben, kam es bei den Anwenderinnen 1,97-fach (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,85-2,10) häufiger zu einen Suizidversuch und 3,08-fach (1,34-7,08) häufiger zu einem vollendeten Suizid. Die stärkste Assoziation bestand zwei Monate nach Beginn der Kontrazeption.

Für Frauen, die eine Antibabypille mit einer Kombination aus Östrogenen und Gesta­genen einnahmen, ermittelt Lidegaard ein relatives Risiko von 1,91 (1,79-2,03). Bei Monopräparaten mit Progestin stieg es auf 2,29 (1,77-2,95), und Vaginal-Ringe, die in der Regel ein Gestagen abgeben, waren mit einem 2,58-fachen Risiko (2,06-3,22) assoziiert. Anwenderinnen von Kontrazeptiv-Pflastern (ebenfalls ein Gestagen-Produkt) hatten sogar ein 3,28-fach (2,08-5,16) erhöhtes Risiko.

Wie bei jeder epidemiologischen Studie lassen sich Verzerrungen nicht ausschließen. Eine reverse Kausalität, die darauf beruhen könnte, dass Ärzte jungen Patientinnen mit depressiven Störungen eher zu einer hormonellen Kontrazeption raten, erscheint Lidegaard unwahrscheinlich, zumal die meisten Präparate depressive Verstimmungen als Nebenwirkung erwähnen. © rme/aerzteblatt.de

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