SucheTrefferlisteSchlafapnoe und Schlafmangel sind in den USA für fast jeden fünften Autounfall verantwortlich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schlafapnoe und Schlafmangel sind in den USA für fast jeden fünften Autounfall verantwortlich

Dienstag, 10. April 2018

Ein Mann faehrt am 27.06.2016 in Hamburg muede in seinem Auto. Foto: Christin Klose /dpa
/dpa

Boston – Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom verunglücken häufiger als andere Menschen im Straßenverkehr. Auch eine Schlafdauer von weniger als 7 Stunden war in einer Studie in BMC Medicine mit vermehrten Autounfällen assoziiert (2018; doi: 10.1186/s12916-018-1025-7). Beide Faktoren könnten in den USA 19 % aller Unfälle erklären.

Eine Folge der Adipositas-Epidemie ist die Zunahme von Schlafstörungen. In den USA leiden nach aktuellen Schätzungen 17 % der Frauen und 34 % der Männer zwischen 30 und 70 Jahren unter einer Schlafapnoe, wobei 5 % beziehungsweise 14 % sowohl eine Schlafapnoe als auch eine übermäßige Schläfrigkeit aufweisen.

Die Schläfrigkeit setzt die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr herab, weshalb ein unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom das Unfallrisiko erhöht. Die Gefahr wird von den meisten Autofahrern unterschätzt. Aufgrund seiner hohen Prävalenz könnte das Schlafapnoe-Syndrom jedoch einen hohen Anteil an allen Verkehrsunfällen haben.

Anzeige

Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) gibt die Zahl der „Schlafaussetzer“ pro Stunde an. Der AHI steigt mit dem Schweregrad des Schlafapnoe-Syndroms.

Daniel Gottlieb vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat für die USA die Daten der Sleep Heart Health Study ausgewertet, die derzeit 1.745 Männer und 1.456 Frauen im Alter zwischen 40 und 89 Jahren begleitet. Bei allen Teilnehmern wurde in einer häuslichen Polysomnographie der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt, der ein Maß für den Schweregrad des Schlafapnoe-Syndroms ist.

Schon eine leichte Schlafapnoe erhöht das Unfallrisiko

Auf den ersten Blick waren die durchschnittlichen AHI-Werte der 222 Teilnehmer, die in einem Fragebogen angegeben hatten, in den letzten 2 Jahren als Fahrer in einen Autounfall verwickelt gewesen zu sein, nicht viel höher als bei den 2.979 Teilnehmern, die unfallfrei geblieben waren (5,5 versus 4,3). Gottlieb ermittelt eine Odds Ratio von 1,15 (95-%-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,26) für jeden Anstieg des AHI um 10 Einheiten. 

Im Vergleich zu Teilnehmern ohne Schlafapnoe (AHI < 5) hatten die Patienten mit leichter Schlafapnoe (AHI 5 bis 14,9) ein um 7 % erhöhtes Unfallrisiko. Bei einer mäßigen Schlafapnoe (AHI 15 bis 29,9) war es um 13 % erhöht. Nur für die Teilnehmer mit schwerer Schlafapnoe (AHI ≥ 30) ermittelt Gottlieb ein deutlich um 123 % erhöhtes Risiko.

Da jedoch jede 6. Frau und jeder 3. Mann unter Schlafapnoe leiden, beträgt das attributable Risiko für die Bevölkerung 10 %. Dies bedeutet, dass es 10 % weniger Unfälle gäbe, wenn niemand unter einer Schlafapnoe leiden würde. Laut der Studie erhöhte das Schlafapnoe-Syndrom das Unfallrisiko unabhängig davon, ob die Patienten über eine vermehrte Tagesschläfrigkeit geklagt hatten oder nicht. 

Schlafmangel erhöht Unfallrisiko

Auch Schlafmangel ist in den USA weit verbreitet. Schätzungsweise 25 bis 30 % der US-Erwachsenen schlafen 6 oder weniger Stunden pro Nacht. Der Schlafmangel ist ein Risikofaktor für Adipositas, Hypertonie, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit – und für Verkehrsunfälle.

Nach der Analyse von Gottlieb steigt mit jeder fehlenden Stunde Schlaf in der Nacht das Unfallrisiko um 13 %. Bei den Personen, die sich trotz Schlafdefizit wach fühlen, steigt das Unfallrisiko sogar um 22 %.

Verglichen mit Personen, die 7 oder 8 Stunden pro Nacht schlafen, waren diejenigen, die nur 6 Stunden pro Nacht schliefen, zu 33 % häufiger in Autounfälle verwickelt. Bei 5 oder noch weniger Stunden Schlaf pro Nacht stieg das Risiko um 47 %. Da zu viele Menschen zu wenig Schlaf bekommen, beträgt das attributable Risiko für die Bevölkerung nach den Berechnungen von Gottlieb 9 %.

Beide Schlafstörungen zusammen könnten demnach in den USA für fast jeden 5. Verkehrsunfall verantwortlich sein. Die Zahlen sind nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar, da sich die Prävalenz von Schlafapnoe und Schlafstörungen zwischen beiden Ländern unterscheiden. Es ist auch denkbar, dass die Odds Ratios anders sind, da sich die Verkehrsregeln und -dichte und damit die kognitiven Anforderungen beim Autofahren unterscheiden.

Experten der Deutschen Diabetes-Gesellschaft gehen davon aus, dass Schlafapnoe das Unfallrisiko hierzulande um 200 % steigert, wie sie kürzlich bei der Vorstellung einer neuen Leitlinie zur Fahrtauglichkeit bei Diabetes berichteten.

Erstmals bewertet eine Leitlinie die Fahrtauglichkeit bei Diabetes in Europa

Berlin – Mit der neuen S2e-Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ legt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) erstmals eine wissenschaftlich fundierte Bewertung der Fahrtauglichkeit bei Diabetes vor. Die Leitlinie gibt nicht nur Patienten, Ärzten, Psychologen und Diabetesberatern klare Handlungsempfehlungen. Auch Verkehrsmediziner, Behörden und Versicherungsfachleute können sich daran (...)

© rme/aerzteblatt.de
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

integra
am Samstag, 28. April 2018, 10:10

Schlafapnoe und Unfallrisiko - Studien in Europa fehlen

Wir von der Selbsthilfe Schlafapnoe wissen von der Gefährdung durch Sekundenschlaf, den viele von uns (über)erlebt haben.
Leider fehlen uns Studien zu Unfällen, wo Schlafapnoe die Ursache war.(Auch Abbruch der Schlafapnoe-Therapie wg. Maskenproblemen oder lange Wartezeiten bis zum Therapie-Anfang sind ein großes Problem für die Betroffenen)
Auch ist die Häufigkeit der Schlafapnoe in der neuen Hypnolaus-Studie von Prof. Heinzer neu definiert. Der NOSAS Score ist eine neue Risiko-Einschätzung für Schlafapnoe(OSA)
Oft wird OSA und OSAS verwechselt - nicht nur von Laien!
Josef Hoza
Obmann Patientenorganisation Schlafapnoe
www.schlafapnoe-shg.at