SucheTrefferlisteMaschinelle Durchblutung könnte Lebertransplantation verbessern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Maschinelle Durchblutung könnte Lebertransplantation verbessern

Donnerstag, 19. April 2018

Perfusionsgerät zur Konservierung von Transplantationsorganen /OrganOx

Essen/Oxford – Ein Perfusionsgerät soll für weniger Schäden bei Spenderorganen und eine längere Haltbarkeit sorgen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Kühlungsmethode konserviert die maschinelle Technik (normothermic machine perfusion, NMP) das Organ bei Körpertemparatur. In einer ersten randomisiert multizentrischen kontrollierten Studie in Nature mit 220 Lebertransplantaten hat ein europäisches Forscherteam beide Methoden verglichen (2018; doi: 10.1038/s41586-018-0047-9). Beteiligt an der Studie war auch einer der Firmenmitbegründer, die das Gerät herstellen. Vergleiche mit anderen Perfusionstechniken liegen bisher noch nicht vor.

Bei der maschinellen Technik wird die dem Spender entnommene Leber in einem Gerät an einen künstlichen Blutkreislauf angeschlossen, in dem Blut aus passenden Konserven zirkuliert. Das geschieht bei Körpertemperatur und bei ähnlichen Bedingungen, wie sie im menschlichen Körper herrschen.

Anzeige

Die Studie stammt vom Consortium for Organ Preservation in Europe (COPE), einem europäischen Forschungszusammenschluss, an dem unter anderen auch das Universitätsklinikum Essen mitwirkt. 

In der Studie stellten die Forscher die herkömmliche kalte Lagerung von Spenderlebern von durchschnittlich 7,8 Stunden der Perfusionstechnik gegenüber. Bei der neuen Methode wurde die Spenderleber zunächst zwei Stunden kalt gelagert und anschließend normotherm für durchschnittlich neun Stunden mit Blut perfundiert. Nach der Randomisierung wurde ein großer Anteil an Lebern aussortiert und nicht transplantiert. Die Drop-out-Rate betrug in der Perfusionsgruppe 29 % und in der Kontrollgruppe 38 %, was die Autoren als Erfolg für die Perfusionsgruppe werten.

Patienten- und Transplantat-Überleben nach einem Jahr lagen im Perfusionsarm und im Kontrollarm jeweils bei 95 % und 96 %. Die klinischen Parameter Intensivaufenthaltsdauer, Kranken­haus­auf­enthaltsdauer, Nierenersatztherapie und Gallengangskomplikationen nach Transplantation waren identisch. Transplantatschäden haben die Forscher im Blutserum der Organempfänger anhand von Aspartat-Aminotransferase (AST) gemessen. Der Unterschied lag beim Höchstwert des leberspezifischen Enzyms bei 476 U/1 AST. Damit konnte die geringere Schädigung der zu transplantierenden Leber während der NMP im Vergleich zur kalten Lagerung bestätigt werden, sagte der Chirurg Peter Schemmer, Leiter der klinischen Abteilung Transplantationschirurgie an der Medizinischen Universität Graz.

Behandlung von Spenderlungen: Maschinenperfusion ermöglicht längere Ischämiezeit

Die Zeit zwischen Ex- und Implantation eines Organs ist ein kritischer Parameter bei Organtransplantationen: Die Ischämiezeit kann das Gewebe schädigen und die Organfunktion beinträchtigen. Andererseits kann eine gute Charakterisierung des Spenderorgans und optimale Auswahl und Vorbereitung des Empfängers das Gesamtergebnis verbessern, so dass der Faktor Zeit vor allem für überregionale ...

In besonderer Weise könnten Lebern von Spendern profitieren, die nach primärem Herzstillstand für Hirntod erklärt wurden (declared death by cardiopulmonary criteria; DCD), kommentierte Schemmer die Studie. Diese Form der Organspende ist in mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, gesetzlich verboten. Es sind ausschließlich die Spender mit primärem Hirnfunktionsausfall, sowie Lebendspender zur Organspende und anschließender Transplantation zugelassen.

Inwieweit eine normotherme Perfusion statt einer kalten Lagerung tatsächlich die Rate an verwendbaren Lebern erhöht, kann daher aus dieser Studie nicht abgeleitet werden. Philipp Dutkowski, Universitätsspital Zürich

Hohe Drop-out-Rate in beiden Gruppen

Nicht nachvollziehen kann Philipp Dutkowski vom Universitätsspital Zürich die Bewertung der Autoren zur Drop-out-Rate. Ablehnungsraten von Lebern vor Transplantationen seien sehr unterschiedlich zwischen Zentren und Chirurgen und nicht klar definiert, erklärte der Leiter der Abdominalen Transplantationschirurgie an der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie.

„Auch in der vorliegenden Studie sind die Ablehnungsgründe im Kontrollarm nicht aufgeführt.“ Das sei eine schwerwiegende Limitierung, sagte Dutkowski. „Inwieweit eine normotherme Perfusion statt einer kalten Lagerung tatsächlich die Rate an verwendbaren Lebern erhöht, kann daher aus dieser Studie nicht abgeleitet werden.“ Inakzeptabel sei zudem die hohe Drop-out-Rate.

Langzeit-Überlebensdaten liegen bisher nicht vor. Die Autoren gehen aber von einem positiven Einfluss der maschinellen Perfusion aus – sowohl auf die Langzeitergebnisse von Lebertransplantationen im Allgemeinen als auch auf die Sterblichkeit auf Wartelisten – sollte sich die Technik in die Praxis integrieren lassen.  Das „OrganOx“-Gerät ist bereits in Europa zugelassen. Der Einsatz ist jedoch vorerst auf klinische Studien beschränkt. Die britischen Forscher prüfen derzeit, ob die NMP das Organüberleben und das Patientenüberleben verbessert. Die Kosten für das Gerät sollen im Bereich von 4.000 bis 7.000 Pfund pro Organtransplantation liegen.

Neben der NMP gibt es noch andere Formen der Maschinenperfusion zur Organkonservierung. So konnten vor Jahren bereits positive Effekte der hypothermen Maschinenperfusion (HMP) für Nierentransplantate beim Patienten bestätigt werden. Dabei wird das Organ mit Konservierungslösung bei niedriger Temperatur durchspült.​ Diese Methode der Nierenkonservierung gehört in einigen Ländern längst zum Standard.

Verschiedene Perfusionsverfahren vergleichen

Die NMP kommt zur Konservierung von Lungen vor der Transplantation schon seit einiger Zeit zum Einsatz. Dabei könne unter bestimmten Voraussetzungen sogar eine  Qualitätsverbesserung des Transplantates während der Konservierung beobachtet werden, erklärte Schemmer. 

Auch Dutkowski geht davon aus, dass Techniken zur sicheren Organoptimierung in Deutschland aufgrund der augesprägten Organknappheit große Bedeutung zuteil wird. „Derzeit existieren zahlreiche Untersuchungen bezüglich verschiedener Perfusionsverfahren bei verschiedenen Temperaturen für sämtliche transplantierbaren Organe. Welches Verfahren sich am Ende durchsetzen wird, ist bisher unklar. Hierzu sind vergleichende Untersuchungen notwendig“, betonte er. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS