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Medizin

Hunger allein reicht nicht aus, um sich „hangry“ zu fühlen

Dienstag, 12. Juni 2018

hungrig, hangry Mann sitzt am Tisch und verlangt nach Essen. /LoloStock, adobe.stock.com
/LoloStock, adobe.stock.com

Washington/Chapel Hill – Wer hungrig ist, neigt dazu, Dinge schlechter zu bewerten als gesättigte Menschen. Im englischen Sprachraum nutzt man hierfür das Wort „hangry“. Ein leerer Magen allein hat die Stimmung jedoch nicht unter Kontrolle. In einer Studie bewerteten hungrige Menschen ein zweideutiges Bild nur dann negativ, wenn ihnen schon zuvor ein eindeutig negatives Bild gezeigt wurde. Die Ergebnisse haben die Forscher der University of North Carolina in Emotion publiziert (2018; doi: 10.1037/emo0000422).

Die Forscher führten zunächst 2 Onlineexperimente mit mehr als 400 Personen aus den USA durch. Den Teilnehmern wurde ein Bild gezeigt, das positive, neutrale oder negative Gefühle hervorrufen sollte. Anschließend konfrontierten die Forscher sie mit einem mehrdeutigen Bild, einem chinesischen Piktogramm, das sie auf einer 7-stufigen Skala von angenehm bis unangenehm bewerten sollten. Die Teilnehmer berichteten auch, wie hungrig sie sich fühlten.

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Kontext und Selbstbewusstsein entscheiden

Hungrige Teilnehmer, die zunächst ein eindeutig negatives Bild betrachtet hatten, bewerteten im Anschluss das zweideutige Piktogramm eher negativ im Vergleich zu gesättigten Teilnehmern. Wer hingegen ein neutrales oder positives Bild zu Beginn betrachtet hatte, bewertete das chinesische Piktogramm ähnlich wie gesättigte Teilnehmer. Die Forscher leiten daraus die Theorie ab, dass erst das negative Bild den entsprechenden Kontext herstellt, sodass das Hungergefühl in einer vorwiegend negativen Interpretation resultiert.

In einem zusätzlichen Laborexperiment mit mehr als 200 Studierenden mussten diese entweder fasten oder vorher essen. Einige Teilnehmer baten die Forscher, eine Schreibübung zu absolvieren, die den Fokus auf ihre Emotionen richtete. Anschließend erwartete alle Teilnehmer ein unangenehmes Szenario. Nach einer langwierigen Übung stürzte der Computer kurz vor Abschluss ab. Einer der Forscher kam in den Raum und beschuldigte den Studierenden für den Computercrash.

Die Teilnehmer wurden dann gebeten, Fragebögen über ihre Emotionen und ihre Wahrnehmung der Qualität des Experiments auszufüllen. Hungrige Personen berichteten dabei über größere unangenehme Emotionen. Sie waren häufiger gestresst und hasserfüllt, wenn sie sich zuvor nicht explizit auf ihre eigenen Emotionen konzentriert hatten. Den Forscher, der das Experiment durchführte, beurteilten sie ebenfalls eher schlecht. Anders fiel das Urteil der Teilnehmer aus, die sich zuvor in der Schreibaufgabe mit ihren Emotionen auseinandergesetzt hatten. Trotz Hungergefühl, berichteten sie nicht über negative Gefühle.

„Der Zweck unserer Forschung ist es, die psychologischen Mechanismen von hunger­induzierten emotionalen Zuständen besser zu verstehen – in diesem Fall, wie jemand zu einem ‚Hangry’ wird“, erklärt Hauptautorin Jennifer MacCormack, MA, eine Doktorandin in der Abteilung für Psychologie und Neurowissenschaften an der University of North Carolina in Chapel Hill. Wenn jemand hungrig ist, gibt es laut MacCormack 2 Schlüsselpunkte, die bestimmen, ob dieser Hunger zu negativen Emotionen beiträgt oder nicht: Kontext und Selbstbewusstsein.

Das Wort „hangry“ wurde inzwischen auch in das Oxford Wörterbuch aufgenommen. Die Definition beschreibt eine schlechte Laune oder Gereiztheit aufgrund von Hunger: „Bad-tempered or irritable as a result of hunger”. © gie/aerzteblatt.de

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