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Medizin

Stress könnte Risiko auf Autoimmunerkrankung erhöhen

Mittwoch, 20. Juni 2018

/Africa Studio, stockadobecom

Reykjavík – Patienten, die wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder anderer stressbedingter Erkrankungen im Krankenhaus behandelt werden mussten, hatten in einer Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2388–2400) ein erhöhtes Risiko, in den folgenden 10 Jahren eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln.

Stress hat über die Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren-Achse Auswirkungen auf das Immunsystem. Als eine mögliche Folge wird derzeit die Förderung von Autoimmunerkrankungen diskutiert. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass bei US-Veteranen, die im Vietnam- oder im Irak-Krieg eine PTBS erlitten hatten, in der Folge häufiger eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wurde. Nach einer anderen Studie scheinen Bewohner von US-Innenstädten durch einen erhöhten Stresslevel gefährdet zu sein. 

Huan Song von der Universität von Island in Reykjavík hat den Zusammenhang jetzt erstmals in einer bevölkerungsweiten Studie untersucht und die Ergebnisse durch den Vergleich von Geschwistern untermauert. Grundlage der Untersuchung sind die Daten von 106.464 Schweden, die zwischen 1983 und 2013 wegen einer PTBS oder anderer stressbedingter Erkrankungen im Krankenhaus behandelt wurden.

Von ihnen entwickelten in den folgenden 10 Jahren 8.284 eine Autoimmunerkrankung, bei der ein fehlgeleitetes Immunsystem den eigenen Körper angreift. Die Inzidenzrate betrug 9,1 pro 1.000 Personenjahre, während es in einer Kontrollgruppe aus gleich­altrigen Schweden gleichen Geschlechts, bei denen auch andere mögliche Risikofaktoren gleich verteilt waren, nur zu 6,0 Autoimmunerkrankungen auf 1.000 Personenjahre kam.

Song ermittelt eine Hazard Ratio von 1,36, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,33 bis 1,40 signifikant war. Für die  PTBS betrug die Hazard Ratio 1,46 (1,32–1,61) auf eine einzelne Autoimmunerkrankung. Die Hazard Ratio auf 3 oder mehr Autoimmun­erkrankungen betrug 2,29 (1,72–3,04). Dieser Anstieg lässt sich als Dosis-Wirkungs-Kurve deuten, was in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität ist. 

Der Vergleich von 78.635 Patienten mit 126.652 Geschwistern kommt mit einer Hazard Ratio von 1,46 (1,32–146) im Prinzip zum gleichen Ergebnis. Jüngere Patienten waren mehr gefährdet und eine Behandlung mit Antidepressiva (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI) scheint die Auswirkungen abzuschwächen. 

Wie immer in epidemiologischen Studien lassen sich andere Erklärungen nicht ganz ausschließen. So wäre es möglich, dass nicht der Stress, sondern die durch ihn ausgelöste Änderung des Lebensstils für das erhöhte Risiko verantwortlich ist. PTBS-Patienten leiden häufig unter Schlafstörungen. Viele neigen auch zu einem vermehrten Konsum von Alkohol und Zigaretten, die anstelle des Stresses für das erhöhte Erkrankungsrisiko verantwortlich sein könnten. © rme/aerzteblatt.de

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