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Gynäkologie: Vulvakarzinom – früh erkennen, rechtzeitig behandeln

Dtsch Arztebl 2017; 114(8): A-378 / B-325 / C-317

Baltzer, Jörg

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Das Vulvakarzinom stellt immer noch ein zu spät diagnostiziertes Karzinom dar, obwohl die Vulvaregion ideale Voraussetzungen für eine exakte Diagnostik, sei es gutartiger, sei es präinvasiver beziehungsweise invasiver Veränderungen, bietet. Insofern ist es den Autoren zu danken, dass sie mit diesem aktuellen Buch zu den Erkrankungen der Vulva diese Problematik mit praxisnahen, gut strukturierten Beiträgen aufgreifen, hat doch das Vulvakarzinom bei frühzeitiger Erkennung im Vergleich zu anderen Karzinomen besonders günstige Heilungsraten. Aus den sehr klar strukturierten Kapiteln sei zum Beispiel herausgegriffen der Beitrag zu Lichen sclerosus vulvae mit dem Hinweis, dass die Ätiologie nichts mit einem Östrogenmangel zu tun hat, es handelt sich eher um eine Autoimmunerkrankung. Von Bedeutung ist die differentialdiagnostische Abgrenzung, ,wobei erosive Veränderungen, Erythro- oder Leukoplakien stanzbioptisch abgeklärt werden müssen, um eine vulväre intraepitheliale Neoplasie rechtzeitig zu diagnostizieren, bewährte Therapie ist die Behandlung mit Clobetasol.

Prämaligne und maligne Erkrankungen werden präzise abgehandelt. Weltweit ist es in den letzten Jahrzehnten zu einer erheblichen Zunahme der vulvären intraepithelialen Neoplasie gekommen, neben einer Lokalbehandlung kommen die typischen operativen Maßnahmen von „Weiter Exzision“ bis zur einfachen Vulvektomie sowie die ablative Therapie mit dem CO2-Laser bzw. die fotodynamische Therapie infrage. Unerlässlich ist die vorherige histologische Sicherung. Auch beim Vulvakarzinom ist ein deutlicher Anstieg der Inzidenz in den letzten Jahren zu verzeichnen, insbesondere bei jüngeren Patientinnen. Zwischen HPV negativem und HPV positivem Karzinom ist zu unterscheiden. Die Stanzbiopsie ist auch hier die diagnostische Methode der Wahl zur eindeutigen histologischen Sicherung. Es schließt sich die übersichtliche Darstellung der unterschiedlichen Operationsverfahren unter dem Aspekt „so radikal wie notwendig, aber auch so schonend wie möglich“ an. Nicht ausgespart bleiben die unterschiedlichen Möglichkeiten der Defektdeckung. Ausführlich wird die Frage der Lymphonodektomie diskutiert, im Vordergrund die Sentinellymphonodektomie. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass bei einer notwendigen kompletten inguinalen Lymphonodektomie auch die tiefen femoralen Lymphknoten mit entfernt werden müssen. Bei Verzicht auf die Entfernung dieser Lymphknoten wird ein deutlich erhöhtes Leistenrezidivrisiko in Kauf genommen. Im Gegensatz zu früheren Schnittführungen ist die Triple-Incision-Methode vorzuziehen. Die Frage, ob die Lymphonodektomie zugunsten einer Bestrahlung der Leistenregion verzichtbar sei, wird anhand einer umfangreichen Analyse mit nein beantwortet.

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Von besonderem Interesse ist das im folgenden Kapitel dargelegte innovative Operationskonzept basierend auf der Theorie des ontogenetischen Krebsfeldes. In den folgenden Kapiteln werden die modernen Möglichkeiten einer Strahlenthera-pie, sei es als adjuvante Methode, sei es als neoadjuvante Therapie oder als primäre Therapieoption dargelegt. Zu begrüßen ist, dass die typischen histopathologischen Merkmale und prognostischen Kriterien anhand eines ausgesuchten Bildmaterials umfassend erläutert werden. Zusammengefasst ist den Herausgebern und Autoren zu danken, dass sie ein hervorragendes aktuelles Manual der Vulvaerkrankungen vorgelegt haben. Das Buch sollte in keiner gynäkologischen beziehungsweise dermatologischen Praxis fehlen. Auch der Allgemeinarzt profitiert von diesen aktuellen Informationen; nicht selten wird auch er mit den Beschwerden der betroffenen Patientinnen konfrontiert, sodass dieses Buch dazu betragen kann, dass das Vulvakarzinom früher erkannt und rechtzeitig behandelt werden kann.

Prof. Dr. med. Jörg Baltzer

Wolfgang Janni, Nikolaus Gregorio, Lukas Schwentner, Rainer Kürzl (Hrsg), Erkrankungen der Vulva, de Gruyter, Berlin, 2016, 183 Seiten, 89,95 Euro

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