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Schaeffer et al. (1) nutzen das für den Health Literacy Survey auf europäischer Ebene entwickelte Instrument (HLS-EU) zur Messung von Gesundheitskompetenz. Dieses ist jedoch nicht in der Lage, Kompetenzen zu beurteilen, die für informierte Entscheidungen notwendig sind. Dem HLS-EU liegt ein paternalistisches Konzept zugrunde – mit der vorrangigen Zielsetzung, die Therapietreue zu erhöhen. Zudem stützt sich HLS-EU auf subjektive Einschätzungen der Befragten zu den eigenen Kompetenzen. Gemäß dem Konzept der evidenzbasierten Medizin ist das HLS-EU-Instrument nicht valide. Zur Illustration zwei Beispiele:

  • Das Item 6 fragt, wie leicht/schwierig es ist, „die Packungsbeilagen Ihrer Medikamente zu verstehen“. Beipackzettel werden selbst von Ärzten und Apothekern nicht verstanden. Die Häufigkeitsangaben von Nebenwirkungen werden irrtümlicherweise ursächlich dem Medikament zugeschrieben (2). Nach HLS-EU würde fälschlicherweise jenem Bürger eine hohe Gesundheitskompetenz zugeschrieben, der angibt, Beipackzettel leicht zu verstehen.
  • Mit dem Item 23 wird erhoben, wie leicht beziehungsweise schwierig es fällt, „zu verstehen, warum man Vorsorgeuntersuchungen braucht“. Die Frage impliziert, dass Vorsorgeuntersuchungen per se nützlich sind, und spiegelt eine unkritische Position wider. Ein Bürger, der sich differenziert mit den Vor- und Nachteilen dieser Maßnahmen auseinandergesetzt hat und eine informierte Entscheidung für oder gegen Vorsorgeuntersuchungen trifft, würde wahrscheinlich „sehr schwierig“ ankreuzen und damit eine niedrige Gesundheitskompetenz bescheinigt bekommen.

Wir empfehlen dringend, das HLS-EU-Instrument nicht weiter einzusetzen.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0330a

Prof. Dr. phil. Anke Steckelberg

Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer

Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

anke.steckelberg@medizin.uni-halle.de

Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser

Universität Hamburg, MIN-Fakultät
Gesundheitswissenschaften

1.
Schaeffer D, Berens EM, Vogt D: Health literacy in the German population— results of a representative survey. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 53–60 VOLLTEXT
2.
Mühlbauer V, Mühlhauser I: Understanding adverse drug reactions in package leaflets—an exploratory survey among health care professionals. BMC Health Serv Res 2015; 15: 505 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Schaeffer D, Berens EM, Vogt D: Health literacy in the German population— results of a representative survey. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 53–60 VOLLTEXT
2.Mühlbauer V, Mühlhauser I: Understanding adverse drug reactions in package leaflets—an exploratory survey among health care professionals. BMC Health Serv Res 2015; 15: 505 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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