PHARMA

Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Potentes Immuntherapeutikum

Dtsch Arztebl 2017; 114(19): A-954

Fath, Roland

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Pembrolizumab ist zur Erstlinientherapie bei metastasiertem NSCLC zugelassen. Der PD-1-Antikörper verstärkt die T-Zell-basierte Immunantwort des Patienten.

Mit Pembrolizumab (Keytruda®) steht der erste PD-1- (programmed death receptor-1-) Antikörper auch zur Erstlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem NSCLC zur Verfügung. Voraussetzung für den Einsatz ist eine hohe Tumor-PD-L1-Expression (TPS ≥ 50 %) und keine EGFR- oder ALK-positive Tumormutation. Bei Patienten mit diesen Charakteristika konnte in der Zulassungsstudie das Überleben im Vergleich zur aktuellen Standardtherapie häufig deutlich verbessert werden, berichtete Prof. Dr. med. Martin Reck von der Lungenklinik Großhansdorf bei der Einführungspressekonferenz.

Rund ein Drittel aller nicht vorbehandelten Patienten mit metastasiertem NSCLC ohne EGFR-Mutation oder ALK-Translokation, die für die Studie gescreent wurden, erfüllten bei der Auswertung der Gewebeproben die Einschlusskriterien und hatten ein TPS ≥ 50 %, berichtete Reck. 305 Patienten wurden anschließend randomisiert mit Pembrolizumab als Monotherapie (Fixdosis 200 mg alle 3 Wochen) oder einer platinhaltigen Standard-Chemotherapie (4–6 Zyklen) behandelt. Wegen des überlegenen progressionsfreien und Gesamtüberlebens in der Gruppe der Patienten mit Immuntherapie wurde die Studie vorzeitig beendet, betonte Reck als Studienleiter (NEJM 2016; 375: 1823–33).

Das Progressions- oder Sterbe-risiko wurde signifikant um 50 % gesenkt (p < 0,001). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug unter Pembrolizumab 10,3 Monate im Vergleich zu 6 Monaten unter Chemotherapie. Nach 6 beziehungsweise 12 Monaten waren 62 % beziehungsweise 48 % der mit Pembrolizumab behandelten Patienten noch am Leben und progressionsfrei, verglichen mit 50 % beziehungsweise 15 % der Patienten unter Chemotherapie.

Das Sterberisiko wurde um 40 % gesenkt (p = 0,005). Zu beachten dabei sei, dass fast 50 % der Patienten im Chemotherapie-Arm aufgrund von Progression in den Pembrolizumab-Arm wechselten, sagte Reck. Das mediane Gesamtüberleben wurde bisher in keiner der Gruppen erreicht. Die Sterberate nach 6 beziehungsweise 12 Monaten betrug 80 % beziehungsweise 70 % unter Pembrolizumab im Vergleich zu 72 % beziehungsweise 54 % unter Chemotherapie. 45 % der Patienten (im Vergleich zu 28 % unter Chemotherapie) sprachen auf die Pembrolizumab-Monotherapie an, 6 Patienten (versus 1) komplett.

Auch wurde die Immuntherapie deutlich besser vertragen als die Chemotherapie. Die Häufigkeit jeglicher Grad-¾-Toxizität lag bei 26 % im Vergleich zu 51 % unter Chemotherapie. Zu rechnen sei vor allem mit Nebenwirkungen, die mit der Hochregulation des Immunsystems assoziiert seien – zum Beispiel Erhöhung der Leberwerte, Darmentzündung oder Pneumonitis (rund 5 %), sagte Reck.

Aufgrund der Verfügbarkeit der neuen Therapieoption rücken jetzt auch frühzeitige PD-L1-Testungen bei infrage kommenden Patienten in den Vordergrund. Dies ist nicht trivial, da eine Lungenbiopsie mit Gewinnung von Tumorproben erforderlich sei, sagte Dr. med. Markus Tiemann aus Hamburg. Gut zu leisten sei von erfahrenen Ärzten die Beurteilung des Cut-offs von mindestens 50 % betroffener Tumorzellen mit PD-L1-Expression.

Das Ziel sei es, bundesweit Standardtests zur Verfügung zu stellen. Jährlich erkranken in Deutschland rund 50 000 Menschen an Lungenkrebs. Rund 60 % von ihnen werden erst im metastasierten Stadium diagnostiziert und 85 % haben keine therapierbare onkogene Alteration, berichete Reck. Das heißt, es können keine zielgerichtet wirkenden Medikamente eingesetzt werden.

Mit fast 400 klinischen Studien bei mehr als 30 Tumorarten treibt der Hersteller ein umfassendes und rasch wachsendes klinisches Entwicklungsprogramm zu Pembrolizumab sowohl als Monotherapie als auch in mehr als 200 der Studien in Kombination mit anderen antineoplastischen Therapien voran.

Roland Fath

Quelle: MSD Launch Pressekonferenz „Keytruda® (Pembrolizumab) – Erster und einziger PD-1-Inhibitor für die 1st Line-Therapie beim fortgeschrittenen NSCLC“ in Hamburg

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