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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetischer Neuropathischer Schmerz: Capsaicin-Hochdosis-Pflaster wirkt moderat schmerzlindernd

Dtsch Arztebl 2017; 114(19): A-951 / B-795 / C-777

Siegmund-Schultze, Nicola

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Neuropathische Schmerzen sind komplexe, schwer zu behandelnde neuronale Störungen, bei denen es anamnestisch Hinweise auf eine Läsion oder eine zugrunde liegende Erkrankung gibt. Für eine sichere Diagnose des neuropathischen Schmerzes sollten auch klinische oder apparative Nachweise einer Läsion oder Grunderkrankung vorliegen. Zu den Pharmakotherapien erster Wahl gehören systemische Medikamente wie tri- oder tetrazyklische Antidepressiva, selektive Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer oder Antikonvulsiva. Topische Medikamente mit dem Ziel schneller Wirkung sind Lidocain- und Capsaicin-Pflaster.

In der STEP-Studie, einer randomisierten, doppelblinden placebokontrollierten Untersuchung, ist geprüft worden, ob die einmalige Anwendung eines Hochdosis-Capsaicin-Pflasters (8 %) für 30 Min. bei Patienten mit diabetischem neuropathischem Schmerz die Symptome verändert. Das Pflaster wurde auf schmerzhafte Areale an den Füßen aufgebracht. Die Evaluation der Wirksamkeit erfolgte mithilfe der Numeric Pain Rating Scale (NPRS) über einen Zeitraum von 2 bis 8 Wochen (primärer Endpunkt).

369 erwachsene Patienten wurden 1:1 randomisiert in eine Gruppe, die mit einem wirkstoffhaltigen Pflaster therapiert wurde (n = 186), und eine zweite Gruppe, die ein Placebopflaster erhielt (n = 183). Im Vergleich zum Ausgangswert des NPRS war die tägliche Intensität des Schmerzes in der Verumgruppe im Zeitraum 2 bis 8 Wochen um 27,4 % gesunken und in der Placebogruppe um 20,9 % (durchschnittliche Differenz [Δ] zwischen Verum und Placebo: – 6,6; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [– 12,3; – 0,8]; p = 0,025). Zu Woche 12 (sekundärer Endpunkt) hatten sich die Schmerzwerte nach einmaliger Wirkstoffpflasterapplikation um 28 % reduziert und um 21 % in der Placebogruppe (Δ durchschnittlich: –7,1 [–12,9; –1,2]). Im Verumarm berichteten die Patienten über moderate Verbesserungen der Schlafqualität. Lokale unerwünschte Wirkungen – die meisten waren mild bis moderat – traten bei 46,8 % in der Capsaicin-Gruppe auf und bei 33,9 % der Patienten im Verumarm. Systemische Nebenwirkungen wie Missempfindungen oder Störungen der Kälte- und Wärmeperzeption wurden nicht beobachtet.

Fazit: Die einmalige Anwendung eines Hochdosis-Capsaicin-Pflasters hat diabetische neuropathische Schmerzen in den Füßen über einen Zeitraum bis 12 Wochen moderat verbessert, ebenso die Schlafqualität. „Circa 15 % aller Diabetiker leiden an zum Teil starken neuropathischen Schmerzen“, erläutert Prof. Dr. med. Ralf Baron, Leiter der Sektion Neurologische Schmerzforschung und -therapie an der Klinik für Neurologie der Universität Kiel.

„Die topische Behandlung mit dem Hochdosis-Capsaicin-Pflaster ist aus mehreren Gründen eine sinnvolle Erweiterung des Therapiespektrums: Wegen der rein topischen Wirkweise des Capsaicins sind keine systemischen Nebenwirkungen zu erwarten und eine Kombination mit anderen oralen Medikamenten ist problemlos möglich und auch sinnvoll. Eine einzige Applikation hat einen lang andauernden Wirkeffekt von mehreren Wochen, bevor die Behandlung wiederholt werden muss. Leider konnten bis heute keine Prädiktoren für eine gute Wirksamkeit des Capsaicin-Pflasters identifiziert werden, sodass Therapie-Responder durch Austesten ermittelt werden müssen.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Simpson DM, Robinson-Papp J, Van J, et al.: Capsaicin 8 % in painful diabetic peripheral neuropathiy: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. J Pain 2017; 18: 42–53.

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