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Arbeiten in der Psychiatrie: Große Fortschritte in der Forschung

Dtsch Arztebl 2017; 114(40): [18]

Spielberg, Petra

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Anfang Oktober findet in Berlin der Weltkongress Psychiatrie mit einem Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie statt. Zugleich kämpft auch das Fach Psychiatrie mit Nachwuchssorgen.

Foto: jiris/stock.adobe.com
Foto: jiris/stock.adobe.com

Psychische Erkrankungen gehören zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen in Deutschland. Denn rund 20 bis 30 Prozent aller Erkrankungen gehen auf Depressionen, Angststörungen und andere psychische Krankheitsbilder zurück. Bei den Suiziden stehen 90 Prozent in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen. Ferner stellt die zunehmende Zahl an Demenzerkrankungen nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Medizin vor große Aufgaben.

Zugleich macht die Forschung im Bereich Psychiatrie immer größere Fortschritte. Vielversprechend sind zum Beispiel die aktuellen Erkenntnisse im Bereich der Biomarker und strukturellen Bildgebung. So ist es mithilfe der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) möglich zu erkennen, welche neurochemischen Veränderungen einer Erkrankung zugrunde liegen. Mit der funktionellen Magnet-Resonanz-Tomografie (fMRT) wiederum lässt sich nachvollziehen, wie sich diese Veränderungen auf die Hirnfunktion auswirken.

„Diese Einblicke sind fundamental, um neue gezielte Angriffspunkte für Psychopharmaka auszumachen und direkt festzustellen, ob und wie eine Therapie anschlägt“, so Professor Dr. Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in einem von der DGPPN veröffentlichten Interview. Die neuen „Werkzeuge“ böten eine große Chance für maßgeschneidertere Diagnosen und Therapien.

Aber auch Gesundheits-Apps könnten sich für die Behandlung psychiatrischer Erkrankungen zunehmend als hilfreich erweisen. „Menschen mit einer bipolaren Störung zum Beispiel rutschen oftmals sehr schnell in eine manische Phase. Eine App könnte Frühwarnsymptome wie weniger Schlaf und vermehrte Aktivität anzeigen – oder auch eine sich anbahnende Depression erkennen. Das ermöglicht Betroffenen, sich rechtzeitig an ihren Psychiater zu wenden und behandeln zu lassen“, macht Meyer-Lindenberg an einem Beispiel deutlich. Welche Chancen Apps und moderne Bildgebungsverfahren bei der Diagnose und Behandlung psychiatrischer Patienten bieten, ist auch ein zentrales Thema auf dem Weltkongress der Psychiatrie, der vom 8. bis 12. Oktober in Berlin stattfindet. Mit den rund 10 000 zu erwartenden Teilnehmer ist dies der bislang größte Kongress auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit in Deutschland. Veranstalter sind die World Psychiatric Association in Kooperation mit der DGPPN.

Weitere thematische Schwerpunkte bilden unter anderen die Komorbidiät von psychischen und körperlichen Erkrankungen, die Prävention und Gesund­heits­förder­ung sowie die Psychopathologie – insbesondere mit Blick auf neue Krankheitsbilder und deren Klassifikation. Darüber hinaus beschäftigt sich der Weltkongress auch mit gesundheitspolitischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen wie soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Menschenrechte.

Trotz all der spannenden und zukunftsweisenden Entwicklungen rund um psychiatrische Krankheitsbilder benötigt das Fachgebiet Psychiatrie dringend Nachwuchskräfte, damit auch in Zukunft eine lückenlose Versorgung gewährleistet ist.

Aktuell sind 13 462 Psychiater ärztlich tätig. Über die Hälfte von ihnen ist zwischen 50 und 65 Jahre alt oder älter. Vor allem auf dem Land zeigen sich aber bereits deutliche Versorgungsengpässe.

Die DGPPN hat deshalb vor rund einem Jahr eine Nachwuchsinitiative mit der Bezeichnung Generation Psy gestartet. Das Team aus Medizinstudenten, Weiterbildungsassistenten und Fachärzten richtet sich speziell an interessierte Schüler, Medizinstudierende und Assistenzärzte mit Infos rund um das Fach Psychiatrie. Neben einer Internetplattform zum Wissenstransfer und gegenseitigen Austausch gehört zum Service auch ein Paket aus Summer Schools, Mentoringprogramm und Intensivkursen, das auf die unterschiedlichen Abschnitte der Ausbildung zum Psychiater oder Psychotherapeuten abgestimmt ist.

Aus Sicht von Generation Psy lohnt es sich gleich aus mehreren Gründen, Psychiater zu werden. „Psychiatrie ist wie das Erkunden unbekannter Völker. Jeder Mensch und seine Familie hat eine eigene Landkarte, die es zu erfahren und ergründen gilt und deren innere Logik immer wieder Erstaunen hervorrufen kann. Diese Entdeckungsreisen gehören zu den spannendsten Momenten des Berufsalltages“, so die Nachwuchsinitiative auf ihrer Internetseite.

Der Berufsalltag ist dabei so vielfältig wie das Spektrum psychischer Erkrankungen. Das Fach bietet zugleich die Möglichkeit zur Spezialisierung, zum Beispiel auf die Bereiche Gerontopsychiatrie oder Forensische Psychiatrie.

Petra Spielberg

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